minderbegabtes Kind

Mein Kind ist minderbegabt – Na und?!

Was können Eltern tun, wenn sie merken, dass ihr Kind plötzlich in der Schule nicht mehr mit anderen Kindern mithalten kann? Wenn Schreiben, Rechnen und Lesen einfach nicht so klappen wollen, wie man das gerne hätte? Sofern die Lernschwierigkeiten anhalten, machen sich bei Mama und Papa natürlich Sorgen breit, dass das eigene Kind minderbegabt sein könnte. Aber was sagen solche Begrifflichkeiten überhaupt aus? Wichtig ist doch vor allem, dass das Kind glücklich ist… Oder?

Was bedeutet Minderbegabung eigentlich?

Es gestaltet sich recht schwierig, eine einheitliche Definition für Minderbegabung zu finden. In der Regel richtet sich der Begriff an Menschen, die Schwierigkeiten damit haben, neue Dinge zu lernen, sich nicht richtig ausdrücken können oder Verhaltensauffälligkeiten zeigen. Körperlich hingegen haben sie keinerlei Symptome.

Geringere Intelligenz

Wenn man von Intelligenzminderung oder Minderbegabung spricht, meint man eine Unterentwicklung von kognitiven Fertigkeiten, die man mit einem Test für den Intelligenzquotient (IQ) messen kann. Der gewöhnliche Intelligenzquotient liegt bei gesunden Menschen zwischen 85 und 115. Kommt es aufgrund von besonderen Umständen zu Störungen oder zur Stagnation innerhalb der Entwicklung der geistigen Fähigkeiten, kann das Intelligenzniveau geringer ausfallen. Demnach liegt der IQ bei Kindern mit Minderbegabung bei unter 85.

Minderbegabt = geistig behindert?

Wenn ein Mensch als geistig behindert eingestuft wird, klingt das erstmal schlimmer, als es eigentlich ist. Nach ICD-10 (International Statistical Classification of Deseases and Related Health Problems = Internationale statistische Klassifikation der Krankheiten und verwandter Gesundheitsprobleme) ist eine geistige Behinderung mit einer Intelligenzminderung gleichzusetzen. Dabei bedeutet das lediglich, dass das Kind kognitiv oder geistig eingeschränkt ist. Macht euch also immer klar, dass ein solcher Ausdruck eben auch nur ein Wort ist.

Verschiedene Stufen der Intelligenzminderung

Nach der Weltgesundheitsorganisation (WHO) gibt es verschiedene Arten, wie sich die Intelligenzminderung einteilen lässt.

  • Leichte Intelligenzminderung

    Diese Stufe wird auch als leichte geistige Behinderung verstanden; der IQ liegt bei 50-69 Punkten. Das Kind kann meist noch in die Schule gehen, diese sollten aber speziell auf förderbedürftige oder lernbehinderte Kinder ausgerichtet sein. Neben der Unfähigkeit, sich neue Lerninhalte anzueignen, fallen auch das vorausschauende, reflexive Handeln oder abstrakte Denken meist schwer. Zudem kommt eine soziale Inkompetenz hinzu, die es den Betroffenen manchmal nicht ermöglicht, ein normales soziales Leben zu führen.

  • Mittelgradige Intelligenzminderung

    Der IQ von Menschen dieser Intelligenzminderung weist einen Wert von 35 bis 49 auf. Auch hier ist demnach eine spezielle Förderung unabdingbar.

  • Schwere Intelligenzminderung

    Menschen mit schwerer Minderbegabung haben einen IQ von 20-34. Wenn bei Erwachsenen ein solcher Wert festgestellt wird, kann man davon ausgehen, dass sie das geistige Alter eines etwa 4 Jahre alten Kindes haben. Sie bedürfen kontinuierlicher Förderung und Unterstützung.

  • Schwerste Intelligenzminderung

    Mit einem IQ von unter 20 ist dieser Wert der Minderbegabung die letzte messbare Form. Die Betroffenen können sich nicht richtig bewegen, verfügen über ein hochgradig eingeschränktes Sprachvermögen und verstehen auch simpelste Anforderungen nicht.

  • Geistige Behinderung ohne nähere Angaben

    Sofern ein Mensch auch körperlich behindert ist oder anderen Einschränkungen oder Störungen unterliegt, kann es vorkommen, dass hier kein IQ-Test vorgenommen werden kann.

Besondere Formen minderbegabter Kinder

Nicht alle Kinder kann man über den gleichen Kamm scheren und sagen, dass sie intelligenzbemindert sind. Es gibt hierbei nähere Unterteilungen.

  • Inselbegabung

    Bei manchen Erwachsenen, aber auch vor allem bei Kindern, kann es vorkommen, dass sie zwar über weitläufig schlechte kognitive Fähigkeiten verfügen, aber eine bestimmte Sache besonders gut können. In dem Meer von Schwierigkeiten beim Lesen oder Rechnen finden die kleinen Lieblinge eine kleine Insel, auf der sie sich besonders gut zurecht finden. Vielleicht ist euer Nachwuchs ja ein kleiner Einstein, hat ein herausragendes Gedächtnis, eine hoch-kreative, künstlerische Ader oder kann einfach nur gut puzzlen?

  • Teilleistungsstörung

    Bei dieser Art hat das Kind nur mit einer bestimmten Disziplin ständig wiederauftretende Probleme, zum Beispiel beim Schreiben, Rechnen oder Lesen. Daher solltet ihr an dieser Stelle zunächst herausfinden, ob die kognitiven Diskrepanzen eures Kindes sich nur auf einen spezifischen Bereich beziehen oder global auftreten.

  • Hochbegabung

    Der gegenteilige Fall zeigt sich in der Hochbegabung. Hier ist das Kind weit begabter als der Durchschnitt Gleichaltriger, wobei eine solche Einstufung eher selten vorkommt. Lasst euch von Super-Mamis also nicht einreden, dass deren Sprössling ein reines Genie sein muss – das sollen sie erstmal beweisen.

Symptome einer Minderbegabung

Anhand dieser Punkte könnt ihr erkennen, ob euer Kind minderbegabt ist:

Euer Kind…

•    hat Probleme dabei, sich neue Lerninhalte anzueignen
•    zeigt ein verlangsamtes Denken
•    kann sich nur schwer konzentrieren, ist sehr impulsiv und teilweise aggressiv
•    zeigt kommunikative Störungen
•    hat Probleme dabei, mit unbekannten Situationen zurechtzukommen
•    ist schon mit einfachen Problemen schlichtweg überfordert
•    findet sich im Alltag nur schwer zurecht und kann sich nicht selber versorgen
•    kann sich an andere Kinder nicht anpassen und zeigt ein sozial sowie emotional gestörtes Verhalten
•    hat eine niedrige Frustrationsgrenze

Ursachen einer Minderbegabung

Meist entstehen kognitive Einschränkungen durch genetisch bedingte Behinderungen, so zum Beispiel Trisomie 21 (Down-Syndrom). Doch auch Erkrankungen oder Komplikationen vor der Geburt können dazu führen, dass das Kind eine geistige Behinderung erleidet. Wenn die schwangere Frau raucht, Alkohol trinkt oder andere Drogen zu sich nimmt, kann sich dies unmittelbar auf ihr ungeborenes Kind auswirken. Darüber hinaus können eine Frühgeburt, Infektionen nach der Geburt, ein Vitamin-D-Mangel oder die fehlende Förderung der geistigen Entwicklung des Kindes eine Minderbegabung fördern.

Minderbegabung bei Kindern

Es ist ganz wichtig, eine Minderbegabung bei Kindern frühestmöglich festzustellen. Nicht selten leiden die armen Kleinen unter Vorurteilen und werden aufgrund ihrer Unzulänglichkeiten beleidigt oder diskriminiert. Eine entsprechende Förderung, viel Aufmerksamkeit und eventuell eine Umschulung können helfen, den kleinen Liebling wieder in den Alltag zu integrieren. Schließlich sind in Deutschland etwa 2 Millionen Menschen betroffen, sodass eine Minderbegabung nichts Unnormales ist. Statistisch gesehen wird vermehrt bei Jungen eine Intelligenzminderung festgestellt. Da diese jedoch häufig aggressiver und impulsiver sind als Mädchen, fallen Verhaltensstörungen auch schneller auf und begünstigen eine schnelle Diagnose der Lernbehinderung.

Nicht immer nur auf die Intelligenz achten…

Ein IQ-Test kann zwar einige Erkenntnisse hinsichtlich des Intelligenzniveaus Ihres Kindes liefern, doch zeigt dies noch nicht an, wo oder warum euer kleiner Schatz mit bestimmten Prozessen oder Aufgaben Probleme hat. Daher sollten auch soziologische Faktoren untersucht und die Ursachen erforscht werden. Studien fanden heraus, dass ein Großteil der Kinder mit einer Intelligenzminderung aus einer sozial schlechteren Schicht kommt. Zieht neben der Beratung durch euren Kinderarzt auch einen Psychologen zu Hilfe und lasst eine umfangreiche Diagnostik erstellen. Schließlich können auch Faktoren wie Angst, Hilflosigkeit oder Unsicherheit in der Schule oder im Kindergarten dazu führen, dass das Kind sich nicht konzentrieren kann. Und dies hat dann nichts mit einer Minderbegabung zu tun!

Hilfe! Mein Kind ist minderbegabt!

Wenn durch einen IQ-Test ein Wert festgestellt wird, der auf eine Lernbehinderung schließen lässt, ist das noch kein Grund zu verzweifeln. Leider muss aber gesagt werden, dass eine fehlende Intelligenz nicht behandelt werden kann. Stattdessen könnt ihr und euer Kind aber entsprechende Maßnahmen ergreifen, um die Ausprägungen im Zaum zu halten. Euer kleiner Schatz braucht jetzt ganz besondere Aufmerksamkeit, viel Fürsorge und Unterstützung. Geistig minderbemittelte Kinder laufen häufig Gefahr, beleidigt oder nicht akzeptiert zu werden. Daher findet ihr Hilfe bei Minderbegabung in Förderschulen oder in einer Integrationskraft. So wird euer Kind bestmöglich gefördert und geschützt.

  • Die Vergabe von Medikamenten macht nur dann Sinn, wenn neben der Intelligenzminderung auch Störungen im Verhalten hinzukommen. Wenn euer kleiner Schatz also sehr hibbelig ist oder gar sehr aggressiv wird, können Arzneien helfen. Ein Mittel für einen besseren Intelligenzquotienten gibt es aber nicht.

Wir wünschen eurem Kind und euch alles Gute!

Euer Team von babymarkt.de

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2 Antworten
  1. ejacobs@kabelmail.com'
    Elly says:

    Ich haben den Text gelesen und es ist sehr gut erklärt ! Aber meine Traurigkeit bleibt trotzdem ! Mein kleiner Enkel ist betroffen und ich bin darüber sehr traurig ! Meine Tochter hatte es nicht leicht im Leben und wir haben früh erkannt , daß etwas nicht stimmt mit dem Kleinen ! Keiner konnte bis gestern genau sagen was er hat ! Nun steht es fest ! Förderung bekommt er ( 6) seit seinem dritten Lebensjahr! Ergo , logo und Autismus Zentrum ! Jetzt muß er zur Schule und es gibt keine geeignete Schulform in unserer Wohngegend ! Regelschule mit i-Helfer ist angedacht ! Ich glaube es sind viele Eltern sehr hilflos und haben keine Alternative ! Sind solche Kinder nicht viel besser in einer Waldorfschule aufgehoben ? Ich weiß gerade nicht weiter und würde meinem Enkel so gerne helfen damit er kein Opfer unseres Schulsystems wird !

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  2. Laura says:

    Hallo Elly,
    Vielen Dank für ihr ehrliches und offenes kommentieren.
    Die Kinder, die mit einer Minderbegabung zur Welt kommen, sind ganz besondere Kinder. Sie brauchen auf ihrem Weg mehr Unterstützung und Begleitung.
    Leider ist es sehr schwer Ihnen einen Ratschlag zu geben, da es hier wirklich auf die einzelne Schule ankommt. In einigen Einrichtungen klappt es wirklich hervorragend, da auch das Lehrpersonal an die Bedürfnisse angepasst ist und man den besonderen Kindern einfach auch mehr Zeit lässt.
    Das sollte Ihre Tochter auf jeden Fall vorher absprechen.
    Natürlich kann man sich im Vergleich eine Waldorfschule anschauen und hier das Gespräch suchen.
    Das Konzept unterscheidet sich grundlegend von einer normalen Grundschule und die Kinder haben individuelle Lernziele.
    Die Frage ist nur, ob man, wenn man die Wahl treffen würde, dies auch bis zum Schulstart noch umsetzen kann.
    Das Wichtigste ist aber, dass Ihre Tochter ein gutes Gefühl dabei hat. Sie muss die Gespräche suchen und auch mit den Therapeuten sprechen und sich Rat holen, die kennen die Familie und Ihren Enkel.
    Ich wünsche Ihnen und Ihrer Familie von Herzen alles Gute!

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