Das verkürzte Zungenbändchen

Nadja
Nadja03.06.2020Lesezeit ca. 4 Minuten
Baby mit verkürztem Zungenbändchen

Unsere Zunge übernimmt viele Aufgaben und unterstützt uns besonders bei der Nahrungsaufnahme und beim Sprechen. 3 – 5 % der Neugeborenen werden mit einem verkürzten Zungenbändchen geboren. Wie man das erkennt und was es für Therapiemöglichkeiten gibt, erfahrt ihr in diesem Text.

Das Zungenbändchen

Die Zunge wird beim Stillen über die untere Kauleiste geschoben und bewegt sich bei der Saugbewegung massierend nach unten und oben. Dadurch wird die Brust entleert und die Milch läuft in den Mund des Kindes.

Das Zungenbändchen ist eine muskuläre Falte an der Unterseite der Zunge. Dieses Band verbindet die Zungenunterseite mit dem Mundboden.

Symptome bei einem verkürzten Zungenbändchen

Die Zunge kann sich nicht genug vom Mundboden lösen und ist stark eingeschränkt in der Beweglichkeit. Oft sieht man eine Herzförmige oder auch Quadratische Zungenform. Die Kinder können die Zunge nicht herausstrecken und oft sind Stillschwierigkeiten das erste Anzeichen dafür.

Erste mögliche Anzeichen:

Je nach Ausprägung kann es durchaus sein, dass es nicht im Säuglingsalter erkannt wird. Das verkürzte Zungenbändchen wird sich spätestens bei der Bildung von Sprachlauten bemerkbar machen. Die Buchstaben d, t, n, l und s können schlecht oder gar nicht geäußert werden, da man dafür eine bewegliche Zunge benötigt.

Verkürztes Zungenbändchen: Diagnose

Eine erfahrene Hebamme, ein erfahrener Kinderarzt / eine erfahrene Kinderärztin können mit einem Untersuchungsspatel eine Verkürzung des Zungenbandes feststellen. Leider wird diese Diagnose oft sehr spät gestellt, da eine schwierige Stillbeziehung viele Gründe haben kann. Oft geben die Frauen das Stillen auf oder denken, dass sie zu wenig Milch haben.

Baby schreit aufgrund des KiSS-Syndroms

Bei älteren Kindern kann man es anhand der Zungenbeweglichkeit feststellen. Kann ein Kind die Zunge rausstrecken? Kann es Sprachlaute wie La Le Lu bilden?

Was tun bei verkürztem Zungenbändchen?

Je früher eine Diagnose gestellt wird, desto einfacher und komplikationsloser ist die Therapie.

Bei Neugeborenen in den ersten Wochen wird das verkürzte Zungenbändchen unter einer Lokalanästhesie durchtrennt. Da es noch sehr dünn und nur wenig durchblutet ist, ist dies ein kleiner Eingriff. Wenn das Kind gestillt wird, sollte es direkt danach angelegt werden. Dies wirkt beruhigend und durch den Druck auch Blutstillend.

Bei älteren Kindern ist das Zungenband schon dicker, fester und auch stärker durchblutet. Daher ist hier für die Durchtrennung eine Vollnarkose notwendig. Bei einer späten Diagnose sollte man Logopäden hinzuziehen. Hier kann das Kind die Beweglichkeit der Zunge und die Bildung der Sprechlaute trainieren.

Bei einem stark verkürzten Zungenbändchen kann es auch zu Kiefer- und Zahnfehlstellungen kommen. Hier arbeiten Kinderärzte, Oralchirurgen und Zahnärzte eng zusammen.

Wir wünschen euch und eurem Kind alles Gute.

Eure Hebamme Nadja