Beschneidung – Vom Jungen zum Mann

Julia
Julia23.12.2016Lesezeit ca. 11 Minuten
Kind trägt schützende Unterwäsche nach Eingriff

In einigen Ländern ist es aufgrund kultureller und religiöser Gründen üblich, die Jungen ab einem gewissen Alter zu beschneiden. Auch aus ästhetischen Vorlieben entscheiden sich manche Jungen oder Männer dazu, sich die Vorhaut entfernen zu lassen. Weltweit gilt die Beschneidung als der am häufigsten durchgeführte Eingriff. Doch was genau passiert bei der Beschneidung? Haben die Jungen dadurch irgendwelche Einschränkungen, können sie zum Beispiel weniger Lust empfinden? Wie läuft eine Beschneidung ab? Was gibt es zu beachten? Lest bei uns alles rund ums Thema Beschneidung.

Was passiert bei der Beschneidung?

Die männliche Beschneidung, auch Zirkumzision genannt, bezeichnet die Entfernung des beweglichen Hautlappen (Vorhaut), der die Eichel des Penis umfasst. In einer kleinen Operation wird mit einem Schnitt die Vorhaut abgetrennt. Der Eingriff bedarf meist keiner weiteren direkten Nachsorge, sodass die OP ambulant vorgenommen werden kann, die Kinder oder erwachsenen Männer also nicht im Krankenhaus bleiben müssen.

Kriegt man den Eingriff mit?

Nein, die Operation wird entweder unter einer lokalen Betäubung vorgenommen, bei Kindern ist aber eine Vollnarkose üblich.

Gründe für Beschneidung

Warum werden Beschneidungen bei Jungen vorgenommen? Die Gründe hierfür können ganz unterschiedlicher Natur sein.

Medizinische Gründe

Die meisten Jungen und Männer lassen sich aus einer medizinischen Notwendigkeit beschneiden. Zum Beispiel können immer wieder auftretende Entzündungen ein Grund für eine Beschneidung sein. Unter der Vorhaut fühlen sich Bakterien sehr wohl, sodass sich hier eine Brutstätte für Entzündungen oder Pilzinfektionen bildet. Durch eine Entfernung der Vorhaut kann das Entzündungsrisiko verringert werden. Dies gilt auch für Erkrankungen der Harnwege oder der Prostata, die durch die Beschneidung reduziert werden können.

Enge Angelegenheit

Einer der Hauptgründe stellt sich in der Vorhautverengung dar, die sich im Laufe der Zeit auch erst entwickeln kann. Bei einer solchen Verengung treten Schmerzen oder Spannungsgefühle auf, wenn der Penis erigiert, also steif ist. Da meist erst Teenager erste Erfahrungen mit ihrem Geschlechtsteil machen, haben Kleinkinder noch keine Probleme mit einer Vorhautenge, sodass sie auch erst spät erkannt werden kann. Dennoch muss sie behandelt werden, da auch die Reinigung mitunter schwer fallen oder die verengte Haut schmerzhaft aufreißen kann, wenn der Penis steif wird. Außerdem kann es in seltenen Fällen passieren, dass der Urinstrahl nicht richtig oder gar nicht austreten kann.

Was hat ein spanischer Kragen damit zu tun?

Unter einem spanischen Kragen, oder auch Paraphimose, versteht der Mediziner den Zustand, wenn die zurückgestreifte Vorhaut nicht mehr über die Eichel in ihre Ursprungslage geschoben werden kann. Dies ist sehr schmerzhaft und gilt als absoluter Notfall, der eine sofortige Behandlung bedarf. Andernfalls kann die Eichel schwere Schäden davontragen.

Religiöse Beweggründe

Fast ein Drittel aller Männer auf der Welt sind beschnitten, in Deutschland ist es jeder Zehnte. In den USA sind es sogar 70 Prozent. Das kommt daher, dass in den vereinigten Staaten beispielsweise eine Beschneidung bis in die 70er Jahre ganz normal war, da man von der hygienischen Reinlichkeit des beschnitten Gliedes überzeugt war. Im Judentum sehen die Menschen es als Gebot Gottes an, Kinder an ihrem achten Lebenstag zu beschneiden. Auch bei Muslimen wird dem Brauch der Beschneidung nachgegangen, wenngleich die Schriften des Korans die Zirkumzision nicht explizit vorschreibt. Dennoch geben die Eltern dem Jungen schon von klein auf die große Bedeutung des Eingriffs mit auf den Weg, sodass sie sich auf die Beschneidung freuen.

Ästhetische Gründe

Einige (erwachsene) Männer entscheiden sich bewusst dazu, ihre Vorhaut entfernen zu lassen, da sie es selber schöner finden, oder die Vorlieben ihrer Partnerin sie dazu leiten. Es gilt aber als Mythos, dass durch die Beschneidung die Erektionsstärke, die Empfindsamkeit oder die Ausdauer beim Geschlechtsverkehr beeinträchtigt oder gefördert wird.

Was bringt die Beschneidung?

Wie bereits erwähnt, kann sich unter der Vorhaut das so genannte Smegma sammeln, eine Mischung aus Hautzellen, Urin und Talg, das nur schwer entfernt werden kann. Wenn der Junge seinen Penis aber regelmäßig und gründlich reinigt, reicht dies meist aus. Dennoch sind nach einer Beschneidung Hygienemaßnahmen einfacher. Außerdem reduziert die Beschneidung mögliche Infektionen der Harnwege und verringert die Gefahr, sich beim Geschlechtsverkehr mit Krankheiten anzustecken. Darüber hinaus ist die Vorhaut lediglich das Ergebnis der Evolution, sodass der Mensch sie nicht unbedingt benötigt. Ist zum Beispiel eine Hauttransplantation, wie etwa nach schweren Verbrennungen, von Nöten, kann die Vorhaut entnommen und an anderer Stelle wieder eingesetzt werden.

Beschneidung Baby

Wenn der kleine Liebling auf die Welt kommt, ist es völlig normal, dass die Vorhaut verklebt ist. Je älter die Kinder werden, desto wahrscheinlicher wird es, dass mit der Zeit die Vorhaut immer weiter zurückgeschoben werden kann. Bereits mit Vollendung des dritten Lebensjahres ist dies schon bei 90 Prozent aller Kinder der Fall. Seid daher unbesorgt, wenn sich die Vorhaut eures kleinen Lieblings nicht direkt zurückschieben lassen sollte.

Wann ist die Beschneidung am besten?

Wenn die Beschneidung aus den oben genannten medizinischen Gründen notwendig ist, solltet ihr alsbald einen Arzt aufsuchen und die nötigen Schritte einleiten lassen. Im Allgemeinen gilt aber, dass es für die Kinder besser ist, wenn sie in jungen Jahren beschnitten werden. Wenn sie älter werden, ihr Geschlecht erkunden und dabei zum Beispiel durch eine Vorhautverengung Probleme bei der Masturbation haben, kann eine anschließende Beschneidung psychische Konsequenzen haben. Wenn der Nachwuchs an regelmäßig auftretenden Infektionen leidet, kann der behandelnde Arzt entscheiden, ob dennoch alternative Behandlungen zum Beispiel mit entsprechenden Salben möglich sind. Gerade bei Kindern kann eine Therapie mit cortisonhaltigen Cremes vielversprechend sein.

Zum Arzt meines Vertrauens?

Wo ihr die Beschneidung durchführen lasst, bleibt euch überlassen. So könnt ihr zum Beispiel einen Urologen oder einen Andrologen (Arzt für Männerheilkunde), oder eine Klinik mit urologischer Abteilung aufsuchen. Da diese kleine Operation eigentlich zur Routine eines Urologen gehören und dadurch ohne Probleme verlaufen sollte, ist es ratsam, einen Arzt zu konsultieren, der den Eingriff 15-20 Mal im Jahr durchführt.

Teurer Eingriff?

Wenn aufgrund von körperlichen Gegebenheiten eine Beschneidung von Nöten ist, übernimmt die Krankenkasse den Eingriff, so aber nicht bei religiösen oder ästhetischen Beweggründen. Die Zirkumzision kann dann zwischen 200 und 800 Euro kosten. Diese Spanne ergibt sich aus den unterschiedlichen Gebühren bei einer ambulanten oder einer stationären Behandlung sowie einer lokalen oder Vollnarkose. Erkundigt euch bei eurem Urologen.

Arten der Beschneidung

Es gibt verschiedene Arten der Beschneidung.

Vollständige Beschneidung
Hierbei wird die Vorhaut komplett entfernt, übrig bleibt nur eine kleine Naht zwischen Eichel und Penisschaft.
Unvollständige Beschneidung
Bei diesem Eingriff, zu dem die Ärzte auch bei Kindern raten, bleibt ein Teil der Vorhaut erhalten, sodass sie weiterhin die Eichel umschließt. Leider muss bei fast jedem dritten Patienten eine Nachoperation vorgenommen werden, da durch die Narbenbildung wieder eine Vorhautenge auftreten kann.
Erweiterungsplastik
Hier erweitert der Arzt die Öffnung der Vorhaut, ohne sie zu kürzen oder zu entfernen. Auch dieser Eingriff ist für Kinder empfehlenswert.

Angst vor Beschneidung

Da der Eingriff für die meisten Ärzte zum Alltag hinzugehört und somit Routine ist, müssen die Patienten keine Bedenken haben. Nur sehr selten treten Komplikationen auf. Dennoch kann es, ganz wie bei jedem operativen Eingriff zu unvorhergesehenen Komplikationen kommen. Hierzu gehören allergische Reaktionen auf die Anästhesie, Blutungen und Schwellungen. Außerdem kann bei der unvollständigen Beschneidung das Narbengewebe eine erneute Verengung begünstigen. Zudem kann es passieren, dass der Arzt nicht nur die Vorhaut, sondern auch die Haut des Penisschafts entfernt. Suchen Sie daher immer einen erfahrenen Arzt auf.

Wie lange dauern die Schmerzen?

Durch die Betäubung oder Narkose haben die Betroffenen keine Schmerzen. Wenn das Anästhetikum nachlässt, kann der Arzt Schmerzmittel verabreichen. Meist sind die Schmerzen nach der Beschneidung aber erträglich; zurück bleibt nur ein ungewohntes Gefühl der freiliegenden Eichel, an das sich die Jungen aber nach einigen Tagen gewöhnen. Wenn euer Kind beschnitten wurde, solltet ihr darauf achten, ob die Schwellung zunimmt oder das Kind Fieber bekommt. Im Zweifelsfall ist es immer besser, beim Arzt nachzufragen.

Ruhe tut gut

Nach zwei Wochen sollten keine Folgen des Eingriffs mehr zu merken sein. Da sich die Fäden von selber auflösen, muss sie der Arzt auch nicht mehr ziehen. Trotzdem sollte der kleine Patient bis zu drei Wochen lang nicht baden oder duschen gehen und auch auf körperliche Ertüchtigung verzichten. Um die Wundheilung zu fördern, sollte euer Junge nach dem Wasserlassen mit einer Salbe die betroffenen Stellen eincremen. Auch Sitzbäder mit tanninhaltigen Zusätzen wirken desinfizierend und helfen, den Heilungsprozess zu beschleunigen.

Beschneidungsfest

In manchen Kulturen, so zum Beispiel bei den Muslimen, gehört es zum Brauch dazu, die Beschneidung mit einem großen Fest zu zelebrieren. Die Feier ähnelt einer großen Hochzeit und alle Freunde und Verwandte werden eingeladen. Dem beschnittenen Kind werden aufwändige Gewänder angezogen und es erhält viele tolle Geschenke.

Wir hoffen, dass wir euch mit diesem Beitrag die wichtigsten Fragen rund um das Thema Beschneidung beantworten konnten und wünschen eurem Kind und euch alles Gute!


Euer Team von babymarkt.de