Drei glückliche Kinder auf einem Sofa

Geschlechterklischees

Ein rosa Röckchen mit Rüschen für die Mädchen, für die Jungen die blauen mit Robotern versehenen Tornister – in unserer heutigen Gesellschaft ist es nahezu unmöglich, sich den Stereotypen der Geschlechter zu entziehen und die Kinder neutral ohne jegliche Prägungen zu erziehen. In diesem Ratgeberbeitrag wollen wir euch einige Geschlechterklischees aufzeigen. Insbesondere soll es dabei um die Folgen für die Kinder gehen und wie ihre Wahrnehmung durch voreingestellte Muster beeinflusst wird. Erfahrt außerdem, wie ihr euch dem Wahn um das perfekte Rollenbild entgegensetzen könnt und so eurem Kind den Weg eröffnet, den es selber gehen möchte.

Geschlechterklischees bei Mädchen

Eines der klassischsten Klischees ist sicherlich, dass Mädchen eher rosa tragen und sich dementsprechend ruhig und harmonisch verhalten. Sie vermeiden so gut es geht Konflikte und lösen die Probleme, wenn sie nicht zu umgehen sind, mit Worten statt mit Gewalt. Die stereotypen Mädchen sind brav und eher schwach, da sie zunehmend von Eltern und auch von der Gesellschaft beschützt und behütet werden. Schwere Dinge dürfen sie nicht tragen, und auch der Ballettunterricht ist besser als Boxen oder Fußball. Außerdem gelten sie eher als eitel und achten mehr auf Frisur und Äußeres. Kritik können sie nicht so leicht verarbeiten. Im Matheunterricht werden Mädchen oft schlechter eingestuft. Dies liegt aber hauptsächlich daran, dass den Jungen wiederum ein besseres mathematisches Verständnis unterstellt wird. Diese Einschätzung reicht aus, um weniger selbstbewusste Mädchen einzuschüchtern, wodurch sie in vielen Fällen wirklich schlechtere Leistungen zeigen. Analog sind Mädchen laut Statistiken besser im Lesen. Prinzipiell gibt es jedoch kaum Unterschiede hinsichtlich der schulischen Leistungen zwischen den Geschlechtern, da beide die gleichen Grundlagen mitbringen.

Geschlechterklischees bei Jungen

Jungen raufen sich, spielen im Matsch und machen sich gerne dreckig – da die Eltern dies erlauben. Durch das Hormon Testosteron ist es jedoch auch biologisch begründet, warum Jungen generell als aggressiver gelten als Mädchen. Mit einem Alter von 4 Jahren schüttet der Körper das Hormon stärker aus, wodurch die Jungen hitziger und herausfordernder werden. Sie identifizieren sich eher mit Actionhelden, die sich stark und mutig Schwierigkeiten stellen. Daher sind auch viele Produkte für Jungen mit Superman und Co. verziert. Auch wenn es der allgemeinen Meinung widerspricht, so weinen Jungen ebenso viel wie das andere Geschlecht. Doch da das Zeigen der Gefühle nicht als männlich anerkannt wird, lernen die Jungen schon früh, ihre Emotionen zu verbergen. Die einzigen, konkreten Unterschiede zeigen sich überwiegend in der Physis. Jungen haben im Durchschnitt mehr Muskeln, breitere Schultern und sind größer, wodurch sie natürlich auch stärker sind.

Mädchen vs. Jungen

Oft scheint es wirklich wie eine Art Kampf zu sein. Viele Eltern möchten, dass ihr Kind auch deutlich als Mädchen oder Junge wahrgenommen wird. Der Sohn soll möglichst nicht mit Barbies spielen und der Tochter wird eher die Tanzschule als das Judo-Training angeboten. Dahinter steckt der Wunsch, sich der Gesellschaft so gut es geht anzupassen, um nicht aufzufallen und somit auch keinen potenziellen Ausschluss zu riskieren. Wenn sich der Sohnemann bei der Spielgruppe nicht mit den Baggern und Hubschraubern beschäftigen will, sondern die Puppen bevorzugt, ist die ausgeschlossener JungeGefahr groß, dass er als sonderbar eingestuft wird. Daher entstehen die meisten gravierenden Muster nicht durch angeborene Unterschiede zwischen den Geschlechtern, sondern vielmehr durch die Erziehung der Eltern sowie den Einfluss und den Druck der Gesellschaft. Auch die Medien tragen einen enormen Teil dazu bei, dass unsere Kinder zu dem werden, was sie sind. Es dauert etwa zwei bis drei Jahre, bis die Kleinsten in der Lage sind, ihr Geschlecht zu identifizieren. Ab da beginnt die Zeit, in der sie sich mit Eltern, Freunden oder Figuren aus dem Fernsehen vergleichen und deren Eigenschaften nachahmen. Papa baut das Baumhaus zusammen, Mama macht die Wäsche oder liest abends die Gute-Nacht-Geschichte vor. In vielen Haushalten ist der Alltag, wenn auch unbeabsichtigt, durch eine klare Rollenaufteilung geregelt. Aus diesem Grund ist es auch nicht verwunderlich, dass sich die Kinder an dieses Verhalten anpassen. Doch auch unbewusst geschieht das Erziehen in die augenscheinlich richtige Entwicklung für das Geschlecht. Sucht sich der Sohn im Mode-Geschäft die pinkfarbene Hose aus, wird er von der Verkäuferin schief angesehen. Ist das Mädchen sehr wild und ruppig oder wirkt angriffslustig, wird sie von der Lehrerin als aggressiv abgestempelt, während bei einem Jungen ein solches Benehmen akzeptiert, manchmal sogar gewünscht wird. Ein weiterer Faktor ist die noch recht weit verbreitete Angst oder Abneigung vor der Homosexualität. Dass sich das eigene Kind in das gleiche Geschlecht verliebt, ist für manche Eltern undenkbar und wird nicht toleriert. Da die meisten Kinder in frühen Jahren aber noch gar nicht über ihre sexuelle Neigung nachdenken (können), solltet ihr es auch nicht direkt ablehnen, wenn der Sohn sich seine Lippen schminkt oder die Tochter mit ihren Schulfreunden Fußball spielen möchte. Die Kinder bemerken es sehr schnell, wenn etwas nicht stimmt und sie etwas falsch gemacht haben. Somit versuchen sie in Zukunft mit Zwang, sich den gesellschaftlichen Normen und den elterlichen Erwartungen zu fügen. Dabei ist der Drang, etwas Neues auszuprobieren, völlig normal und äußert sich nicht zwangsläufig in einer gleichgeschlechtlichen Zuneigung. Doch selbst wenn – schlimm ist das mit Sicherheit nicht.

Konsequenzen für die spätere Entwicklung

Durch die Einführung der Frauenquote hat die Politik bestätigt, dass es zu wenig Frauen in Führungspositionen gibt. Die Frage ist nur, woran das liegt. Durch die bereits aufgeführten Geschlechterklischees ist es recht deutlich, dass Männer in unserer Gesellschaft mutige und starke Persönlichkeiten sind, die sich durchsetzen können und somit eher als selbstbewusster Chef angesehen werden. Da dieses Rollenbild ausgesprochen verankert ist, sehen sich viele Frauen nicht in der Lage, ein Unternehmen zu leiten, obwohl sie ebenfalls die Fähigkeiten dazu besitzen. Allerdings verspüren Frauen auch eher das Verlangen nach einer Familie und Kindern. Da dies mit einer erfolgreichen Karriere meist nicht vereinbar ist, oder auch nur sehr gefürchtet wird, lehnen Frauen weitere Beförderungen häufig ab. Da aber in der Vergangenheit immer öfter auch Männer die Elternzeit in Anspruch nehmen, ist diese Rollenverteilung nicht mehr ganz so starr.

Tipps für die Erziehung

Es ist relativ schwierig, ein Kind geschlechtsneutral zu erziehen, doch ist das auch nicht unbedingt nötig. Wichtig ist, dass ihr, mit entsprechendem Alter eures Nachwuchses, mit ihm reden und ihn zum Beispiel das Spielzeug auswählen lassen, welches es selber möchte. Auch kann man sich fragen, welchen Erziehungsstil man selber verfolgen will, oder welcher durch die allgemeine Meinung aufgedrängt wurde. Sie können verstärkt zu Büchern greifen, in denen keine strikte Aufteilung nach dem Geschlecht erfolgt und in denen vielleicht eine Frau die Superheldin ist. Natürlich ist es leichter, dem gesellschaftlichen Bild nachzugeben und mit dem Strom zu schwimmen, doch solltet ihr euch bewusst sein, welche Konsequenzen dies für euer Kind hat. Die meisten Klischees sind zwar oft nur Vorurteile und viele Kinder sind durch ihren starken Charakter in der Lage, ihren eigenen Weg zu gehen, doch darf man den starken Einfluss der Gesellschaft nicht unterschätzen. Aber am Ende ist für Raufbolde und Puppeneltern doch nur eines wichtig: Verständnis und Liebe!

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