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Erste Hilfe am Kind #5: Unfälle vermeiden

Wiebke
13.01.2022Lesezeit ca. 8 Minuten
Erste Hilfe am Kind: Unfälle vermeiden

Als Eltern steht der Schutz eures Kindes an erster Stelle! Am liebsten bist du in den ersten Lebensabschnitten immer in der Nähe und verfolgst mit großer Aufmerksamkeit alle sonstigen Kontakte und Bewegungen deines Kindes. Du bist dir sicher: Zuhause bei Mama und Papa ist dein Kind am sichersten.

Leider ist sieht die Realität anders aus: Über 80% aller Unfälle mit Kindern in den ersten beiden Lebensjahren passieren im Haushalt der Eltern, in der Regel in deren Anwesenheit. Zu diesem Ergebnis kommt die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärungen (BZgA), die mit einer Vielzahl an kostenlosem Informationsmaterial auf ihrer Internetseite über viele Gefahrenquellen und deren Beseitigung informiert. Hier möchten wir ein paar bekanntere, aber auch unbekanntere Gefahrenquellen herausgreifen und dich damit für dieses Thema sensibilisieren. Denn mit ein paar einfachen Ratschlägen kannst du deine eigenen vier Wände für deine Kinder zu einem sicheren Zuhause machen.

Kinder beginnen früh ihre Umgebung zu erkunden. Das beginnt zuerst in den eigenen vier Wänden. Bist du eigentlich schon einmal auf allen Vieren durch deine eigene Wohnung gekrabbelt? Dann kannst du erleben, wie dein Kind die Umgebung in den ersten Jahren wahrnimmt. Erinnere dich an einen der Grundgedanken der Ersten Hilfe: Kinder sind keine kleinen Erwachsenen. Sie nehmen ihre Umgebung nicht nur aus einer anderen Sichtweise wahr, sondern sind dabei noch eingeschränkt: Kinder sehen all das, was auf ihrer Augenhöhe liegt. Alle anderen Ebenen nehmen Kinder nicht bewusst wahr, was leicht zu Unfällen und Verletzungen führen kann.


Artikelinhalt:


    Unfälle durch Stolpern und Stoßen: Die richtige Beleuchtung

    In den allermeisten Fällen stolpern und stoßen wir uns im eigenen Haushalt, wenn wir uns nachts durch die eigenen vier Wände bewegen und dabei durchaus mal die eine oder andere Stolperkante übersehen. Das hat nicht nur etwas mit Müdigkeit zu tun, sondern maßgeblich mit weniger Licht. Je besser die Wohnung beleuchtet ist, desto weniger bleiben Stolper- und Stoßgelegenheiten unbemerkt.

    Deswegen achte auf gut ausgeleuchtete Räume, aber auch Flure und Treppenhäuser. Für die Nacht helfen auch kleine Leuchten in den Steckdosen, die sich mittels eines Bewegungsmelders einschalten. Des Weiteren empfehlen wir niedrig angebrachte Lichtschalter, sodass das Kind die Lichtschalter auch erreichen kann.

    Wegen der besonderen kindlichen Perspektive und daraus resultierenden Wahrnehmung der Umwelt solltest du insbesondere Ecken und Tischkanten mit einem entsprechenden Schutz versehen. Ein solcher Tischkantenschutz verhindert schlimmere Verletzungen und kann immer wieder rückstandslos entfernt werden, sobald er nicht mehr gebraucht wird. Hier sind insbesondere Kopfverletzungen zu erwähnen, die dadurch entstehen, dass Kinder ihre eigene Stirnhöhe nicht einschätzen können.

    Erste Hilfe für Kinder: Achtung, rutschig!

    Ein besonderes Augenmerk möchten wir auf den Boden legen: Teppiche sollten rutschsicher auf dem Boden liegen, Stolperkanten vermieden werden.

    Im Kinderzimmer bietet sich ein weicher Bodenbelag an. Ein Teppichboden schützt dein Kind zudem vor einer Unterkühlung durch den kalten Boden. Grundsätzlich empfehlen wir auf alles achten, was auf den Boden liegen und zur Gefahrenquelle werden kann. Dazu zählt herkömmlicher Straßenschmutz, Flusen oder sonstige Kleinteile, in die das Kind – oder du selbst – treten und sich verletzen kann oder aber die Kinder verschlucken können. Ebenso sollten Flüssigkeiten sofort aufgewischt werden, um ein Ausrutschen zu vermeiden.

    Erste Hilfe für Kinder: Elektrogeräte und Stromquellen

    Den elementarsten Schutz vor Stromverletzungen erreichst du durch entsprechende Steckdosensicherungen. Darüber hinaus solltest du auf intakte Stromkabel und Stromgeräte, GS-geprüfte Geräte und verdeckte Stromleitungen achten.

    Allgegenwertig in unserem Alltag sind USB-Kabel. Eine unterschätzte Gefahr stellen USB-Kabel dar, wenn Kinder im Spiel Kleinteile wie z.B. eine Büroklammer in das Kabel stecken und ein Stromschlag erleiden. Lade deine Geräte daher immer außerhalb der Reichweite von Kindern auf.

    Erste Hilfe bei Kindern: Badezimmer

    Trotz der FI-Schalter solltest du stets darauf achten, elektronische Geräte wie Fön, Rasierer, Glätteisen von Wasser fernzuhalten. Ein in der Badewanne sitzendes Kind darf zu keinem Zeitpunkt und auch nicht für wenige Sekunden unbeobachtet gelassen werden. Für einen Ertrinkungsunfall reichen wenige Augenblicke. Achte beim Baden ständig auf die Wassertemperatur. Während heißes Wasser zu Überwärmung oder gar Verbrennungen führen kann, ist ebenso schnell eine Unterkühlung möglich.

    Achte bei der Auswahl deiner Reiniger auf Schadstoffe und vermeide Reiniger, die dein Kind gefährden. Auch auf eine übermäßige Desinfektion solltest du verzichten. Sobald du Oberflächen gründlich reinigst – dabei reicht ein Putzlappen mit Spülmittel – kannst du Keime wie Bakterien und Viren schon auf der Oberfläche reduzieren. Eine Desinfektion von Wickeltischen ist ebenso wenig notwendig. Auf Desinfektionsmittel mit Alkohol möchten wir in Umgebung mit Kindern generell verzichten.

    Reiniger sollten immer in der dafür vorgesehen Flasche belassen werden. Auf dieser Flasche stehen wichtige Daten, die im Falle eines Kontaktes mit dem Kind für die Giftinformationszentrale (030 19 24 0) wichtige Informationen beinhalten. Trinkt das Kind versehentlich Putzmittel, kannst du schnellstmöglich der Giftinformationszentrale die entscheidenden Daten nennen. Denkt daran: Eine Flasche mit selbst aufgezeichnetem Totenkopf ist für Kinder in Zeiten der „Wilden Kerle“ nicht abschreckend, sondern im Zweifel noch einladend.

    Elektronische Geräte wie Waschmaschine und Spülmaschine kannst du mit einem „Kinderstopp“ versehen, sodass diese nicht (z.B. im Spiel mit den Geschwistern) in das Gerät eingesperrt werden können.

    Erste Hilfe für Kinder: Scherben bringen nicht immer Glück

    Grundsätzlich sollte in Haushalten mit Kindern auf Glas bei Einrichtung und Alltagsgegenständen besonders geachtet werden. Wenn möglich bevorzugt den Einsatz von Sicherheitsglas. Gerade Glastüren können beim Toben und Spielen schnell übersehen werden. Beklebe die Glastüren in deiner Wohnung für eine bessere Sichtbarkeit und ergänze Zimmertüren mit einer geeigneten Splitterschutzfolie, die bei Unfällen vor gefährlichen Schnittverletzungen schützen kann.

    Erste Hilfe für Kinder: Küche, Kochen, Kinder

    Die Küche wartet nicht nur für Kinder mit einer breiten Palette von Gefahrenquellen auf. Grundsätzlich sollten sich Kinder daher niemals allein in der Küche aufhalten (können). Des Weiteren solltest du auch während ihrer Anwesenheit stets auf eine bestmögliche Sicherung aller Gefahrenquellen achten: Sichert heißen Töpfe, Herdplatten und den Backofen so, dass das Kind sich dort nicht verbrennen kann. Die Töpfe sollten bevorzugt auf die hinteren Herdplatten gestellt werden, damit Kinder diese nicht vom Herd ziehen können. Knöpfe und Touchscreen eines Ofens/Herdes können meist mit einer Kindersicherung gesperrt werden.

    Und wenn doch einmal etwas schief geht? Das Basis-Schema und cABCDE-Schema gibt dir einen guten Überblick, worauf du in einem Notfall achten müsst:

    Zu viel Text? Hier geht's zum Video!

    Dieser Beitrag entstand in freundlicher Zusammenarbeit mit dem DRK-Kreisverband Bochum e.V. und wurde gemeinsam mit Tobias Matreitz und Jürgen Richter erarbeitet.