Zwei Jungen, die mit einer Lupe einen Baum untersuchen

Waldorfkindergarten – weltfremd oder wertvolle Alternative zum städtischen/kirchlichen Kindergarten

Wenn die Kinder bald ins Kindergartenalter kommen, stellt sich für viele Eltern eine wichtige Frage: Welche Kindergartenform wählen wir? Ihr habt unter anderem folgende Alternativen: Städtischer/kirchlicher Kindergarten, privater Kindergarten, Waldkindergarten oder Waldorfkindergarten. Das Waldorfkonzept hat häufig mit dem Vorurteil zu kämpfen, dass es weltfremd sei und die Kinder nicht auf das spätere Leben vorbereitet. Doch fängt dies auch schon im Kindergarten an? Oder ist das freie Spiel und die Förderung der individuellen Fähigkeiten nicht genau das Richtige für Kinder? Wir stellen euch heute das Konzept der Waldorfpädagogik im Kindergarten vor.

Die Waldorfpädagogik geht auf Rudolf Steiner zurück, der von 1861 bis 1925 gelebt hat.
1919 entstand die erste freie Waldorfschule für 191 Arbeiterkinder der Waldorf-Astoria-Zigarrenfabrik und 65 Kinder von bürgerlichen, anthroposophischen Eltern. Er leitete selbst die Schule, die sich sofort großer Beliebtheit erfreute. Als er 1925 starb, gab es bereits drei weitere Schulen in Deutschland, eine in den Niederlanden und eine in England.
Mittlerweile findet ihr circa 1500 Waldorfinstitutionen auf der ganzen Welt, die als Schule, Tagesstätten, Spiel- oder Krabbelgruppen, Kindergärten, Heil- oder Sonderpädagogische Einrichtungen in Erscheinung treten.

Waldorfpädagogik im Kindergarten

Das Waldorf-Konzept basiert auf folgenden Grundprinzipien:

– Begegnung als Grundmotiv
– Das freie Spiel
– Lernbegriff
– Sozialer Auftrag und Gestaltung des Organismus Kindergarten

Eine der Grundannahmen ist, dass Erziehung sich durch Begegnung bildet und ändert. Die Erziehung der Kinder beeinflusst die Erziehung der Erzieher und umgekehrt. Auch sind die Kinder der Spiegel der Erwachsenen. Eine große Rolle spielt dabei das Nachahmen und das Vorbild in der Beziehung zum Erzieher. Doch auch zu Hause ist das Lernen und Wahrnehmen der Umwelt durch die Eltern geprägt. Seid daher immer ein Vorbild für eure Kleinen.

Happy laughing childrenDem freien Spiel der Kinder wird ebenso große Bedeutung beigemessen. Wichtig ist hier die erzieherische Gestaltung, Spiel sollte passieren in einer Umgebung, die nicht dazu drängt funktionell abhängig zu sein, sondern frei. Am besten gelingt dies in der Natur.
Um dies zu gewährleisten müssen Kinder in einer Welt sein, die in Ordnung ist und dessen Rhythmus sie kennen und in dem sie sich geborgen fühlen.

Das Lernen wird im Waldorfkindergarten so erklärt:
Steiner definiert das Kind im Vorschulalter als ‚Sinnesorgan‘. Es nimmt mit sinnlicher Wahrnehmung Informationen auf, die seiner Vorstellungskraft entsprechen. Das, was gelernt wird, befindet sich im Lebensraum des Kindes. Sinnvolle Prozesse und Ereignisse bilden das Lernfeld des Kindes, das in diesen Handlungen, die es als sinnvoll erlebt, ein Motiv erkennen kann. So kann Lernen dem Alter entsprechend erfolgen. Da Kinder sehr unterschiedliche Lebenswelten haben, unterscheiden sich auch die Kindergärten. Wichtig ist für die Didaktik, das Leben in den Gruppen möglichst “echt” zu gestalten und den Bedürfnissen des Kindes zu entsprechen. So werden Handlungsabläufe wie Tisch decken, Tisch säubern, Essen zubereiten, putzen, dekorieren, Räume gestalten, reparieren, singen, erzählen, Anlässe feiern und viele mehr gemeinsam erlebt. Die Motivation der Lernförderung sieht Steiner in einer heiteren und fröhlichen Grundstimmung. Viele dieser Abläufe sind für die Erziehung und den Alltag von großer Wichtigkeit.

Steiners Intention, den Kindergarten als “Keimzelle der Kulturerneuerung” zu institutionalisieren, hat folgende Vorstellungen: Die individuelle Freiheit muss geschützt werden, man solle sich brüderlich den Bedürfnissen der anderen verpflichten und alle Regeln achten.

Hat die Waldorfpädagogik euer Interesse geweckt? Seid offen für alternative Kindergartenkonzepte. Lasst euch die Grundprinzipien durch den Kopf gehen und informiert euch bei Bedarf in den Waldorfkindergärten in eurer Nähe. Es muss nicht immer der städtische/kirchliche Kindergarten sein. Ihr könnt aus einem vielfältigen Angebot wählen – ganz nach euren Vorlieben und persönlichen Einstellungen. Allerdings sind die Kosten bei Waldorfkindergärten höher als bei städtischen oder kirchlichen Einrichtungen, da sie meist von Trägervereinen, die sich aus Eltern zusammensetzen, finanziert werden.

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