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Erste Hilfe am Kind #2: Das ABCDE-Schema

Wiebke
Wiebke04.02.2021Lesezeit ca. 14 Minuten

In der Einführung zur Ersten Hilfe am Kind standen die vier Grundgedanken zur Ersten Hilfe, der Notruf und die drei Leitfragen für Notfallsituationen im Mittelpunkt. Neben den Leitfragen gibt es zwei Schemata, die euch in Notfallsituationen eine Hilfestellung zum richtigen Handeln bieten. Hier möchten wir euch das ABCDE-Schema vorstellen, das eine Behandlungsstrategie zur schnellen und effektiven Untersuchung und Versorgung kritisch Kranker oder Verletzter darstellt.

ABCDE dient als Akronym als Wegweiser, bei dem die einzelnen Buchstaben einfach und damit höchst effektiv in allen Situationen die abzuarbeitenden Prioritäten vorgeben, nach denen der Zustand insbesondere von Traumapatienten – im schlimmsten Fall eures verletzten Kindes – bestimmt und chronologisch nach Dringlichkeit versorgt werden kann.


Artikelinhalt:


    Im Notfall hilft das ABCDE

    Ein Unfall kann schneller passieren als oft gedacht: Nur ein kurzer, unaufmerksamer Moment mit der Folge, dass der quirlige Säugling vom Wickeltisch stürzt. Schon hunderte Male hat euer Kind ein Bonbon gelutscht, doch dieses eine Mal kommt es zum Verschlucken und das Kind ringt nach Luft. Ständig toben die Geschwisterkinder, aber diesmal kommt es zu einer stark blutenden Wunde. Zugegebenermaßen viel zu viele dramatische Fälle in so wenigen Zeilen. Aber: Mit dem ABCDE-Schema wisst ihr, was zu tun ist.

    Das ABCDE-Schema ist ein Akronym, ein Kurzwort bei dem jeder einzelne Buchstabe für einen Punkt steht, der nach einem Notfall schnellstmöglich abgearbeitet werden sollte. Ursprünglich wurde das ABCDE-Schema im angloamerikanischen Raum für den Rettungsdienst entwickelt. Schnell hat es sich über zertifizierte Kurssysteme weltweit verbreitet, da es insbesondere bei Traumpatienten – also Patienten mit (schweren) Verletzungen – ein schneller Wegweiser zur Einordnung ist, wie kritisch der Zustand des Patienten ist.

    Die einzelnen Buchstaben und die dahinter stehenden Prioritäten folgen dem Leitsatz „Behandle zuerst, was zuerst töten würde“ und helfen somit, den Fokus auf das lebensbedrohlichste Problem zu richten und dieses zufriedenstellend zu beheben. Die Herausforderung besteht dabei in der Einhaltung der chronologischen Abarbeitung ohne sich etwa von spektakulären Verletzungen ablenken zu lassen, was Eltern sicherlich besonders schwer fallen kann. Hierbei helfen die vier Grundgedanken der Ersten Hilfe.

    cABCDE Schema der Ersten Hilfe
    Das cABCDE-Schema als PDF

    In einer Notfallsituation mit dem eigenen Kind hat das ACBDE-Schema für Eltern einen wesentlichen Vorteil: Für jeden Buchstaben gibt es zuerst eine entsprechende Untersuchung und Beurteilung, auf die eine unverzügliche Behandlung folgt. Der jeweils folgende Punkt wird erst bei zufriedenstellender Problembehebung angegangen. Die Reihenfolge im ABCDE-Schema bedeutet also eine zunehmende Entwicklung vom kritischen zum unkritischen Notfall. Gleichzeitig bietet die Abfolge euch Beruhigung und die Sicherheit, eine bedrohliche Situation sofort zu erkennen und helfen zu können.

    Die einzelnen Punkte des ABCDE-Schemas

    Nachdem wir jetzt die Systematik des ABCDE-Schema kennen, an die man sich im Notfall halten kann, stellen wir im Folgenden die einzelnen Punkte ebenso systematisch und strukturiert vor, wie im Notfall vorgegangen werden sollte. Wir haben den fachlichen Umfang, der im Rettungsdienst berücksichtigt wird, dabei stark reduziert und Besonderheiten für die Behandlung von Kindern fokussiert.

    A wie Atemwege

    Bei den drei Leitfragen zur Ersten Hilfe (am Kind) wurde die Atmung als DAS Leitsymptom vorgestellt, darum widmen sich die ersten beiden Punkte des ABCDE-Schemas auch der Atmung. Das A stellt dabei erst einmal ausschließlich die Atemwege und die dort bedrohlichen und gegebenenfalls schnell lösbaren Probleme in den Mittelpunkt.

    Spricht das Kind normal, weint oder atmet geräuschlos deutet dies auf freie obere Atemwege hin. Sind hingegen ungewöhnliche – z.B. Giemen, Stridor, Stöhnen – oder trotz Atemanstrengungen gar keine Atemgeräusche zu hören, weist dies auf eine Behinderung der oberen Atemwege hin.

    Gemäß dem Grundprinzip des ABCDE-Schemas, dass ernsthafte Probleme behandelt werden, sobald sie erkannt wurden, müssen solche Behinderungen nach Möglichkeit umgehend beseitigt werden. Hierunter fallen z.B. verschluckte Gegenstände oder auch akute Erkrankungen des kindlichen Atmungssystems.

    Ist das Kind gar bewusstlos oder auch nur bewusstseinseingetrübt besteht die Gefahr, dass die Atemwege verlegt, das heißt völlig undurchlässig sein können. Dies geschieht meist durch das Zurückfallen der Zunge durch die Muskelentspannung bei Bewusstlosigkeit. Diese Situation ist wesentlich bedrohlicher als zum Beispiel eine sturzbedingte Verletzung und/oder Blutung und muss umgehend behoben werden!

    Bildquelle: aus BASICS Erste Hilfe, Elsevier

    Das Freimachen der Atemwege erfolgt bei Säuglingen und Kindern mit großem Hinterkopf durch eine Lagerung in der sogenannten Schnüffelposition. Hierbei wird einer Atem(wegs)verengung bzw. –verlegung durch eine starke Beugung der Halswirbelsäule aufgrund des großen Hinterkopfes durch das Unterlegen des Brustkorbs entgegengewirkt.

    Ebenso können die Atemweg durch das sogenannte „Head tilt chin lift“, einem leichten Anheben des Kinns mit einer Hand und dem Kippen der Stirn nach hinten mit der anderen Hand freigemacht werden.

    Beide Verfahren dürfen nur angewendet werden, wenn keine Gefahr für die Halswirbelsäule durch ein vorangegangenes Trauma wie zum Beispiel dem beschriebenen Sturz vom Wickeltisch besteht. In einem solchen Fall wird der sogenannte Esmarch-Handgriff angewendet, bei dem die Halswirbelsäule in Neutralposition belassen und stabilisiert wird, während mit zwei bis drei Fingern der Unterkiefer angehoben wird.

    B wie Beatmung

    Unter B wie (Be-)Atmung steht die Atemqualität im Fokus. Bei Kindern geht das am einfachsten über die Haut bzw. den Hautkollorit (=Färbung). Die lässt sich schon an der Blaufärbung der Lippen bei langem Aufenthalt im Wasser im Schwimmbad beobachten. Eine solche Blaufärbung oder auch Zyanose deutet immer auf einen Sauerstoffmangel, also einem B-Problem hin.

    Weitere sogenannte Atembeobachtungskriterien sind die Atemfrequenz, Atemgeräusche und die Atemintensität sowie die Untersuchung des Brustkorbs z.B. nach Stürzen oder Ähnlichem.

    C wie Kreislauf

    Unter C wie Circulation steht die Blutungs- und Kreislaufkontrolle im Mittelpunkt und bringt auch gleich eine Besonderheit mit sich: Entsprechend der drei Leitfragen und dem Leitsatz „Behandle zuerst, was zuerst töten könnte“ rückt das „C“ bei einer starken (=kritischen) Blutung an den Anfang, damit diese zügig gestoppt wird. Die Berücksichtigung dieses Spezialfalls erklärt die Bezeichnung als cABCDE-Schema; das „c“ wird klein geschrieben, da der Blutungsbeherrschung nur so viel Zeit wie unbedingt nötig zugemessen werden sollte, um die Betrachtung der A- und B-Probleme nicht zu sehr zu verschieben.

    Kontrolliert außerdem die großen Blutungsräume, wie die Hohlräume im Körper bezeichnet werden, die bei inneren Verletzungen viel Blut aufnehmen und zum inneren Verbluten führen können. Ebenso wichtig ist die (oberflächliche) Betrachtung des Pulses und der sogenannten Rekapillarisierungszeit. Beim Puls gibt dessen Stärke Auskunft über die Herztätigkeit, deren starke Verlangsamung auf einen drohenden Herz-Kreislauf-Stillstand hindeuten kann. So weist eine gespannte Fontanelle bei Säuglingen auf Hirnhochdruck hin. Der Blutdruck ist für Laien wenig aussagekräftig, da dieser bei Kindern lange im Normbereich bleibt und so trotz vorhandener Probleme wie z.B. einem Schock in die Irre führen kann.

    Hilfreicher ist hier noch einmal die Hautfärbung, die Hinweise auf die Durchblutung der Haut bis hin in die Extremitäten und somit den Kreislaufzustand gibt. Blasse, marmorierte Haut bzw. eine Kapillarfüllungszeit – die Zeit, in der Haut wieder rosig wird, nachdem man mit dem Finger gedrückt hat – von über 3 Sekunden verweisen auf ein bedrohliches Kreislaufproblem.

    Unter die C-Problematiken fällt auch die Herz-Lungen-Wiederbelebung, die bei nicht vorhandener Atmung (B-Problem) unverzüglich begonnen werden muss, um das Gehirn durchblutet und mit Sauerstoff versorgt zu halten! Auf die Herz-Lungen-Wiederbelebung gehen wir aufgrund der besonderen Dramatik in Kürze in einem eigenen Beitrag ein.

    D wie neurologische Defizite

    Mit zunehmendem Voranschreiten im Schema können immer mehr lebensbedrohliche Szenarien ausgeschlossen oder beherrscht werden. Bei den Untersuchungen zu D u erfolgenden Untersuchung sollen Symptome für behandlungsbedürftige neurologische Störungen aufgedeckt werden. Beim Entdecken neurologischer Defizite helfen:

    Bei einer eingeschränkten Bewusstseinslage muss immer auch eine Unterzuckerung bedacht werden.

    E wie Entkleiden und erweiterte Untersuchungen

    Der letzte Punkt des cABCDE-Schemas dient der Sicherstellung, dass keine Verletzungen und/oder sonstigen (Erkrankungs-)Symptome übersehen wurden. Damit soll ein ausführlicher und strukturierter Ersteindruck vervollständigt werden und zur letzten Entscheidung über die Bedrohlichkeit des Notfalls – kritisch oder unkritisch? – beitragen.

    Unter E sollte das verletzte oder erkrankte Kind soweit wie möglich und nötig entkleidet werden und eine zügige, situationsangepasste Ganzkörperuntersuchung erfolgen, am besten in einer strukturierten Reihenfolge. Untersucht den Kopf, Brustkorb, Bauch und Rücken sowie die Extremitäten auf Traumafolgen (Verletzungen, Schwellungen), Hautverletzungen/-blutungen und Durchblutungsstörungen. Messt die Körpertemperatur und sorgt für den Wärmeerhalt, aber vermeidet eine Überwärmung.

    Messt die Körpertemperatur und sorgt für den Wärmeerhalt, aber vermeidet eine Überwärmung. Achtung: Säuglinge können z.B. bei Unterkühlung nicht zittern! Dieses Beispiel soll den Grundgedanken „Kinder sind keine kleinen Erwachsenen“ aus dem letzten Artikel noch einmal unterstreichen.

    Nicht vergessen:
    Kinder sind keine kleinen Erwachsenen. Säuglinge können zum Beispiel bei Unterkühlung nicht zittern!

    Unter E fallen je nach Alter und Situation des Kindes auch die weitere Abfrage nach dem Hergang und den Hintergründen, dem Empfinden sowie die psychologische Betreuung.

    Kleines Fazit

    Das cABCDE-Schema soll innerhalb weniger Minuten (ca. 10) abgewickelt werden und schnell einen soliden und strukturierten Ersteindruck vermitteln. Wir haben das Schema für diesen Beitrag natürlich stark um die rettungsdienstlichen Maßnahmen reduziert, um es für euch als Eltern und Laien übersichtlicher und anwendbar zu machen. Auf Basis der vier Grundgedanken, des Notrufs und der drei Leitfragen fokussiert sich das cABCDE-Schema absichtlich nur auf die wesentlichsten und kritischsten Aspekte. Lasst euch bitte nicht von Nebenschauplätzen und/oder visuell beeindruckenden Situationen ablenken.

    Vorteile und Schwachstellen des cABCDE-Schemas

    Grundsätzlich möchten wir uns gar kein Urteil darüber erlauben, wo für euch als Eltern konkret Vorteile oder gar Schwachstellen im cABCDE-Schema liegen könnten. Es ist eine Behandlungsstrategie, die euch helfen soll, jede Notfallmaßnahme beherrschen zu können – unter besonderer Berücksichtigung der psychischen Belastung bei der Notfallversorgung des eigenen Kindes!

    Aufgrund der Entlehnung aus dem professionellen Rettungsdienst wird z.B. der Notruf nicht explizit aufgeführt. Erkennt ihr ein akutes A- oder B-Problem, werdet ihr aber auch so wissen, wie wichtig der zügige Notruf ist. Die Struktur und Fokussierung auf die einzelnen Schwerpunkte hilft aber auch in weniger dramatischen Situationen unterschwellige Besonderheiten nicht zu übersehen und sensibilisiert so auf Symptome, die euch veranlassen, den Notruf abzusetzen.

    Um das Schema so sachlich und kurz wie im Bild dargestellt zu halten, werden beispielsweise nicht die Besonderheiten der kindlichen Psyche bzw. dem Notfallerleben von Kindern und deren Betreuung thematisiert. Schaut selbst, wie viel ihr vom cABCDE-Schema verinnerlichen und im Notfall wachrufen könnt. In jedem Falle wird es euch für kritische Situationen und Prioritätensetzung sensibilisiert haben.

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    Dieser Beitrag entstand in freundlicher Zusammenarbeit mit dem DRK-Kreisverband Bochum e.V. und wurde gemeinsam mit Tobias Matreitz und Jürgen Richter erarbeitet.

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    Erste Hilfe am Kind: Die Grundlagen