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Beschneidung – Vom Jungen zum Mann

In einigen Ländern ist es aufgrund kultureller und religiöser Gründen üblich, die Jungen ab einem gewissen Alter zu beschneiden. Auch aus ästhetischen Vorlieben entscheiden sich manche Jungen oder Männer dazu, sich die Vorhaut entfernen zu lassen. Weltweit gilt die Beschneidung als der am häufigsten durchgeführte Eingriff. Doch was genau passiert bei der Beschneidung? Haben die Jungen dadurch irgendwelche Einschränkungen, können sie zum Beispiel weniger Lust empfinden? Wie läuft eine Beschneidung ab? Was gibt es zu beachten? Lest bei uns alles rund ums Thema Beschneidung.

Was passiert bei der Beschneidung?

Die männliche Beschneidung, auch Zirkumzision genannt, bezeichnet die Entfernung des beweglichen Hautlappen (Vorhaut), der die Eichel des Penis umfasst. In einer kleinen Operation wird mit einem Schnitt die Vorhaut abgetrennt. Der Eingriff bedarf meist keiner weiteren direkten Nachsorge, sodass die OP ambulant vorgenommen werden kann, die Kinder oder erwachsenen Männer also nicht im Krankenhaus bleiben müssen.

  • Die Fäden lösen sich nach der Beschneidung von selber und müssen nicht gezogen werden

Kriegt man den Eingriff mit?

Nein, die Operation wird entweder unter einer lokalen Betäubung vorgenommen, bei Kindern ist aber eine Vollnarkose üblich.

Gründe für Beschneidung

Warum werden Beschneidungen bei Jungen vorgenommen? Die Gründe hierfür können ganz unterschiedlicher Natur sein.

Medizinische Gründe

Die meisten Jungen und Männer lassen sich aus einer medizinischen Notwendigkeit beschneiden. Zum Beispiel können immer wieder auftretende Entzündungen ein Grund für eine Beschneidung sein. Unter der Vorhaut fühlen sich Bakterien sehr wohl, sodass sich hier eine Brutstätte für Entzündungen oder Pilzinfektionen bildet. Durch eine Entfernung der Vorhaut kann das Entzündungsrisiko verringert werden. Dies gilt auch für Erkrankungen der Harnwege oder der Prostata, die durch die Beschneidung reduziert werden können.

Enge Angelegenheit

Einer der Hauptgründe stellt sich in der Vorhautverengung dar, die sich im Laufe der Zeit auch erst entwickeln kann. Bei einer solchen Verengung treten Schmerzen oder Spannungsgefühle auf, wenn der Penis erigiert, also steif ist. Da meist erst Teenager erste Erfahrungen mit ihrem Geschlechtsteil machen, haben Kleinkinder noch keine Probleme mit einer Vorhautenge, sodass sie auch erst spät erkannt werden kann. Dennoch muss sie behandelt werden, da auch die Reinigung mitunter schwer fallen oder die verengte Haut schmerzhaft aufreißen kann, wenn der Penis steif wird. Außerdem kann es in seltenen Fällen passieren, dass der Urinstrahl nicht richtig oder gar nicht austreten kann.

Was hat ein spanischer Kragen damit zu tun?

Unter einem spanischen Kragen, oder auch Paraphimose, versteht der Mediziner den Zustand, wenn die zurückgestreifte Vorhaut nicht mehr über die Eichel in ihre Ursprungslage geschoben werden kann. Dies ist sehr schmerzhaft und gilt als absoluter Notfall, der eine sofortige Behandlung bedarf. Andernfalls kann die Eichel schwere Schäden davontragen.

Religiöse Beweggründe

Fast ein Drittel aller Männer auf der Welt sind beschnitten, in Deutschland ist es jeder Zehnte. In den USA sind es sogar 70 Prozent. Das kommt daher, dass in den vereinigten Staaten beispielsweise eine Beschneidung bis in die 70er Jahre ganz normal war, da man von der hygienischen Reinlichkeit des beschnitten Gliedes überzeugt war. Im Judentum sehen die Menschen es als Gebot Gottes an, Kinder an ihrem achten Lebenstag zu beschneiden. Auch bei Muslimen wird dem Brauch der Beschneidung nachgegangen, wenngleich die Schriften des Korans die Zirkumzision nicht explizit vorschreibt. Dennoch geben die Eltern dem Jungen schon von klein auf die große Bedeutung des Eingriffs mit auf den Weg, sodass sie sich auf die Beschneidung freuen.

Ästhetische Gründe

Einige (erwachsene) Männer entscheiden sich bewusst dazu, ihre Vorhaut entfernen zu lassen, da sie es selber schöner finden, oder die Vorlieben ihrer Partnerin sie dazu leiten. Es gilt aber als Mythos, dass durch die Beschneidung die Erektionsstärke, die Empfindsamkeit oder die Ausdauer beim Geschlechtsverkehr beeinträchtigt oder gefördert wird.

  • Aus welchen Gründen auch immer man sich für eine Beschneidung entscheidet – der Eingriff bleibt, wenn er nicht unbedingt erforderlich ist, ethisch und rechtlich fragwürdig, vor allem, wenn das Kind dazu gezwungen wird.

Was bringt die Beschneidung?

Wie bereits erwähnt, kann sich unter der Vorhaut das so genannte Smegma sammeln, eine Mischung aus Hautzellen, Urin und Talg, das nur schwer entfernt werden kann. Wenn der Junge seinen Penis aber regelmäßig und gründlich reinigt, reicht dies meist aus. Dennoch sind nach einer Beschneidung Hygienemaßnahmen einfacher. Außerdem reduziert die Beschneidung mögliche Infektionen der Harnwege und verringert die Gefahr, sich beim Geschlechtsverkehr mit Krankheiten anzustecken. Darüber hinaus ist die Vorhaut lediglich das Ergebnis der Evolution, sodass der Mensch sie nicht unbedingt benötigt. Ist zum Beispiel eine Hauttransplantation, wie etwa nach schweren Verbrennungen, von Nöten, kann die Vorhaut entnommen und an anderer Stelle wieder eingesetzt werden.

Beschneidung Baby

Wenn der kleine Liebling auf die Welt kommt, ist es völlig normal, dass die Vorhaut verklebt ist. Je älter die Kinder werden, desto wahrscheinlicher wird es, dass mit der Zeit die Vorhaut immer weiter zurückgeschoben werden kann. Bereits mit Vollendung des dritten Lebensjahres ist dies schon bei 90 Prozent aller Kinder der Fall. Seid daher unbesorgt, wenn sich die Vorhaut eures kleinen Lieblings nicht direkt zurückschieben lassen sollte.

Wann ist die Beschneidung am besten?

Wenn die Beschneidung aus den oben genannten medizinischen Gründen notwendig ist, solltet ihr alsbald einen Arzt aufsuchen und die nötigen Schritte einleiten lassen. Im Allgemeinen gilt aber, dass es für die Kinder besser ist, wenn sie in jungen Jahren beschnitten werden. Wenn sie älter werden, ihr Geschlecht erkunden und dabei zum Beispiel durch eine Vorhautverengung Probleme bei der Masturbation haben, kann eine anschließende Beschneidung psychische Konsequenzen haben. Wenn der Nachwuchs an regelmäßig auftretenden Infektionen leidet, kann der behandelnde Arzt entscheiden, ob dennoch alternative Behandlungen zum Beispiel mit entsprechenden Salben möglich sind. Gerade bei Kindern kann eine Therapie mit cortisonhaltigen Cremes vielversprechend sein.

Zum Arzt meines Vertrauens?

Wo ihr die Beschneidung durchführen lasst, bleibt euch überlassen. So könnt ihr zum Beispiel einen Urologen oder einen Andrologen (Arzt für Männerheilkunde), oder eine Klinik mit urologischer Abteilung aufsuchen. Da diese kleine Operation eigentlich zur Routine eines Urologen gehören und dadurch ohne Probleme verlaufen sollte, ist es ratsam, einen Arzt zu konsultieren, der den Eingriff 15-20 Mal im Jahr durchführt.

  • Je nach Alter eures Jungen möchte dieser vielleicht ein Gespräch unter vier Augen mit dem Doktor führen. Manche Fragen sind den Kindern vor ihren Eltern peinlich. Lasst ihm daher seinen Freiraum, zeigt ihm aber dennoch, dass er mit euch über alles sprechen kann.

Teurer Eingriff?

Wenn aufgrund von körperlichen Gegebenheiten eine Beschneidung von Nöten ist, übernimmt die Krankenkasse den Eingriff, so aber nicht bei religiösen oder ästhetischen Beweggründen. Die Zirkumzision kann dann zwischen 200 und 800 Euro kosten. Diese Spanne ergibt sich aus den unterschiedlichen Gebühren bei einer ambulanten oder einer stationären Behandlung sowie einer lokalen oder Vollnarkose. Erkundigt euch bei eurem Urologen.

Arten der Beschneidung

Es gibt verschiedene Arten der Beschneidung.

  • Vollständige Beschneidung

    Hierbei wird die Vorhaut komplett entfernt, übrig bleibt nur eine kleine Naht zwischen Eichel und Penisschaft.

  • Unvollständige Beschneidung

    Bei diesem Eingriff, zu dem die Ärzte auch bei Kindern raten, bleibt ein Teil der Vorhaut erhalten, sodass sie weiterhin die Eichel umschließt. Leider muss bei fast jedem dritten Patienten eine Nachoperation vorgenommen werden, da durch die Narbenbildung wieder eine Vorhautenge auftreten kann.

  • Erweiterungsplastik

    Hier erweitert der Arzt die Öffnung der Vorhaut, ohne sie zu kürzen oder zu entfernen. Auch dieser Eingriff ist für Kinder empfehlenswert.

Angst vor Beschneidung

Da der Eingriff für die meisten Ärzte zum Alltag hinzugehört und somit Routine ist, müssen die Patienten keine Bedenken haben. Nur sehr selten treten Komplikationen auf. Dennoch kann es, ganz wie bei jedem operativen Eingriff zu unvorhergesehenen Komplikationen kommen. Hierzu gehören allergische Reaktionen auf die Anästhesie, Blutungen und Schwellungen. Außerdem kann bei der unvollständigen Beschneidung das Narbengewebe eine erneute Verengung begünstigen. Zudem kann es passieren, dass der Arzt nicht nur die Vorhaut, sondern auch die Haut des Penisschafts entfernt. Suchen Sie daher immer einen erfahrenen Arzt auf.

Wie lange dauern die Schmerzen?

Durch die Betäubung oder Narkose haben die Betroffenen keine Schmerzen. Wenn das Anästhetikum nachlässt, kann der Arzt Schmerzmittel verabreichen. Meist sind die Schmerzen nach der Beschneidung aber erträglich; zurück bleibt nur ein ungewohntes Gefühl der freiliegenden Eichel, an das sich die Jungen aber nach einigen Tagen gewöhnen. Wenn euer Kind beschnitten wurde, solltet ihr darauf achten, ob die Schwellung zunimmt oder das Kind Fieber bekommt. Im Zweifelsfall ist es immer besser, beim Arzt nachzufragen.

Ruhe tut gut

Nach zwei Wochen sollten keine Folgen des Eingriffs mehr zu merken sein. Da sich die Fäden von selber auflösen, muss sie der Arzt auch nicht mehr ziehen. Trotzdem sollte der kleine Patient bis zu drei Wochen lang nicht baden oder duschen gehen und auch auf körperliche Ertüchtigung verzichten. Um die Wundheilung zu fördern, sollte euer Junge nach dem Wasserlassen mit einer Salbe die betroffenen Stellen eincremen. Auch Sitzbäder mit tanninhaltigen Zusätzen wirken desinfizierend und helfen, den Heilungsprozess zu beschleunigen.

Beschneidungsfest

In manchen Kulturen, so zum Beispiel bei den Muslimen, gehört es zum Brauch dazu, die Beschneidung mit einem großen Fest zu zelebrieren. Die Feier ähnelt einer großen Hochzeit und alle Freunde und Verwandte werden eingeladen. Dem beschnittenen Kind werden aufwändige Gewänder angezogen und es erhält viele tolle Geschenke.

Wir hoffen, dass wir euch mit diesem Beitrag die wichtigsten Fragen rund um das Thema Beschneidung beantworten konnten und wünschen eurem Kind und euch alles Gute!
Euer Team von babymarkt.de

10 Antworten
  1. daniel4.98@gmx.de'
    daniel says:

    Liebe Julia,
    der Artikel scheint mir doch recht wenig fundiert mit dem Thema Beschneidung um zu gehen, die Palette an möglichen negativen Folgen bleibt aus. Dass die Beeinträchtigung der Empfindsamkeit als Mythos bezeichnet wird ist auch schlicht weg falsch und sollte auch für jeden logisch sein. Ob sich das negativ oder positiv bemerkbar macht muss ja jeder Beschnittene aber schlussendlich für sich beurteilen.
    Und der eine Satz, dass die Beschneidung bei Kindern, ohne medizinischen Grund, zu verurteilen ist reicht bei weitem nicht aus. Beschneidungen bei Säuglingen (siehe USA, Judentum) sind zu 100% ethisch und moralisch zu verurteilen, da ein schwerwiegender Eingriff ohne Erlaubnis oder sonstigen triftigen Grund vorgenommen wird. Wichtig: positive Effekte der Beschneidung kommen erst mit der 1. sexuellen Aktivität zum tragen und in dem Alter könnte das Kind dann der Bescheidung selbst zustimmen. Da wir in Deutschland der Meinung sind, dass das Alter mit geistiger Reife korreliert (und wir mit 8 noch keinen Alkohol trinken dürfen, nicht rauchen dürfen, nicht Autofahren dürfen, nicht über größere Geldsummen frei verfügen dürfen und keinen Ferienjob annehmen dürfen) finde ich es auch fraglich einem Kind unter 16 Jahren die Entscheidung einer Amputation zu zu muten.
    Fände es sehr witzig wenn ein ähnlich geschönter Artikel zum Thema Beschneidung der Frau erscheinen würde. Aber wie die Überschrift sagt “vom Jungen zum Mann” ist es in unserer Gesellschaft akzeptiert dass ein Junge Schmerzen ertragen muss um seine Männlichkeit zu erhalten. Einfach traurig!
    Grüße Daniel

    Antworten
    • pratke@babymarkt.de'
      Janine says:

      Lieber Daniel,

      danke für deinen ehrlichen Standpunkt zu unserem Artikel. Dein Feedback ist wichtig für uns. Wenn du magst, schreib mir doch eine Mail an pratke@babymarkt.de mit den für dich wichtigen Punkten/Fakten, die wir stärker fokussieren sollten. Dann können wir im Artikel für dich und alle anderen Leser stärker darauf eingehen. Viele Grüße, Janine

      Antworten
    • tom.fun@posteo.de'
      Thomas says:

      Hallo Janine,
      Der Artikel ist gut geschrieben du musst nichts ändern. Ich bin selbst beschnitten und kann die Äußerungen von Daniel nicht nachvollziehen. Sorry die Vorhaut entfernen hat überhaupt nichts mit Verstümmelung zu tun eie dies bei Frauen geschieht.
      Es sind definitiv keine Einschränkungen vorhanden. Wenn dies korrekt und dauber durchgeführt wird. Hinzu kommt das es deutlich Hygienischer ist wie mit. Ich komme aus der Pflege und habe hier bei Jung und Alt schon Zustände gesehen, welche wirklich nicht schön dind. Diese übermäßige Angst davor sollte an anderer Stelle mal beleuchtet werden.

      Antworten
  2. edwardvonroy@t-online.de'
    Edward von Roy says:

    Beschnittene Sensitivität

    Bei einer Zirkumzision werden die für das sexuelle Erleben zentralen Körperteile des Penis amputiert, das Gefurchte Band, die innere Vorhaut, das Frenulum (Bändchen) und das Frenulare Delta, das entspricht der Amputation nicht der Klitorisvorhaut, sondern der Klitoris.

    Schon gar kein Junge im Kindergartenalter, aber auch kein männlicher Grundschüler oder Fünft- und Sechstklässer braucht eine retrahierbare (zurückziehbare) Vorhaut. Deshalb: Finger weg vom Kindergenital! Einzige Ausnahme ist der Junge selbst, der nach Belieben an seinem Penis herumhantieren darf, der weiß nämlich als einziger, was schmerzlos ist und damit ungefährlich (und zusätzlich lustvoll). Bei einem Mädchen wird schließlich auch nicht durch besorgte Eltern an Schamlippen oder Kitzler herumgefingert.

    Thema Alter des Zurückziehenkönnens: Von menschlicher Natur aus und bei bester Gesundheit erst mit 10,4 (zehn Komma vier!) Jahren und auch dann kann das erst jeder zweite Junge (Jakob Øster (1968); Hiroyuki Kayaba et al. (1996), Thorvaldsen and Meyhoff (2005)).

    Die Vorhaut, nicht die Eichel, ist der für leichte Berührung empfindlichste Teil des intakten männlichen Geschlechtsorgans (Sorrells, Snyder, Reiss, Ede, Milos, Wilcox, Van Howe: Fine-touch pressure thresholds in the adult penis).

    Die Vorhaut ist sensibler als die menschlichen Lippen oder Fingerspitzen. Aufgrund ihrer sexuellen Empfindsamkeit spielt das Präputium eine bedeutende Rolle im Sexualleben unbeschnittener Männer und belastet eine jede Vorhautamputation Sexualität, Sexualpartner und Partnerschaft (Frisch, Lindholm, Grønbæk: Male circumcision and sexual function in men and women: a survey-based, cross-sectional study in Denmark).

    Zu den durchweg nachteiligen Auswirkungen jeder medizinisch nicht indizierten männlichen Beschneidung gehört eine lebenslange starke Schädigung der sexuellen Sensitivität, denn die über 73 Meter Nervenfasern und 20.000 überwiegend spezialisierten Nervenendigungen bzw. Tastkörperchen (Meissner-Körperchen, Vater-Pacini-Körperchen, Ruffini-Körperchen und Merkel-Zellen) werden bei der Zirkumzision, die wir endlich männliche Genitalverstümmelung (MGM) nennen sollten, amputiert. Diese spezialisierten Nervenendigungen dienen dazu, auch leichteste Berührungen sowie Feinheiten von Temperatur, Geschwindigkeit bzw. Vibration oder Textur wahrzunehmen und weiterzuleiten.

    Im Vergleich dazu befinden sich auf der Glans penis (Eichel) nur rund 4.000 überwiegend unspezialisierte freie Nervenenden, sogenannte Nozizeptoren, die Schmerzreize aufnehmen und weiterleiten können. Die schmale Zone der Eichel zwischen Corona glandis (Eichelrand) und Sulcus coronarius (Penisfurche), die von Natur aus doch (wenige) Lustrezeptoren enthält, keratinisiert (verhornt) im Laufe der Jahre, was beschnittene Männer als großen Verlust an (restlicher) sexueller Lebensqualität beschreiben und mit Schutzmaßnahmen (vor mechanischer Reibung im Alltag) bzw. mit Restoring (Versuch der Wiederherstellung der Vorhaut) nur begrenzt ausgleichen können.

    Kinderrechtlich bzw. überhaupt menschenrechtlich trauriges Fazit. Durch die Beschneidung werden dem Jungen oder dem Mann ein Großteil der Nervenendigungen des Penis insgesamt und fast alle der besonders empfindlichen niedrigschwelligen spezialisierten Nervenendigungen irreversibel entfernt (amputiert). Die empfindlichsten Regionen des unbeschnittenen Penis sind durch die Beschneidung entfernt (amputiert) worden.

    Anatomisch kundige Mitbürger vergleichen die männliche Beschneidung (MGM) im Hinblick auf die lebenslange sensitive Zerstörung mit einer FGM Typ Ib (teilweise oder gänzliche Amputation der Klitoris) oder FGM Typ II. Daher Schluss mit der Bagatellisierung der Zirkumzision, wie sie etwa durch Fokussierung auf das Nebenthema operative Komplikationen geschieht. Schluss auch mit dem Aushandeln von Altersgrenzen der Einwilligungsfähigkeit (genital autonomy), denn völlig altersgemäß kann auch der männliche Jugendliche die lebenslangen Beschneidungsfolgen für Sexualität und Partnerschaft nicht einschätzen und ist damit schlicht nicht einwilligungsfähig. Der Junge braucht anatomisch faktenbasierte Beratung und bis zum Alter von 18 Jahren ein unversehrtes Geschlechtsorgan (genital intactness).

    Edward von Roy, Diplom-Sozialpädagoge (FH)

    Antworten
    • fabrizius@babymarkt.de'
      Jacqueline says:

      Hallo Edward von Roy,

      vielen Dank für deine Nachricht und die ehrliche Vertretung deines Standpunktes. Uns ist bewusst, dass es zu diesem Thema verschiedene Meinungen gibt. In unserem Beitrag möchten wir über “Beschneidung” informieren und führen sowohl die negativen Folgen als auch die möglichen medizinischen Notwendigkeiten auf. Wie du es schon richtig schreibst, ist das Alter, in dem Jungen ihre Vorhaut zurückschieben können, unterschiedlich. Wichtig ist hierbei allerdings, dass dies nicht vor dem 2. Lebensjahr versucht wird.
      Viele Grüße, Jacqueline

      Antworten
    • webforms@gmx.de'
      Christopher says:

      Sehr geehrter Herr von Roy,

      ich finde es interessant, dass bei Ihrem Beitrag Fachliteratur einen solch gewichtigen Raum einnimmt, und weniger das persönliche Empfinden.

      Ich selber bin seit Säuglingsalter beschnitten (aus medizinischen Gründen) – und bin meinen Eltern im Nachhinein dankbar dafür, dass sie diesen Eingriff haben vornehmen lassen.

      Zum einen fällt mir die tägliche Hygiene so deutlich leichter als meinen Nicht-Beschnittenen Bekannten. Zum anderen kann ich in keinster Weise bestätigen, dass der (anatomisch wahrscheinlich korrekte) Verlust von Nervenleitungen sich in irgendeiner Weise auf meine sexualle, lustvolle Sensitivität auswirkt. Soweit ich das bislang von meinen Partnerinnen mitgeteilt bekommen habe, steht mein Lustempfinden dem von Nicht-Beschnittenen in keiner Weise nach – im umgekehrten Sinne bin ich offensichtlich sogar leichter zu erregen, da man (Frau) sich nicht erst zum Penis bzw. der Innenseite der Vorhaut “vorarbeiten” muss.

      Nun ist es zwar löblich, dass Sie die Entscheidung zur Beschneidung der Person selber überlassen möchten und dieses für Sie erst in einem mündigen Alter in Frage kommt. Andererseits hat es sich bei mir so eingeprägt, dass eine Beschneidung in jungen Jahren (Säuglingsalter) unproblematischer ist als im Jugendalter (sowohl lörperlich als auch seelisch).

      Ich würde gerne eine Lanze dafür brechen, dass mündige Eltern nicht immer von Wissenschaftlern (mit oder ohne Diplom) bevormundet werden sollten.

      Antworten
  3. edwardvonroy@t-online.de'
    Edward von Roy says:

    Man beachte: das durchschnittliche Alter der freien Retrahierbarkeit der Vorhaut liegt bei 10,4 Jahren. Durchschnitt bedeutet, dass jeder zweite Junge in die Gruppe über diesem Alterswert gehört und er seine Vorhaut erst mit zwölf, 14 oder 16 Jahren ganz zurückziehen kann (oder noch später oder gar nicht).

    Antworten
  4. dakar7senegal@gmx.de'
    kimberley says:

    Deutsche Gesellschaft für Kinderchirurgie (DGKCH) S2k-Leitlinie „Phimose und Paraphimose“ aktueller Stand: 09/2017 AWMF-Register Nr. 006/052

    Antworten
  5. ubw_impex@yahoo.com'
    Daniel says:

    Hallo, dachte ich probiere es hier einmal meine Erfahrungen preis zu geben. Der Artikel und die letzte Antwort liegt ja schon lange zurück und es ist daher fraglich ob sich da noch jemand darum interessiert.
    Ich bin auch am überlegen ob ich mein Kind beschneiden soll, obwohl meine Erfahrung die Hölle war. ich war 6 Jahre alt und hatte keine Probleme aber der Kinderarzt war der Meinung die vorhaut sei zu eng. Ich glaube eher er war ein religionsfanatiker. Von der Beschneidung selber spürte ich natürlich nichts den es wurde mit einer Narkose gemacht. Die Tage danach aber waren die Hölle. Beim Pinkeln lief es natürlich immer wieder auch über die Narbe und Brante so sehr, dass mir das nach so vielen Jahren immer noch i Kopf ist. Aus diesem Standpunkt wünsche ich das niemandem. Auf der anderen Seite bin ich heute froh, denn nicht nur aus hygienischen gründen sondern auch erektionstechnisch denke ich war das ganze ein Erfolg.
    Heute sind die Schmerzmittel sicher auch gut, zu meiner Zeit gab es das vom Arzt noch nicht. Ich möchte meinem Kind sicher diese Schmerzen ersparen und finde daher die Meinung von obenerwähnten Daniel ganz gut – selber entscheiden wenn man medizinisch so lange warten kann.
    Meine Erfahrung und Meinung, auch Daniel

    Antworten
    • Wiebke says:

      Hallo Daniel,
      vielen Dank für deinen Kommentar und für deine persönliche Einschätzung. Wir wissen natürlich, dass es zum Thema Beschneidung viele verschiedene Meinungen gibt und möchten Eltern in diesem Ratgeberbeitrag einen Überblick über das Thema geben. Dieser Ratgeber ersetzt natürlich nicht eine individuelle Beratung beim Arzt und die persönliche Abwägung der Entscheidung. Wir wünschen dir und deiner Familie alles Gute,
      Wiebke

      Antworten
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