Stillende Mutter im Cafe

Stillen in der Öffentlichkeit – Völlig normal oder absolut unangebracht?

Es ist allgemein bekannt: Stillen ist das Beste für euren kleinen Liebling. Durch die Muttermilch bekommt euer Säugling alle wichtigen Nährstoffe, ist weniger anfällig für Allergien und sein Immunsystem wird bestmöglich unterstützt. Zuhause in den eigenen vier Wänden ist das Stillen auch meist kein Problem. Doch was machen Mütter, wenn sie unterwegs sind und weit und breit kein ruhiger Ort zu sehen ist? In der Öffentlichkeit zu stillen stellt für Kritiker immer wieder ein gefundenes Fressen dar. Völlig unangebracht sei es, an einem öffentlichen Platz die Brust zu entblößen! Andere sagen wiederum, dass es nichts Anstößiges daran auszusetzen gibt. Was an diesen Vorurteilen letztlich dran ist, erfahrt ihr in unserem Ratgeber-Beitrag.

Ist Stillen in der Öffentlichkeit erlaubt?

Bevor wir uns mit der allgemeinen Meinung zum Thema Stillen in der Öffentlichkeit auseinandersetzen, soll es zunächst um den rechtlichen Rahmen gehen. In Australien beispielsweise ist es ausdrücklich erlaubt, das Kind an publiken Plätzen zu stillen. Auch in Großbritannien herrscht ein Gesetz, dass Schwangeren das Stillen an jedem Ort ermöglicht.

Lage in Deutschland

In Deutschland ist es ebenfalls nicht verboten, in der Öffentlichkeit das Kind an die Brust zu legen. Es darf euch also niemand untersagen, euer Kind im Supermarkt oder im Restaurant zu stillen. Nichtsdestotrotz gibt es leider gerade in den letzteren Räumlichkeiten, also in Lokalen, Bars, Cafés häufig Konflikte, da die Betreiber um ihre restlichen Kunden bangen. Nicht selten beschwert sich der ein oder andere Gast über diesen intimen Akt der Nahrungsgabe und sieht es als Grund, beim nächsten Mal ein anderes Lokal aufzusuchen. Daher verweisen immer wieder einige Restaurantbesitzer die stillenden Mütter nach draußen oder auf die Toilette. Leider hört man immer wieder von solchen Geschichten und es bleibt umstritten, ob und wie man dagegen vorgehen kann, da sich die Besitzer auf ihr Hausrecht berufen können.

Eine Frage der Kultur oder Religion?

Auf Plakaten in der Großstadt, auf dem Cover der nächsten Illustrierten, in der Werbung im Fernsehen – es braucht nicht lange, bis man auf nackte Haut oder ein tief ausgeschnittenes Dekolleté  trifft. Doch warum ist es in Zeitschriften in Ordnung, die Frauen halb entblößt abzubilden, und in der Realität trifft das Zeigen der Brust beim Stillen auf so viel Ablehnung und Intoleranz? Schließlich sagt an FKK-Stränden auch keiner etwas gegen die Textilfreiheit. Außerdem herrscht in Deutschland kein Vermummungsgesetz. Dennoch scheint es immer noch eine Art Schamgefühl auszulösen, stillende Mütter zu sehen.

Schaut für weitere Tipps und Informationen rund ums Thema Stillen in unserer Themenwelt vorbei oder informiert euch in unseren anderen Ratgeberbeiträgen!

Ist Stillen in der Öffentlichkeit zu ekelig?

Gerade Männer finden es teilweise als ekelig, wenn Frauen ihren Säugling anlegen. Es fallen Ausdrücke wie „sexueller Akt“, der in der Öffentlichkeit nichts zu suchen haben soll. Auch einige Frauen sprechen sich deutlich gegen das öffentliche Stillen aus. Für sie ist dieses Vorgehen viel zu intim und nicht für die Allgemeinheit bestimmt.

Lasst euch nicht verunsichern!

Ihr könnt durchaus selbstsicher euer Kind in der Öffentlichkeit stillen, solltet aber damit rechnen, einigen skeptischen, vielleicht sogar abwertenden Blicken oder Kommentaren ausgeliefert zu sein. Es bedarf ohne Zweifel sehr viel Mut, sich den Äußerungen anderer zu stellen, doch sollte euch dies letztlich nicht davon abhalten, euer Kind zu stillen.

  • Sucht euch Bestätigung und Rückhalt zum Beispiel in Stillgruppen, oder tauscht euch in Foren mit anderen Müttern über eure Erfahrungen und Haltungen aus. Oft hilft es schon zu hören, dass auch schon andere Frauen negative Erfahrungen gemacht, sich aber nicht haben einschüchtern lassen. Auf diese Weise könnt ihr lernen, dass das Stillen völlig normal sein sollte – ganz egal, wo ihr gerade seid.

Tipps fürs Stillen in der Öffentlichkeit

Zuhause ist es recht einfach, den kleinen Liebling zu füttern. Hier könnt ihr ohne Sorge eure Brust freilegen und euer Baby auf ein Stillkissen betten, wo es bequem und stabil liegt. Doch sobald ihr in einem überfüllten Kaufhaus steht, euer Baby unentwegt schreit und nach Nahrung verlangt, ist es schnell vorbei mit der Ruhe und Gelassenheit. Schließlich findet auch euer kleiner Schatz die Hektik um ihn herum nicht immer ganz so schön, wird selber unruhig und will nichts trinken. Daher gibt es einige Tipps, wie ihr auch unterwegs problemlos stillen könnt.

  • Diskretes Stillen in der Öffentlichkeit

    Auch wenn es normal sein sollte, an öffentlichen Orten zu stillen, kann es manchmal ratsam sein, recht diskret dabei vorzugehen. Natürlich müsst ihr euch nicht verstecken, doch auch für euer Baby kann es besser sein, wenn es Ruhe hat. Zieht euch einfach an einen ruhigen Platz zurück und widmet euch eurem kleinen Liebling.

  • Gewusst, wo!

    Wenn ihr in der Stadt unterwegs seid, könnt ihr zunächst in einer Apotheke nach einem ruhigen Örtchen fragen. Oft bieten Apotheken nämlich extra Räume für stillende Mütter an, wohin diese sich zurückziehen können. Doch auch in Umkleidekabinen im nächsten Mode-Geschäft, in Waschräumen oder in einer geschützteren Ecke im Möbelhaus auf einem Stuhl ist es einfacher, das Kind anzulegen.

  • Übung macht den Meister

    Da beispielsweise in einer Umkleidekabine oder einer Parkbank nicht immer das geliebte Stillkissen dabei ist, sollte es bestenfalls auch ohne gehen. Damit ihr für solche Situationen gewappnet seid, ist es ratsam, andere Griffe auszuprobieren, mit denen ieuer Kind gut saugen kann, eure Brust aber nicht völlig frei liegt. Holt euch gegebenenfalls euren Partner zu Hilfe und probiert gemeinsam aus, wie das Stillen möglichst diskret funktioniert.

  • Vorbereitung ist die halbe Miete

    Wenn ihr schon im Vorfeld wisst, dass ihr nur ungern in der Öffentlichkeit stillt, könnt ihr eure Unternehmungen auch dem Stillrhythmus eures Kindes anpassen. Nach einigen Wochen nach der Geburt solltet ihr und euer Sprössling langsam eine Routine entwickelt haben, wann es Zeit für die nächste Milchladung ist. Zudem könnt ihr, bevor ihr das Haus verlasst, noch einmal stillen, sodass euer Kind die nächsten zwei bis drei Stunden gesättigt ist. Eine weitere Alternative ist das Abpumpen. Leider verlangt diese Methode einiges an Zeit, und wird zudem von manchen Frauen als recht unangenehm empfunden. Auch einige Babys finden den ungewohnten Sauger erstmal komisch, und wollen lieber wieder die Brust. Probiert es am besten einfach mal aus.

  • Signale deuten

    Achtet auf euren Nachwuchs! Wenn ihr bemerkt, dass er unruhig wird und Hunger bekommt, gebt ihm direkt die Brust. So fängt er erst gar nicht an zu schreien und lenkt keine unerwünschten Blicke auf sich.

  • Die richtige Kleidung

    Vielleicht assoziiert ihr mit Stillkleidung noch recht unvorteilhafte Schnitte, Formen und Farben, doch muss dies gar nicht sein. Schaut euch einfach die Umstandsmode und Stillbekleidung in unserem Shop an. Hier findet ihr modische Tops und Shirts für jeden Anlass, die trotzdem keine Einbußen in ihrer Funktionalität machen. Vor allem Still-BHs sind wahres Gold wert. Setzt auf BHs, die ihr mit einer Hand öffnen und wieder schließen könnt und die während des Stillens die obere Brust verdecken.

  • Tragetuch, Stilldecke und Co.

    Um sich vor neugierigen oder abschätzigen Blicken zu schützen, kann ein dünnes Tuch herhalten. Legt dieses einfach über eure Brust, um sie zu verdecken. Wenn es draußen kälter ist, kann eine dickere Stilldecke für Schutz sorgen und gleichzeitig warm halten. Mit einem Tragetuch habt ihr euren kleinen Liebling eng bei euch, könnt ihn unbemerkt stillen und euch zudem auch noch frei bewegen.

Wir hoffen, dass wir euch mit unseren Tipps einige Fragen rund um das Stillen in der Öffentlichkeit beantworten und euch eure Sorgen nehmen konnten.

Euer Team von babymarkt.de

2 Antworten
  1. P.menge@gmx.net'
    Petra Menge says:

    Ich habe bereits vor fast 40 Jahren meine Kinder, auch in der Öffentlichkeit gestillt. Es war eine Selbstverständlichkeit für mich. Wenn mein Baby Hunger hatte, wurde dieses Bedürfnis auch gestillt, egal wo wir gerade waren. Ich habe aber immer darauf geachtet, dass wir möglichst ungestört waren. In einem Café habe ich mich nicht mitten an die Theke gesetzt, sondern einen Tisch gesucht, der möglichst ruhig am Rande stand. Ich habe mich auch nie ganz entblößt, sondern lediglich mein Shirt hochgeschoben, das Baby manchmal noch mit einem leichten Tuch abgedeckt, wenn es zu laut war. Für Außenstehende sah es meistens so aus, als ob ich das Kind nur in meinem Armen wiegte. Ich habe 6 Kinder, mein Jüngster ist 18, die Älteste 39. So habe ich es immer gemacht und niemals hat jemand Anstoß daran genommen!

    Antworten
    • pratke@babymarkt.de'
      Janine says:

      Liebe Petra, das ist wunderbar – wir freuen uns, dass du durchweg positive Erfahrungen mit dem Stillen in der Öffentlichkeit gemacht hast. Das wünschen wir auch allen anderen Müttern! Viele Grüße, Janine

      Antworten
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