Homöopathie bei Kindern – Alles nur Hokuspokus?

Julia
Julia02.12.2016Lesezeit ca. 6 Minuten
Homöopathische Arzneimittel

Jedes Elternteil kennt das: Das Kind hat wieder einmal Schnupfen, Husten oder beklagt sich über Halsschmerzen. Immer mehr Eltern entscheiden sich in solchen Situationen die Symptome des Kindes mithilfe von Homöopathie zu lindern. Um nicht bei jedem kleinsten Wehwehchen zum Kinderarzt zu rennen, schwören viele Eltern auf die Kraft der Homöopathie bei Kindern. Was genau ist die Homöopathie denn? Und warum scheiden sich die Geister bei diesem Thema so sehr?

Selbstheilungskräfte aktivieren

„Similia similibus curentur“. Zugegeben, das klingt tatsächlich nach Hokuspokus. Hinter diesem lateinischen Satz verbirgt sich jedoch nur das zentrale Prinzip der Homöopathie: Ähnliches wird mit Ähnlichem behandelt. Dieses Prinzip steht im Gegensatz zur herkömmlichen Medizin. Bei der Schulmedizin werden Mittel zur Heilung eingesetzt, die entgegensetzt wirken. Bei der Homöopathie bekommt der Patient ein Mittel, das im besten Fall genau die Symptome auslöst, die den Beschwerden entsprechen. So wird bewusst vorerst eine Verschlimmerung der Beschwerden ausgelöst, damit das Immunsystem seine eigenen Kräfte aktiviert und stärker zur Selbstheilung beiträgt.

Der sensible Kinderkörper

Das Immunsystem von Kindern und Babys ist noch sehr sensibel. Es befindet sich in einem stetigen Trainingsprozess, bei dem es sich von Tag zu Tag selbst stärkt und reift. Das erklärt, warum Kinder viel häufiger und schneller erkältet sind als Erwachsene. Homöopathische Wirkungsstoffe stärken das Immunsystem zusätzlich, indem sie dieses noch intensiver zum Arbeiten anregen. Viele Eltern greifen daher lieber auf diese homöopathischen Mittel zurück, da sie viel natürlicher und sanfter für den empfindlichen Kinderkörper sind, als chemische Arzneimittel.

Anamnese als Bestandteil der Homöopathie: Das Kind als Individuum

Ein weiterer wichtiger Bestandteil der Homöopathie ist die sogenannte Anamnese. Unter Anamnese versteht man alle, für die Behandlung der Symptome, erforderlichen Informationen, die das Kind betreffen. Homöopathisch behandelnde Ärzte nehmen sich viel Zeit für ihre Patienten. Es soll ein ganzheitliches Bild des Erkrankten entstehen. Dabei werden viele, auch sehr persönliche, Details ermittelt, damit ein körperlich-geistig-seelischer Zustand genau bestimmt wird.

Globuli, Globulus, Globu- Was?

Die bei der homöopathischen Therapie verwendeten Arzneien werden Globuli (Einzahl: Globulus) genannt. Nein, auch hierbei handelt es sich nicht um Hokuspokus. Das Wort „Globuli“ beschreibt im wörtlichen Sinne die Form der Heilungsmittel. Diese sind nämlich meist in kleinen, weißen Kügelchen vorhanden. Die Inhaltsstoffe dieser Kügelchen sind allesamt natürlich und meist sehr stark verdünnt. Viele der Globuli werden mit Traubenzucker verdünnt, das sorgt für den sehr süßen Geschmack. Durch den süßen Geschmack sind sie bei Kindern besonders beliebt und die Kleinen weigern sich nicht die homöopathischen Medikamente einzunehmen. Bei kleinen Kindern wird meist eine Einnahmemenge von drei Globuli empfohlen, bei größeren Kindern können es bis zu fünf Globuli sein. Dabei solltet ihr aber wissen, mehr ist in diesem Fall nicht mehr. Wenn ihr eurem kleinen Sprössling wesentlich mehr Kügelchen gebt als die vorgeschriebene Menge, wird es keinen zusätzlichen Einfluss auf die Heilung haben. Das Gute hierbei ist, dass von den Globuli keine Vergiftungsgefahr ausgeht. Anders als bei chemischen Arzneimitteln ist eine „Überdosis“ an Globuli völlig harmlos. Sollte euer neugieriger Spatz also mal klammheimlich ein ganzes Fläschchen Globuli aufgefuttert haben, müsst ihr euch keine Sorgen machen.

Da homöopathische Mittel die Selbstheilungskraft aktivieren, braucht euer Kind besonders viel Ruhe und Erholung. So kann sich der Körper eures kleinen Schatzes vollkommen auf das Heilen konzentrieren. Das gilt selbstverständlich nicht nur bei der Behandlung mit homöopathischen Heilungsmitteln.

Was spricht gegen Homöopathie bei Babys und Kindern

Während Zahlreiche, darunter auch viele Eltern, auf die Wirkungskraft der kleinen Streukügelchen schwören, gibt es mindestens genauso viele hartnäckige Gegner und Kritiker der Homöopathie. Dabei ist ein Fakt von zentraler Bedeutung in dieser Debatte: Die tatsächliche Wirksamkeit der homöopathischen Mittel konnte bis heute nicht bewiesen werden. Viele Befürworter versuchen damit zu argumentieren, dass Homöopathie auch bei Kindern funktioniere. Und diese würden ja nicht verstehen, dass sie gerade Medizin zu sich nehmen. Wenige kleine Studien belegen jedoch, dass selbst bei Kindern ein Placeboeffekt (teilweise stärker als bei Erwachsenen) möglich ist.

Gegner der Homöopathie ärgern sich oft darüber, dass die Krankenkassen oft die Kosten für diese Heilmittel übernehmen, obwohl diese keine bewiesene Wirkungskraft aufzeigen.

Auf die gesunde Mischung kommt es an

Unabhängig davon ob ihr an die Kraft der Homöopathie glaubt oder nicht, im Vordergrund steht die Gesundheit eures Kindes. Bei kleineren Erkältungssymptomen, wie Schnupfen oder Husten, wissen Eltern recht schnell, was ihrem Kind am besten hilft. Dafür eignen sich oft homöopathische Mittel. Sollten schwerwiegendere Symptome, wie sehr hohes Fieber oder starker, länger anhaltender Durchfall auftreten, ist der Besuch beim Kinderarzt unabdingbar. Wichtig dabei ist, dass der behandelnde Arzt über jegliche Medikamenteneinnahmen Bescheid weiß, unabhängig davon ob sie homöopathisch oder chemisch sind. Ihr müsst für euch persönlich entscheiden, welche Heilungsmethode für die Erkrankung eures Kindes angemessen ist. Ob mit chemischen, natürlichen Stoffen oder durch den Placeboeffekt, Hauptsache euer kleiner Spatz wird schnell wieder gesund!

Wie steht ihr zu dem Thema Homöopathie bei Kindern?

Habt ihr schon positive oder negative Erfahrungen mit Homöopathie bei euren Kindern gemacht?

Euer Team von babymarkt.de

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