Kinder in einer Patchwork-Familie

Das kunterbunte Leben als Patchwork-Familie

Der Begriff der Patchworkfamilie hat sich in den letzten Jahrzehnten immer mehr etabliert. Doch was dieser Ausdruck überhaupt bedeutet und warum diese neue Familienkonstellation sowohl für Kinder als auch für alle Erwachsenen nicht so einfach ist, möchten wir euch in diesem Ratgeber-Beitrag erklären. Da mittlerweile jede dritte Ehe scheitert, ist die Zahl der Patchworkfamilien sehr hoch, kann aber kaum genau ermittelt werden. Dennoch gibt es zahlreiche Beispiele, bei denen die Familien mit einigen Problemen zu kämpfen hatten. Falls ihr selber in einer Patchworkfamilie lebt, können unsere Tipps helfen, zu einem harmonischen Zusammensein beizutragen.

Was ist eine Patchwork-Familie?

Patchwork ist eine aus dem Englischen stammende Bezeichnung für aus Flicken zusammengestellte Stoffe. Durch verschiedene Materialien und Reste von Textilien aller Art entstehen so zum Beispiel bunte Teppiche. Auf eine Familie übertragen bedeutet Patchwork nicht viel mehr als Stieffamilie. Ein Elternteil lernt nach der Trennung einen neuen Lebensgefährten kennen und führt die eigenen Kinder als auch gegebenenfalls die des Partners zusammen. Mit der Zeit kommt vielleicht noch weiterer, gemeinsamer Nachwuchs hinzu.

Kinder in Patchwork-Familien

Für die frisch verliebten Erwachsenen scheint sich alles hinter einer rosaroten Brille abzuspielen. Ein neues Glück wurde gefunden, man plant die gemeinsame Zukunft und freut sich auf die aufregende, bevorstehende Zeit. Was dabei aber oft unterschätzt wird, sind die Reaktion und die Gefühle der Kinder.

Patchwork-Familie: Kinder gehen immer vor

Zunächst müssen die Kleinsten damit umgehen, dass sich die Eltern getrennt haben. Ab dem Grundschulalter äußert sich die Verarbeitung der Scheidung hauptsächlich darin, dass sich die Kinder selber die Schuld dafür geben, dass Mama und Papa sich nicht mehr lieben. Fragen, ob sie was falsch gemacht haben oder nicht lieb genug waren, kursieren in ihren Köpfen. Ein neuer Partner und damit ein potenzieller Ersatz für das Elternteil ist dabei oft nur ein zusätzlicher Faktor, der zur puren Überforderung beiträgt.

Patchwork-Famiile

Mit Kindern über Verlustängste reden

Die Angst, dass zum Beispiel Mamas neuer Freund nun auch noch die Mutter wegnehmen könnte, ist sehr groß. Oft möchten die Kinder ihre Eltern nur für sich alleine haben, vor allem, wenn sie noch mit dem Abschied eines Elternteils zu kämpfen haben. Denn selbst wenn euer Kind und der neue Partner mit der Zeit eine Beziehung zueinander aufbauen können, stellt die neue Verbundenheit ein enormes Konfliktpotenzial dar. Wem soll das Kind loyal bleiben? Wenn der Sprössling den neuen Papa bzw. die neue Mama plötzlich auch anfängt zu mögen, fühlt er sich gegenüber seines „richtigen“ Elternteils schuldig, weil er sie in seinen Augen verrät.

Und wer kümmert sich um mich?

Da bei einer Patchworkfamilie meist von beiden Partnern Kinder mit in die Beziehung gebracht werden, ist es nicht unüblich, dass sich ein Kind von heute auf morgen mit bisweilen fremden Stiefgeschwistern konfrontiert sieht. Wo der Nachwuchs vorher noch allein die Gunst seiner Eltern genossen hat, tummeln sich nun noch weitere Kinder, die genauso Aufmerksamkeit wollen.

Auch das Zusammenführen von Jungen und Mädchen oder älteren Kindern kann zu Schwierigkeiten führen. Die Sorge, nicht mehr im Mittelpunkt zu stehen und vernachlässigt zu werden, wächst bei den Kleinen. Insbesondere wenn ihr mit eurem neuen Lebensgefährten ein gemeinsames Kind erwartet, ist für euren kleinen Schatz eine intensive Vorbereitung unabdingbar.

Umzug in ein neues Leben mit der Patchwork-Familie

Solltet ihr mit eurem neuen Partner in einen anderen Ort ziehen, so ist auch dies für ein Kind ein kritischer Schritt. Freunde zu verlassen oder eine andere Schule besuchen zu müssen, bereiten dem Kleinen viele Sorgen und Verlustängste.

Wie sich dies äußert ist von Kind zu Kind unterschiedlich. Manche reagieren wütend auf den neuen Menschen in ihrem Leben, andere sind traurig und ziehen sich zurück, einige wollen ihre Eltern am liebsten gar nicht mehr loslassen.

Tipps für Patchwork-Eltern

Für den neuen Partner ist es besonders schwer, sich in die frisch zusammengefügte Familie einzufinden. Da die Kinder einen neuen Freund der Eltern aus Angst und Unsicherheit zunächst ablehnen und ihm sein Einleben damit nicht unbedingt erleichtern, gilt es für das neue Familienmitglied, sich in Geduld zu üben und anfängliche Anfeindungen nicht persönlich zu nehmen. Viele geschiedene Männer und Frauen schwören sich, dass sie in ihrer neuen Partnerschaft alles besser machen und dass sie auch den Kindern jeden Wunsch von den Augen ablesen wollen. Diese übereifrige Einstellung schüchtert die Kleinen oft aber eher ein und aktiviert bei ihnen abermals Abwehr und Distanz.

  • Probleme als Stiefmutter in der Patchwork-Familie?

    Ihr seid in eine neue Familie hinein gekommen und wisst nicht, wie ihr nun mit der neuen Situation umgehen sollt? Die Kinder eures Partners nehmen euch nicht an und können kein Vertrauensverhältnis zu euch aufbauen? An dieser Stelle ist besonders wichtig, dass ihr euch nicht provozieren lasst und nicht verzweifelt. Wie bereits beschrieben ist es für die Kinder sehr schwierig zu begreifen, wer die fremde Person plötzlich ist. Sie benötigen Zeit, sich an die neue Situation zu gewöhnen und vor allem auch mit euch Gemeinsamkeiten zu entdecken.

Durch gemeinsame Nachmittage, längere Ausflüge und anschließend gemeinsam verbrachte Ferien könnt ihr euch gegenseitig kennenlernen. Wichtig ist, dass ihr nicht versucht, die Rolle eines Elternteils einzunehmen. Als Fremder hat man es sowieso schwer, den Kindern Regeln zu vorzuschreiben. Daher ist es in erster Linie besser, wenn sich der neue Partner eher als Freund, statt als Autorität präsentiert.

Mama bleibt Mama, Papa bleibt Papa

Egal, welches Alter euer Kind hat, für einen jungen Menschen ist es niemals leicht zu verkraften, wenn ein Elternteil plötzlich nicht mehr allgegenwärtig ist. Daher müsst ihr eurem Kind die Möglichkeit geben zu trauern, damit es die ungewohnte Situation besser verkraften kann. Auch wenn ihr euch nicht im Guten von eurem Ex-Partner getrennt habt, so solltet ihr dennoch dafür sorgen, dass sich Kind und Vater bzw. Mutter nach wie vor regelmäßig sehen können. Des Weiteren ist es ein Tabu, euren einstigen Lebenspartner vor eurem Sprössling schlecht zu reden. Nehmt stattdessen euren kleinen Liebling in seinen Gefühlen wahr und ernst. Zeit und Zuneigung sind für euer Kind in dieser Lage sehr wichtig. Die Ängste, die es plagen, können in erster Instanz nur von euch gemindert werden. Zu sagen, wie lieb ihr ihn habt und wie wichtig er euch nach wie vor ist, nimmt ihm die Sorge, durch den neuen Partner oder die Stiefgeschwister nicht mehr von Bedeutung zu sein.

Regeln

  • Ist es euch ernst?

    Damit es nicht zu weiteren Verlusten kommt, solltet ihr euren neuen Partner eurem Kind nicht vorstellen, wenn es euch nicht ernst ist. Ansonsten lauft ihr Gefahr, dass ihr euren Sprössling weiter verunsichern, wenn ihr häufiger euren Freund wechselt. Falls ihr euch sicher seid, ist ein Gespräch mit eurem Partner über Erziehungsstil und Regeln unumgänglich, da es sonst zu Konflikten kommen wird. Ein Kind benötigt eine Konstante in seiner Entwicklung und die wird nur aufrecht erhalten, wenn sich beide Erzieher einig sind. Dementsprechend sollten auch Gewohnheiten und Bräuche eingehalten werden, gerne könnt ihr aber auch neue Rituale einleiten, die die Vorlieben beider Familien verbinden.

  • Streithähne auf Kollisionskurs

    Aufgrund der bunt zusammengewürfelten Familienmitglieder ist zumindest in den ersten Monaten Streit vorprogrammiert. Vor allem die erst bockigen Kinder werden die von euch ersehnte Harmonie stören. Nichtsdestotrotz sollten alle einander Respekt entgegenbringen und versuchen, sich mit der Stieffamilie anzufreunden. Macht eurem Kind klar, dass ihr es nach wie vor liebt, doch dass die anderen Kinder genauso wichtig sind und niemand eine Extrabehandlung bekommt.

  • Die Zeit heilt alle Wunden

    Die oberste Regel bleibt aber, dass sich alle genügend Zeit lassen. Auch für euch selber ist es sinnvoll, wenn ihr euch nicht stresst, sondern euch in Ruhe der Herausforderung widmet. Stellt euch kleinere Stufen, die ihr von Zeit zu Zeit erreichen möchtet, anstatt daran zu verzweifeln, dass sich euer Kind mit ihrem Stiefvater bzw. -mutter nicht versteht.

Wir wünschen euch bei eurem neuen Familienglück alles Liebe und Gute.

Euer Team von babymarkt.de