Epilepsie beim Baby

Vera
Vera07.07.2020Lesezeit ca. 4 Minuten
Baby beim Arzt

Auch Babys und Kleinkinder können unter unkontrollierbare Krampfanfälle leiden. Welche Formen der Epilepsie gibt es? Und wie werden die Anfälle diagnostiziert und behandelt? Das erfahrt ihr im Folgenden.

Was ist Epilepsie?

Bei Epilepsie, auch Fallsucht genannt, spricht man von einem krampfartigen Leiden, welches von einer Fehlfunktion des Gehirns ausgelöst wird. Ein epileptischer Anfall kann in jedem Lebensalter auftreten. Etwa 0,5 Prozent alle Kinder leiden an Epilepsie. Auch Babys im Mutterleib können schon davon betroffen sein.

Welche Formen von Epilepsie gibt es bei Babys?

  • Frühkindliche Absence-Epilepsie

    Diese Art der Epilepsie tritt meist zwischen dem ersten und vierten Lebensjahr auf. Charakteristisch hierfür sind kurze Bewusstseinspausen. Für einen Zeitraum von etwa 5 bis 30 Sekunden sind die Kinder abwesend, sie verharren in ihrer Position, haben einen leeren Blick und reagieren nicht auf die Ansprache anderer. Den Kindern selbst ist ihr Verhalten nicht bewusst. Nach dem Anfall kehren sie normal in ihre Tätigkeit zurück. Sie können sich dann meist an nichts mehr erinnern. Meist leiden die Kinder unter leichten Entwicklungsverzögerungen. Häufig wird diese Art von Anfällen auch nach Fieberkrämpfen beobachtet. Die Behandlung ist bei dieser Art von Epilepsie sehr schwierig und eine Heilungschance sehr gering.

West-Syndrom / BNS
BNS-Epilepsie, auch West-Syndrom genannt, steht für „Blitz-Nick-Saalam“. Jeder einzelne Begriff beschreibt eine charakteristisches Symptom. Diese Art von Epilepsie tritt meist zwischen dem dritten und neunten Lebensmonat auf. Jungen sind hiervon häufiger betroffen als Mädchen.
B steht für Blitz-Anfälle. Diese äußern sich in plötzlichen Muskelzuckungen einzelner Gliedmaßen, manchmal auch am ganzen Körper.
N steht für Nick-Anfall. Hierbei zuckt das Kinn, wie beim Nicken, zur Brust. Dies entsteht durch eine Verkrampfung der Hals-Nacken-Muskulatur.
S steht für Saalam-Anfall. Kopf und Rumpf beugen sich hierbei ruckartig nach vorne. Zeitgleich können Zuckungen in Händen und Armen auftreten.
Bei dieser Art der Epilepsie liegt meist auch Entwicklungsstörung bei den Kindern vor, die durch eine Hirnschädigung verursacht wurde. Je nach Grad der Schädigung und Störung richtet sich die Behandlung. Die Heilungsaussichten sind ebenfalls davon abhängig.
Dravet-Syndrom
Dieses sehr seltene Syndrom tritt meist zwischen dem dritten und zwölften Lebensmonat auf. Die Ursache hierfür ist meist ein genetischer Fehler. Dieser stört die Kommunikation zwischen dem Gehirn, den Nervenzentren und der Körperfunktionen. Meist äußert sich ein Anfall in unkontrollierbaren Bewegungen der Arme, Beine und Gesichtsmuskulatur. Zusätzlich versteift sich der komplette Rumpf der Kinder.
Leider ist die Behandlung des Dravet-Syndroms sehr schwierig. Medikamente helfen oft nicht. Häufig verschlimmern diese den Verlauf sogar noch. Die meisten Kindern leiden zusätzlich unter geistigen Entwicklungsstörungen. Die Förderung der Kinder hat hier oberste Priorität.
Baby liegt auf dem Rücken

Epilepsie beim Baby: Die Diagnose

Besteht der Verdacht einer Epilepsie bei einem Kind sind Kinderneurologen die besten Ansprechpartner. Der erste Weg geht aber zum Kinderarzt. Dieser überweist dann bei einem Verdacht zum Neurologen oder Kinderneurologen. Je eher eine Behandlung begonnen wird, umso besser sind die Erfolgsaussichten. Auch eine Verschlimmerung oder mögliche Folgeschäden können dann am besten vermieden werden. Die Diagnose erfolgt durch ein EEG, hierbei werden die Hirnströme gemessen, sowie weitere neurologische Untersuchungen.

Wie wird Epilepsie beim Baby behandelt?

Ist die Diagnose sicher, können, je nach Art der Epilepsie, Medikamente verordnet werden, die die Anfälle unterdrücken sollen. Zeigt eine medikamentöse Behandlung zu wenig oder keine Wirkung, können speziellere Therapie notwendig sein. Dies muss im Einzelfall mit den Ärzten besprochen werden, da hier die Behandlungsmethoden sehr vielfältig sind. Die medizinische Behandlung ist natürlich sehr wichtig. Die Belastung, sowohl für die Kinder, aber auch die Angehörigen ist aber nicht außer Acht zu lassen. Hierbei ist es vor allem ganz wichtig zu erlernen, wie man in der Akutsituation am besten reagiert. Professionelle Beratung ist hier zwingend zu empfehlen.

Wir wünschen eurem Baby alles Gute!

Eure Hebamme Vera