Ein Mädchen untersucht mit dem Stetoskop den nackten Bauch eines Jungen.

Doktorspiele unter Kindern – Was ist normal?

Vielleicht erinnert ihr euch noch an eure eigene Kindheit und die ersten Erkundungen des eigenen Körpers. Ab einem bestimmten Alter fangen Kinder an, sich mit ihrem Körper auseinanderzusetzen, die eigenen Genitalien zu betrachten und sich auch für die Geschlechtsteile anderer Menschen zu interessieren. Doch sind diese so genannten Doktorspiele normal? Wie reagiert man als Eltern auf Doktorspiele? Diese und weitere Fragen möchten wir für euch in unserem Ratgeber-Beitrag beantworten.

Doktorspiele – was ist das?

Als Doktorspiele bezeichnet man im Allgemeinen das Spiel unter Gleichaltrigen, wenn sie gemeinsam ihre erogenen Zonen entdecken, sich gegenseitig anschauen, untersuchen oder vergleichen. Nackt voreinander stehend spielen sie an sich herum und treiben diese Stimulation mitunter bis zum Orgasmus. Ja, auch Kinder, sogar Babys können schon zum sexuellen Höhepunkt gelangen.

  • Bei den Doktorspielen ist es wichtig zu unterscheiden, dass es für Kinder meist nicht um die körperliche Ekstase geht oder das Interesse bestimmten Personen gewidmet ist. Vielmehr handelt es sich hierbei um die reine Neugierde, was passiert, wenn man sich an bestimmten Stellen anfasst.

Hierzu ziehen sich die Heranwachsenden gerne in dunkle, verschlossene Räume zurück. In Kindergarten oder Schule dient auch mal die Toilette als Treffpunkt. Hier sind die Kinder ungestört. Nicht nur Doktorspiele werden dann praktiziert, auch das klassische Vater-Mutter-Kind kann zwischen der gespielten Eltern-Rolle in ein sexuelles Spiel übergehen: Knutschen, Händchen halten oder eine Hochzeit simulieren sind nur ein paar Inhalte des Spiels. Damit aber beide Parteien aus freien Stücken mitmachen, solltet ihr, sofern ihr die Doktorspiele mitbekommt, darauf achten, dass die Kinder in etwa gleich alt sind. Andernfalls kann es zu einem Machtgefälle kommen und der Jüngere wird ausgenutzt oder gar erpresst, kann sich aber vielleicht nicht wehren.

Warum sind Doktorspiele wichtig?

Viele Experten sind sich einig, dass Doktorspiele essentiell für die kindliche Entwicklung sind. Auf diese Weise können sie ihre Sinnlichkeit erfahren, ihren Körper kennenlernen und bauen so bereits eine Grundlage für das spätere Erwachsenenleben. Durch den Vergleich mit einem anderen Kind können sie die Unterschiede zwischen Mädchen und Jungen verstehen oder sehen, dass andere genauso ausschauen. Außerdem gleichen die Heranwachsenden hier ihre Frustrationen oder andere negative Erlebnisse aus dem Alltag aus. Sie assoziieren die Erregung mit positiven, wohltuenden Gefühlen – ähnlich wie Erwachsene. Doch nicht nur in der sexuellen Liebe spiegelt sich die Erfahrung der Doktorspiele wider, auch strahlt das Kind mehr Lebensfreude und Energie aus.

Doktorspiele – was ist normal?

Wenn Eltern die Spielchen ihrer Kleinen mitbekommen, wissen sie oft nicht, wie sie darauf reagieren sollen. Die Frage „Ist das normal?“ taucht bei Mama und Papa als Erstes auf. Doch vielleicht erinnert ihr euch an eure eigene Kindheit, in der sie ab einem gewissen Zeitpunkt es plötzlich höchst interessant fanden, was sich da zwischen Ihren Beinen befindet und welche Gefühle man bekommt, wenn man an diese besonderen Stellen fasst. Daher ist es völlig normal, wenn sich euer Kind für Doktorspiele interessiert und andere Kinder beobachtet. Dies ist wichtig, damit es sich seines eigenen Körpers bewusst wird. Wenn euer Schützling diese Erfahrungen nicht macht, kann das gravierende Folgen für seine Entwicklung haben. Nur manche Kinder können diesen essentiellen Entwicklungsschritt in der Pubertät nachholen.

Mädchen berührt sich selbst

Auch beim täglichen Waschen kann es vorkommen, dass euer Sohn zum Beispiel einen steifen Penis bekommt. Vor solchen Reaktionen solltet ihr euch aber nicht fürchten und dementsprechend die sensiblen Körperstellen nicht aussparen. Es kann vorkommen, dass euer kleiner Liebling sich im Anschluss selber berührt und streichelt, weil er das Gefühl mag. Aber auch das ist normal und sogar erwünscht. Euer Kind lernt unbewusst, dass ein sexuelles Lustempfinden und auch die Selbstbefriedigung nichts Verwerfliches an sich haben.

Doktorspiele – wie lange?

Häufig beginnen Kinder im Alter von 3 bis 6 Jahren mit Doktorspielen. Laut dem Psychologen Sigmund Freud befinden sie sich dann in der ödipalen oder auch phallischen Phase. Während dieser Zeit ist es völlig unbedenklich, wenn euer Kind mit seinen Freunden Doktorspiele spielt. Dieser Zeitrahmen muss aber nicht so genau gesteckt sein, sodass auch ältere Kinder noch ähnliche Wünsche hegen.

Was tun als Eltern?

Wenn ihr die Doktorspiele mitbekommt, solltet ihr zunächst ganz entspannt und ruhig bleiben. Wie bei allen anderen Themen ist es am besten, wenn ihr euren kleinen Liebling ganz offen fragt, was er da macht. Auf diese Weise könnt ihr auch besser beurteilen, ob das Spiel auf beiderseitigem Einverständnis beruht oder ein Kind gegen seinen Willen gezwungen wird. Sofern ihr im kontinuierlichen Gespräch bleibt und ein gutes Verhältnis zu eurem Nachwuchs habt, merkt ihr schnell, ob ihm die Doktorspiele gefallen. An dieser Stelle solltet ihr eurem Kind deutlich machen, dass es in Ordnung ist, auch mal „Nein“ zu sagen und keiner es zu irgendwas zwingen darf. Eines ist aber besonders wichtig: Auch wenn euer Sprössling noch nicht allzu alt ist, so hat er trotzdem ein Recht auf Privatsphäre und Ruhe. Stürmt also niemals einfach so in sein Zimmer rein, euer Kind könnte sich ertappt fühlen und sich schämen. Auch wenn es sich euch anvertraut und ihr von seinen Geschichten erstmal irritiert sind, müsst ihr eurem Kind trotzdem stets mit Respekt und Verständnis entgegentreten.

  • Auf gar keinen Fall dürft ihr euren kleinen Liebling für die Doktorspiele bestrafen. Euer Kind soll lernen, dass seine Neigungen und dieses schöne Gefühl, wenn man sich berührt, nicht schlimm sind – im Gegenteil. Macht euch immer bewusst, dass Kinder von ihren Vorbildern, also in erster Linie von ihren Eltern lernen. Sofern ihr herzlich mit eurem Partner umgeht, so wird diese liebevolle Art auch auf euren Sprössling übergehen.

So offen man auch über diese Themen reden sollte, so muss euer Kind dennoch lernen, dass es eine Zeit gibt, die nur Mama und Papa gehört und die es zu respektieren gilt.

Wenn euer Kind in der Öffentlichkeit an sich herumspielt, wird es Zeit einzuschreiten. Erklärt eurem Nachwuchs, dass es Dinge gibt, die für andere Menschen nicht bestimmt sind und die man lieber alleine machen sollte. Schließlich bohrt man sich auch nicht in der Nase, wenn alle zuschauen. Nehmt euch für das Gespräch ruhig Zeit und sprecht das Thema erst zuhause an. Vielleicht erlebt ihr auch beim gemeinsamen Baden die Situation, dass sich euer Kind für eure Geschlechtsorgane interessiert. Zwar ist auch das normal und hat nichts damit zu tun, dass euer Kind sexuelle Gefühle für euch hegt.

Doktorspiele – wie weit?

Wie bei allen anderen Spielen auch, brauchen Kinder Regeln und Grenzen, an denen sie sich orientieren können.

  • Die Kinder sollen selber bestimmen dürfen, mit wem sie spielen möchten. Dabei sollten die Beteiligten alle im etwa gleichen Alter sein und nicht von älteren Kindern oder gar Erwachsenen gestört werden.

  • Die Kinder spielen nur so weit, wie es für alle schön bleibt.

  • Die Kinder tun sich nicht weh. Das impliziert vor allem, dass sie sich keine Gegenstände in den Po, die Vagina oder andere Körperöffnungen stecken dürfen. Zu groß ist die Gefahr, dass diese steckenbleiben. Sprecht offen mit eurem Kind darüber.

Wann gehen Doktorspiele zu weit?

Doktorspiele gehen immer dann zu weit, wenn ein Kind gezwungen oder verletzt wird. Häufig neigen jene Kinder zu Erpressungen oder gewalttätigen Handlungen, die in ihrer Vergangenheit selber schon Opfer von Gewalt und sexuellen Übergriffen waren – sei es in der Familie oder im Freundeskreis. Außerdem ist ein Kind im Alter von acht Jahren aus der ödipalen Phase heraus und müsste demnach das Interesse an Doktorspielen verloren haben. Achtet auf gewisse Zeichen oder Signale eures Kindes. Wenn ihr merkt, dass euer Schützling von anderen Kindern erpresst wird oder gar selbst seine Freunde zu dem Spiel zwingt, solltet ihr mit ihm reden. Gleiches gilt für die wiederholte, auffällige Forderung, berührt zu werden oder andere anfassen zu können. Wenn euer Kind die Privatsphäre anderer nicht berücksichtigt, verletzend und ignorant ist, wird es Zeit, ein klärendes Gespräch zu führen. Auch die Sprache eures Nachwuchses kann euch Aufschluss darüber geben, wie sich der Heranwachsende anderen gegenüber verhält. Benutzt er viele Kraftausdrücke oder eine sexistische Ausdrucksweise? Wenn euer Kind stattdessen Opfer von ungewollten Doktorspielen ist, spiegelt sich dies meist in seinem Verhalten wider. Euer Kind zieht sich lieber zurück, hat Angst, sich nackt zu zeigen, wirkt vielleicht traurig und verwirrt. Auch Albträume können ein Anzeichen für negative Erfahrungen sein. Sprecht in solchen Fällen auch immer mit den Erzieherinnen aus dem Kindergarten oder der Schule, wenn ihr selber keine Übergriffe mitbekommen habt. Fraget nach, ob euer kleiner Schatz alleine mit bestimmten Kindern war oder ob die Aufsichtspflicht verletzt wurde.

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