Mutter tadelt Kind, das sich die Ohren zu hält

Ich will abeeer! – Trotzphase beim Kleinkind

Euer kleiner Schatz spielt glücklich und zufrieden im Sandkasten auf dem Spielplatz, doch langsam müsst ihr wieder nach Hause – und das Drama beginnt. Euer Kind wirft sich auf den Boden, schlägt um sich, schreit und zetert, dass es noch bleiben will. Missbilligende Blicke anderer Eltern machen die Situation nicht gerade einfacher. Dabei ist ganz klar: Euer Kind befindet sich in der Trotzphase, die jeder Heranwachsende durchmacht. Was es damit genau auf sich hat und wie ihr mit eurem Trotzkind umgehen könnt, lest ihr bei uns.

Was bedeutet Trotzphase überhaupt?

Trotz zeichnet sich vor allem durch Widerstand aus – gegen Eltern, Freunde, manchmal aber auch einfach gegen sich selbst. Begleitet wird dieser Zustand von heftigen Gefühlsausbrüchen, die mitunter hartnäckig und vor allem in regelmäßigen Abständen während der Trotzphase wiederkommen können. Das bockige Verhalten kann mit einer durchgebrannten Sicherung verglichen werden. Im ersten Moment ist scheinbar alles in Ordnung, doch plötzlich – gerne auch mal ohne Vorwarnung – entwickelt sich euer kleiner Engel zum störrischen Bengel. Der kleine Sturkopf will partout seinen Willen durchsetzen und sich dabei nicht durch öde Grenzen und Regeln von Mama und Papa beirren lassen.

Wutanfall, Beißen & Co.: Wenn Erziehungstipps nicht mehr helfen

Oft zeigt sich in einem Wutanfall die Unzufriedenheit über eigene Unzulänglichkeiten. Wenn das Kind heranwächst, merkt es immer wieder, dass es bestimmte Dinge noch nicht kann. Der Stift rutscht in der Hand noch immer hin und her und die blöde Strumpfhose lässt sich nicht alleine anziehen. Dann kommt Verzweiflung auf. Manchmal reicht aber auch schon die Angst, dass sich die Eltern plötzlich nicht mehr genug um einen kümmern, sich vielleicht abwenden. Der Sprössling bekommt Panik, die er letztlich in einer Trotzreaktion zu verarbeiten versucht.

Die Trotzphase: Wann geht sie los?

Bei den meisten Kindern beginnt die Trotzphase ab einem Alter von einem Jahr und hört mit Eintritt in den Kindergarten, also mit etwa drei Jahren wieder auf. Die Kleinen entwickeln ihre eigenen Vorstellungen und Vorlieben, die sie durchsetzen wollen. In dieser Zeit strapazieren die lieben Kleinen die Geduld ihrer Eltern ganz schön, doch denkt immer daran: Es heißt nicht umsonst Trotzphase – mit der Zeit lindert sich die emotionale Spannung eures Kindes auch wieder und diese anstrengende Phase nimmt ein Ende. Mit etwa vier Jahren sollten alle Kinder das Schlimmste überstanden haben. Wenn es dann immer noch nicht besser ist, hilft eine professionelle Beratung.

Liebe Trotzphase: Wie lange bleibst du?

Mit etwa vier Jahren sollten alle Kinder das Schlimmste überstanden haben. Wenn es dann immer noch nicht besser ist, hilft eine professionelle Beratung.

Warum ist die Trotzphase wichtig?

Während das Kind sich selbst erst richtig kennenlernt, muss es immer wieder feststellen, dass manche Dinge nicht auf Anhieb so funktionieren, wie es sich der kleine Träumer vorstellt. Das Laufen will geübt sein und auch alltägliche Dinge können ganz schöne Herausforderungen darstellen. Daher muss euer kleiner Schatz lernen, auch mit Frustrationen und Niederlagen umgehen zu können. Auf der anderen Seite kann sich auch Beharrlichkeit und Durchhaltevermögen auszahlen, sodass sich euer Schützling nach erfolgreicher Leistung stolz und zufrieden fühlen kann. Euer Kind muss lernen, wann es sich lohnt, am Ball zu bleiben und wann es manche Dinge einfach so akzeptieren muss.

Grundbaustein für das spätere Leben

Wahrscheinlich ist es auch für gestresste Eltern besser, wenn ihr euch immer wieder vor Augen haltet, dass diese Phase einen bedeutenden Beitrag zur Entwicklung eures Kindes bietet. Euer kleiner Schatz muss erkennen, dass er nicht immer alles bekommen kann, was er will. Stattdessen muss er in der Lage sein, seine Emotionen in den Griff zu bekommen und sie nicht unwillkürlich zu entladen. Auf diese Weise entwickelt sich euer Nachwuchs zu einem selbstständigen und selbstbewussten Erwachsenen.

Falsche Erziehungsmethoden: Alles die Schuld der Eltern?

Viele fragen sich, was sie als Eltern falsch machen, wenn der nächste Wutanfall ausbricht. Seid euch dessen bewusst, dass euer Kind dieses Verhalten aber nicht an den Tag legt, um euch eins auszuwischen. Vielmehr ist der Raufbold oft selber von der Masse an Gefühlen überrascht, die ihn von jetzt auf gleich überrollt. Daher ist die Trotzphase kein Ergebnis einer schlechten Erziehung, sondern bei allen Kindern normal und notwendig. Gerade in schwierigen Situationen, zum Beispiel beim Eintritt in die Kindertagesstätte oder wenn ein weiteres Geschwisterchen erwartet wird, fühlt sich das Kind schnell überfordert.

Trotziges Mädchen
  • Tipp

    Es ist völlig normal, dass auch Eltern einmal die Fassung verlieren. Ein Kind zu erziehen ist ein 24-Stunden-Job, in dem keiner verlangen kann, immer gelassen und ruhig zu bleiben. Wenn euch der Geduldsfaden mal reißt, stellt sicher, dass eurem kleinen Dickkopf erstmal nichts passieren kann. Versucht anschließend, euch abzulenken und verlasst vielleicht das Zimmer.

Ist das normal, was mein Kind macht?

Manche Eltern kennen vielleicht das etwas beschämende Gefühl, wenn sich das Kind mitten beim entspannten Einkaufsbummel vor das nächste Regal wirft, sich nichts mehr sagen lässt und völlig hysterisch den halben Laden zusammenschreit. Um euch eure Sorgen zu nehmen: Ja, das ist völlig normal. Ignoriert die Blicke eurer Mitmenschen einfach und freut euch darüber, dass euer kleiner Schatz so lebhaft ist.

Trotzphase: Was tun, wenn das Kind nur noch aufmuckt?

Seid für euren kleinen Liebling da, auch wenn es manchmal schwerfällt. Helft ihm, mit seinen überkochenden Gefühlen umzugehen. Zeigt aber vor allem, dass ihr ihn auch nach seinem Wutausbruch noch lieb habt und ihn dafür nicht verurteilt. Hier findet ihr noch einige Regeln und Tipps, die euch helfen könnten:

  • Verletzungsgefahren verhindern

    Achtet darauf, dass euer Kind sich selber, aber auch andere nicht durch unkoordinierte Wutattacken verletzen kann. Vielleicht gebt ihr ihm ein Kissen, auf das es einschlagen und somit seinen Ärger kontrolliert herauslassen kann. Sobald es gegenüber anderen handgreiflich wird, müsst ihr ihm unmissverständlich klarmachen, dass es damit aufzuhören hat.

  • Keine Moralpredigt halten

    Gerade wenn euer Schatz mitten in der Trotzreaktion ist, bringt es überhaupt nichts, stumpf auf ihn einzureden. Dadurch wird er sich kaum besinnen – stattdessen machen zusätzliche Anforderungen die Situation oft noch schlimmer. Wartet, bis sich sein Unmut von allein beruhigt hat.

  • Bleibt ruhig

    Auch wenn es sicher schwerfällt, müsst ihr selber ruhig bleiben. Ganz wichtig ist aber, dass ihr euer Kind nicht für sein Verhalten bestraft, ihm droht oder gar Gewalt anwendet. Zieht euch lieber kurz zurück und beruhigt euch selber erst. Denkt außerdem daran, dass euer Zögling seine Wut nicht speziell gegen euch richtet, nehmt seinen Ärger also nicht persönlich.

  • Nichts unnötig dramatisieren

    Führt euch immer wieder vor Augen, dass diese Phase für die Heranwachsenden normal ist, daher bringt es nichts, den Vorfällen unnötig viel Aufmerksamkeit zu schenken. In bestimmten Situationen dürft ihr auch ruhig mal nachgeben, ansonsten aber eher ein konsequentes Verhalten zeigen.

  • Wenn die Wogen wieder geglättet sind

    Sobald euer kleiner Schatz ruhiger wird, versucht vorsichtig, sich ihm wieder anzunähern. Für viele Kinder ist so ein Ausbruch recht anstrengend und verwirrend. So brauchen sie danach die Zusicherung der Eltern, dass trotzdem noch alles in Ordnung ist. Versucht herauszufinden, weshalb euer Kind so aufbrausend geworden ist und zieht daraus Rückschlüsse für nächste Situationen. Vielleicht hatte es Angst, fühlte sich missverstanden oder zurückgesetzt?

Junge zieht Grimasse

Welche Geheimtipps gibt es?

Manche Mütter schwören darauf, dass sie einfach etwas Unvorhergesehenes machen, das die Kinder mitten im Trotzanfall erstmal überrascht und ablenkt. Andere setzen ihren Zögling einfach ins Auto und fahren mit ihm eine Runde um den Block. Hilfreich ist es auch, ein Tagebuch zu führen, um später nachvollziehen zu können, wann und wieso der Kleine wütend geworden ist.

  • Überforderung vermeiden

    Wenn euer Kind müde oder hungrig ist, oder mit einer bestimmten Situation nicht zurechtkommt, ist Verzweiflung vorprogrammiert. Habt daher bestenfalls immer ein paar Snacks dabei, räumt nicht genutzte Spielsachen weg und haltet die Auswahlmöglichkeiten beim Essen gering.

  • Routine und Regeln

    Sobald es feste, klare Abläufe und Regeln gibt, wird euer Kind merken, dass es sinnlos ist, dagegen anzukämpfen. Auf diese Weise wird zum Beispiel das abendliche Zubettgehen nicht mehr zur Tortur. Kommuniziert die besprochenen Regeln auch mit Freunden und Großeltern, damit euer Kind nicht woanders Erlaubnis für ein bei euch verbotenes Verhalten bekommt.

  • Ablenkung verschaffen

    Kinder lieben es, wenn sie das Gefühl haben, dass sie wichtig sind. Gebt eurem kleinen Liebling einfach eine Aufgabe, sei es im Supermarkt das Brot zu holen, oder die Plastikdosen nach dem Abspülen wegzuräumen. Euer Kind wird stolz sein, autonom und eigenständig die Herausforderung gemeistert zu haben.

  • Auszeit nehmen

    Zwischen Kita, Kinderschwimmen und Freunde treffen haben die Kleinen manchmal kaum Zeit, um etwas runterzukommen. Plant daher ausreichend Zeit ein, redet mit eurem Schatz, kuschelt zwischendurch. Eine Viertelstunde früher am Morgen aufzustehen kann Stress vermeiden.

Wir wünschen euch viel Geduld und Nachsicht mit eurem kleinen Trotzkind! Bald ist es vorbei.

Euer Team von babymarkt.de

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4 Antworten
  1. Anonym says:

    Kann es sein, dass Kinder mit 4 Jahren auch noch mal so eine Phase durchmachen , in der probiert wird wie weit sie gehen können? Zb, dass man erlaubt sie dürfen sich 2 Kekse nehmen, wollen aber 3 und es wird so lange gemault und gemeckert bis sie die 3 bekommen.

    Antworten
    • Laura says:

      Hallo,
      ja das kann definitiv sein, dass dein Kind auch mit vier Jahren noch seine Grenzen austesten möchte und sich noch in dieser Phase befindet. Es gibt auch Kinder, bei denen die Phase auch bis zum Grundschulalter anhält oder die Wutanfälle phasenweise immer Mal wieder auftreten. Haltet ihr euch aber an die genannten Tipps wird es mit der Zeit ganz sicher besser.
      Wir wünschen euch weiterhin alles Gute und ganz viel Ruhe und Geduld.
      Liebe Grüße,
      Laura

      Antworten
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