Die häufigsten Fragen zur Ersten Hilfe am Kind

Wiebke
Wiebke15.03.2021Lesezeit ca. 11 Minuten

Beim Thema Erste Hilfe am Kind kommen einige Fragen immer wieder auf, den die Sorge um das eigene Kind ist verständlicherweise groß und manche Notfälle sind besser vorstellbar als andere. Um einige wiederkehrende Fragen einmal ausführlich zu beantworten, widmen wir uns sieben Schwerpunkten: Insbesondere geht es um Maßnahmen bei Unfällen durch Verschlucken, der Versorgung von Kopfplatzwunden und allergischen Reaktionen.


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    Was kann ich tun, wenn sich mein Kind an Nahrung oder Gegenständen verschluckt?

    Kommt es bei einem Kind zum Verschlucken, ist die innere Unruhe der Eltern meist sehr groß. Die Situation sieht gefährlich aus und die Unruhe wächst mit zunehmender Atemlosigkeit des Kindes sowie Blaufärbung der Haut. Zuerst müsst ihr klären, ob der Fremdkörper verschluckt wurde und sich auf den Weg in den Magen macht oder ob der Fremdkörper in der Luftröhre feststeckt und eine Atemwegsbehinderung verursacht.

    Verschlucken in den Magen

    Kinder, die einen Fremdkörper hinunterschlucken, sind oftmals nur sehr überrascht und können über Hals- und Bauchschmerzen sowie Schluckbeschwerden und Würgereiz klagen. So etwas kann durchaus schnell geschehen, wenn Kinder ihre Umwelt entdecken und Gegenstände in den Mund nehmen. In der Regel ist das nicht einmal ein Problem, da sie meist auf dem natürlichen Wege wieder ausgeschieden werden. Hierbei kann es auch nur vorübergehend zu einer Atemnot durch einen zu großen Essensbrocken oder Gegenstands kommen, durch den sich die Speiseröhre aufgrund ihrer direkten Nachbarschaft zur Luftröhre ausdehnen kann und diese verengt. Sobald der „Bolus“, so wird der Fremdkörper oder große Nahrungsbrocken genannt, im Magen angekommen ist, verschwindet auch die Atemnot.

    Achtung bei Gefahrengütern und Gift
    Problematisch wird es eher bei Gefahrengütern oder giftigen Materialien und Nahrungen. Hierbei empfehlen sich der Notruf 112 und ein Anruf bei der Giftinformationszentrale (030 19 240).

    Verschlucken mit der Folge einer Atemwegsverlegung

    Gefährlicher wird es hingegen, wenn das Kind einen Fremdkörper in die Atemwege bekommt. Diese Situation wirkt allein schon dadurch dramatischer, dass das Kind Anzeichen einer schweren Atemnot, Blaufärbung der Haut und große Panik zeigt.

    Die einfachste und erste Maßnahme aus der Ersten Hilfe ist der Versuch, den Fremdkörper mechanisch zu entfernen:

    Lagerung während der Hilfsleistung

    Ihr könnt das Kind je nach Körpergröße entweder über euer Knie legen oder es sich nach vorne überbeugen lassen.

    Achtung!
    Das Kind sollte auf keinen Fall an den Beinen baumelnd behandelt werden. Das auf den Kopf stellen verbessert aus anatomischen Gründen in keiner Weise die Kraft, die den Fremdkörper hinausbefördern soll.

    Wird das Kind bewusstlos, müsst ihr lebensrettende Sofortmaßnahmen ergreifen. Die ausführlichen Beschreibungen findet ihr im Basisschema der Ersten Hilfe nach Matreitz und im ABCDE-Schema der Ersten Hilfe.

    Wenn das Kind keine Atmung hat, beginnt mit fünf Beatmungen. Das gilt auch für den Fall des Erstickens bzw. des Atemstillstandes aufgrund eines Fremdkörpers in den Atemwegen. Dabei ist aufgrund eines eventuellen Fremdkörpers in der Luftröhre mit mehr Widerstand bei der Beatmung zu rechnen. Diese Beatmung ist für euch als Ersthelfer dennoch in jedem Falle problemlos möglich, da durch etwas mehr Druck am entsprechenden Fremdkörper vorbei beatmet und die Lunge mit Luft gefüllt werden kann. Der Fremdkörper kann dabei zwar in Richtung der Lungenflügel beatmet, später aber im Krankenhaus im Rahmen einer Bronchoskopie problemlos entfernt werden.

    Je kleiner das Kind ist, desto mehr Aufmerksamkeit bedarf die Nahrungswahl. Kinder sollten zum Beispiel erst spät Nüsse essen, da sie sich daran schnell verschlucken können. In diesem Zusammenhang sind auch Verpackungen und Kleinteile von Säuglingen und Kindern möglichst fernzuhalten, da sie diese schnell in den Mund nehmen und verschlucken können. Ebenfalls empfehlen wir auf das Lutschen von Bonbons, Keksen oder ähnlichem bei Autofahrten oder in hektischen Momenten zu verzichten.

    Wie überprüfe ich im Notfall die Vitalzeichen?

    Erinnern wir uns an die Grundlagen der Ersten Hilfe am Kind, stellen wir hier die Atmung bei der Überprüfung der Vitalzeichen in den Mittelpunkt. Dabei helfen euch eure Sinne: Anschauen, Ansprechen, Anfassen. Eine entsprechende Demonstration zur Überprüfung der Atmung findet ihr im Basisschema der Ersten Hilfe.

    Wie versorge ich eine Platzwunde am Kopf?

    Eine Kopfverletzung beim Kind ist schnell passiert. Grundsätzlich gilt für Kopfverletzungen bei Kindern, dass ein Arztbesuch empfohlen wird. Zumindest aber bedarf diese Verletzung einer besonderen Aufmerksamkeit durch euch als Eltern. Auch nach Stunden kann sich eine Kopfverletzung durch eine unbemerkte Gehirnerschütterung verkomplizieren, obwohl zunächst keine Symptome erkennbar waren. Achtet deswegen besonders auf das Verhalten des Kindes und beobachtet Anzeichen wie

    Spätestens bei Bauchschmerzen mit Übelkeit und gegebenenfalls Erbrechen ist der Arzt aufzusuchen.

    Die Wunde am Kopf an sich versorgt ihr zunächst wie jede Wunde, indem ihr die Wunde möglichst keimarm abdeckt. Das Fixieren einer sterilen Kompresse auf der Wunde sollte nach Möglichkeit mit etwas Druck erfolgen, um die Blutung schneller zu stoppen.

    Ab zum Arzt
    Eine Kopfplatzwunde ist in der Regel eine Indikation für einen Besuch beim Arzt oder in der Notaufnahme.

    Wie gehe ich mit einer Verbrennung oder Verbrühung um?

    Bei einer Verbrennung oder Verbrühung eines Patienten und explizit eines Kindes kommen zu den üblichen Aspekten der Wundversorgung zusätzlich die Besonderheiten der Verbrennungssituation. Zum einen muss die entstandene und in der Regel extrem schmerzhafte Wunde entsprechend versorgt werden, was ihr als Eltern lediglich provisorisch vornehmen und in jedem Falle ärztlich untersuchen lassen solltet. Verzichtet bei der Versorgung einer Brandwunde grundsätzlich auf Cremes und Hausmittel und verwendet zur keimarmen Wundversorgung vorzugsweise mit Gaze beschichtete Tücher beziehungsweise Brandverletztentücher.

    Schockgefahr Arztbesuch erforderlich!

    Des Weiteren ist bei Verbrennungen und Verbrühungen insbesondere die Schockgefahr zu berücksichtigen: Auch Erwachsene, insbesondere aber Kinder haben bedingt durch die Hitze neben dem psychischen auch einen sogenannten Volumenmangelschock. Durch die Hitze werden die Gefäßwände durchlässiger und Blutplasma tritt aus. Dies finden wir zum Beispiel in den Brandblasen wieder. Da der Flüssigkeitsverlust durch das Austreten des Blutplasmas so extrem, doch gleichzeitig auch unbemerkt von statten geht, muss schon bei einer Verbrennung oder Verbrühung größer als eine Kinderhandfläche immer einen Arzt aufgesucht werden.

    Entfernen von Kleidung

    Die Kleidung sollte nach einer Brandverletzung oder einer Verletzung mit heißer Flüssigkeit nur so weit entfernt werden, dass entstandene Wunden nicht  weiter aufreißen. Bei einer Verbrühung sollte sofort mit Wasser gekühlt und währenddessen die Kleidung entfernt werden, um nicht durch die vorherige Entfernung aufgesogene heiße Flüssigkeit auszupressen und weitere Verbrühungen zu verursachen oder diese zu verstärken.

    Was kann ich bei einer allergischen Reaktion oder einem allergischen Schock tun?

    Allergische Reaktionen wirken oftmals dramatischer durch den visuellen Eindruck. Zunächst sind bei Schocksituationen jeglicher Art die üblichen Schockmaßnahmen hilfreich: „Betüddeln“ und Schocklage.

    Tiefergehend können bei Allergien verschiedene Auswirkungsgrade unterschieden werden. Während bei Grad 0 lediglich leichte Rötungen auftreten, kommt es bei Grad 1 z.B. zu Quaddeln und Ausschlag sowie Blässe des Kindes. In beiden Fällen reichen die genannten üblichen Ersten-Hilfe-Maßnahmen sowie die Entfernung des Allergens (zum Beispiel ein Bienenstachel) aus. Diese Fälle eines allergischen Schocks verlaufen in der Regel weitaus weniger dramatisch als allgemein angenommen. Selbst wenn es zu einer akuten Atemnot des Kindes infolge einer allergischen Reaktion kommt, ist diese oft mehr durch die Panik und den Schock verursacht als durch eine wirklich atmungsbehindernde Atemwegsverengung. Somit stehen weiterhin die psychologische Betreuung und das Beruhigen des Kindes im Mittelpunkt. Zusätzlich können Maßnahmen zur Atemerleichterung wie eine entsprechende Lagerung und Kühlung des Halses von innen und außen durchgeführt werden.

    Allergische Reaktion mit Atemproblemen

    Sollte sich die allergische Reaktion des Kindes so heftig entwickeln, dass eine nicht mehr kontrollierbare Atemnot, erkennbar zum Beispiel durch Blaufärbung der Haut und Schockentgleisung auftreten, ist sofort ein Notruf abzusetzen, da eine akute Gefahr für Gehirn und Atmung besteht.

    Sofort handeln!
    Kommt es zu unnormaler Atmung oder gar Atemstillstand, ist unverzüglich mit den Wiederbelebungsmaßnahmen zu beginnen!

    Verabreichen von Medikamenten durch Eltern

    Medikamente gegen Allergien sollten nur dann verabreicht werden, wenn diese vom Arzt angeordnet und die Eltern in der (notfallmäßigen) Anwendung dieser Medikamente theoretisch und praktisch (!) unterwiesen wurden. In der Regel reicht es bei einer schwereren allergischen Reaktion auf das Eintreffen des Rettungsdienstes zu warten, der die Medikation gezielt und kontrolliert durchführen kann.

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    Dieser Beitrag entstand in freundlicher Zusammenarbeit mit dem DRK-Kreisverband Bochum e.V. und wurde gemeinsam mit Tobias Matreitz und Jürgen Richter erarbeitet.

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