Pädophilie und Kindesmissbrauch – Wie ihr euer Kind schützen könnt

Julia
Julia13.01.2017Lesezeit ca. 12 Minuten
Wütendes Mädchen hält die Hand hoch

Von Geburt an haben fürsorgliche Eltern das Bedürfnis das Kind vor allen Gefahren zu schützen. Man macht das ganze Haus kindersicher, damit der kleine Schatz nicht stürzt, sich nicht verbrennt oder in eine Steckdose fasst. Neben den üblichen Gefahren gibt es aber auch eine von wesentlich größerer Dimension. Pädophilie und Kindesmissbrauch sind da das Stichwort. Was bedeutet Pädophilie überhaupt? Sind alle Pädophilen gefährlich? Wie kann ich mein Kind vor Kindesmissbrauch schützen? Lest hier alle wichtigen Informationen zum Thema Pädophilie und Kindesmissbrauch.

Kindesmissbrauch vs. Pädophilie

In diesem Fall gilt: Nicht jeder Pädophile missbraucht Kinder und nicht jeder, der Kinder missbraucht, ist pädophil. Als Pädophilie wird schließlich “nur” die sexuelle Neigung bezeichnet, diese schließt den tatsächlichen Kindesmissbrauch oder den Konsum kinderpornografischen Materials nicht mit ein. Gerade aber sozial abgeschottete Pädophile haben einen immer größer werdenden Drang, ihre Fantasien auszuleben. Tatsächlich ist ein enormer Großteil aller Pädophilen männlich. Die Pädophilie hat von Fall zu Fall ganz unterschiedliche Ausprägungen. Während ein Pädophiler eine Art Liebesbeziehung zu Kindern aufbauen möchte, spielen bei dem Missbrauch Unterdrückung und Gewalt eine wichtige Rolle in der Beziehung zu dem Kind.

Das kann meinem Kind schon nicht passieren

Viele wissen nicht genau, wie erschreckend häufig sexuelle Übergriffe auf Kinder stattfinden. Etwa jedes dritte Mädchen und jeder siebte Junge wird sexuell missbraucht. So ist es nicht abwegig, dass sogar einem oder mehreren Freunden eures Kindes so etwas widerfahren ist. Besonders schockierend ist die Häufigkeit dieser Übergriffe auf behinderte Kinder. Hier ist die Zahl der Opfer nahezu doppelt so hoch, als bei Kindern ohne Behinderungen.

Aber jetzt bloß keine Panik aufkommen lassen! Ein enormer Großteil dieser Straftaten geschieht innerhalb der Familie und erstreckt sich über einen längeren Zeitraum, was natürlich nicht weniger schlimm ist. Übergriffe durch Fremde kommen aber relativ selten vor. Doch sie können vorkommen!

Wie kann ich mein Kind schützen?

Wie klein auch immer die Wahrscheinlichkeit sein mag, dass ein Fremder Ihr Kind belästigt, ihr solltet euer Kind trotzdem schützen. Aber übertreibt es hierbei nicht. Schließlich soll euer kleiner Spatz eine unbeschwerte Kindheit erleben, ohne die ständige Angst, dass etwas passieren könnte. Und auch für euch kann es eine große Belastung sein, wenn ihr andauernd darüber grübelt, ob eurem Kind etwas zustößt.

Diese Tipps helfen, damit euer Kind im Ernstfall dem potenziellen Täter nicht vollkommen hilflos ausgesetzt ist:

1.) Selbstbewusstsein: Die beste Verteidigung
Straftäter, die sich an Kindern vergreifen, machen dies bewusst, um die Hilflosigkeit und Unsicherheit der Kinder auszunutzen. Kinder mit einem großen Selbstbewusstsein schrecken solche Täter ab. Euer Kind sollte laut sprechen, wenn es sich in einer Situation unwohl fühlt, um die Aufmerksamkeit anderer auf sich zu ziehen. Lest hier mehr dazu, wie ihr das Selbstbewusstsein eures Kindes fördern könnt.
2.) Lernen Nein zu sagen
Dieser Tipp hängt stark mit dem ersten zusammen. Bringt eurem Kind bei, dass es nicht immer unhöflich ist Nein zu sagen. In Situationen, in denen ein Fremder zum Beispiel gerne von eurem Kind begleitet werden möchte, weil er den Weg zu einem bestimmten Platz nicht findet, muss euer Kind bereit sein, ein selbstbewusstes und entschlossenes „Nein!“ zu äußern. Dazu sollte es stets eine gewisse körperliche Distanz zu Fremden wahren.
3.) Nicht ohne Begleitung unterwegs
Dieser Tipp meint nicht, dass euer Kind stets von euch oder anderen erwachsenen Personen begleitet werden muss. Ein Nachbarskind, das denselben Schulweg hat, oder ein Freund, der auch gerne zum Bolzplatz möchte, sind da passende Begleiter. Eine Win-Win-Situation für euer Kind und dessen Freunde.
4.) Das Notfallhandy
Dieses Handy sollte nur für Notfälle gedacht sein. Besonders gut eigenen sich für diesen Zweck Seniorenhandys. So könnt ihr Haus- und Mobiltelefonnummern in das Handy einspeichern und mit dem Drücken von nur einer Taste kann euer Kind euch erreichen. Wenn ihr eurem Schatz kein Handy mitgeben möchtet, soll es sich die Telefonnummern merken. Kinder können sich diese besonders schnell einprägen
5.) Immer wissen, wo das Kind ist
Spontane Ausflüge vom Freund zum Spielplatz sind absolut ok und gehören zur Kindheit dazu. Macht eurem Sprössling nur klar, dass er euch in so einem Fall vorher anrufen soll, um euch Bescheid zu geben. Es bietet sich auch an, die Telefonnummer der Familie des Freundes stets parat zu haben.
6.) Vertrauenswürdige Erwachsene erkennen
Wenn euer Kind alleine unterwegs ist, sollte es wissen, dass es neben Mami und Papi auch fremde vertrauenswürdige Menschen gibt. Die Anweisung „sprich nicht mit Fremden“ nehmen Kinder meist sehr ernst und trauen sich nicht im Notfall fremde Erwachsene anzusprechen. Als Orientierung und Hilfe zur Unterscheidung zwischen nicht vertrauenswürdigen und vertrauenswürdigen Menschen können Uniformen dienen. Somit könnt ihr eurem Kind raten Polizisten, Ladenpersonal, Kellner oder Postboten beispielsweise anzusprechen, wenn es Hilfe braucht. Auch andere Eltern, die mit ihren Kindern unterwegs sind, können im Notfall angesprochen werden.

Das Internet - Die größte Gefahrenquelle?

Wo im Internet die größten Gefahren für Ihr Kind schlummern und wie ihr euren kleinen Schatz davor schützen könnt, erfahrt ihr hier:

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Wie erkenne ich, dass mein Kind sexuell missbraucht wird/ wurde?

Selbst wenn ihr euch an die obigen Tipps haltet, bedeutet das nicht, dass euer Kind mit Sicherheit vor sexuellem Missbrauch geschützt ist. Denn wie bereits erwähnt, geschieht ein Großteil des Kindesmissbrauchs innerhalb des Familienkreises oder engeren Bekanntenkreises. Auch das bedeutet natürlich nicht, dass ihr jeden Onkel, jede Tante oder jeden Trainer beispielsweise unter Generalverdacht stellen müsst. Es gibt jedoch einige Anzeichen, die darauf hindeuten können, dass euer Kind von einer vertrauten Person missbraucht wird:

Körperliche Anzeichen:

Die direkt ersichtlichen körperlichen Verletzungen des Missbrauchs kommen relativ selten vor. Die Täter achten meist darauf, solche offensichtlichen Verletzungen zu vermeiden, damit die Eltern keinen Verdacht schöpfen. Wenn ihr jedoch folgende Merkmale wiederholt an dem Körper eures Kindes wiederfindet, könnte dies ein Anzeichen des sexuellen Kindesmissbrauchs sein:

Verändertes Sozialverhalten:

Neben den körperlichen Verletzungen sind die seelischen meist wesentlich gravierender. Diese spiegeln sich auch in dem Sozialverhalten des Kindes wider. Folgende Veränderungen des Sozialverhaltens können auf einen sexuellen Kindesmissbrauch hindeuten:

Emotionale Symptome:

Die Hilflosigkeit, der das Kind während des sexuellen Missbrauchs ausgesetzt ist, verändert das Kind auch emotional. Der Täter nutzt diese Hilflosigkeit schließlich bewusst aus. Das Kind versteht zu diesem Zeitpunkt noch nicht, was genau geschieht und muss diese schrecklichen Eindrücke auch emotional verarbeiten. Das kann sich folgendermaßen ausprägen:

Psychosomatische Beschwerden:

Die psychischen Belastungen, die durch den Missbrauch entstehen, spiegeln sich auch in körperlichen Symptomen wider.  Diese Reaktionen des Körpers auf die traumatisierenden Taten werden psychosomatische Beschwerden genannt. Zu typischen psychosomatischen Beschwerden bei Kindesmissbrauch zählen:

Viele dieser Anzeichen können vereinzelnd auch bei Kindern auftreten, die nicht sexuell missbraucht wurden. So kann zum Beispiel die Trennung der Eltern viele, sehr ähnliche Symptome auslösen. Bemerkt ihr aber allgemein, dass euer Kind sich stark verändert, müsst ihr es genauer beobachten. Treten dazu noch viele dieser Symptome auf, muss gehandelt werden – egal was der Grund dafür ist.

Was tun, wenn der Verdacht auf sexuellen Missbrauch besteht?

Der Verdacht eines sexuellen Missbrauchs beim eigenen Kind ist besonders erschreckend für Eltern. Aber es ist auch ein sehr sensibles Thema. Hier heißt es: Nicht zu voreilig und unbedacht handeln. Das Wichtigste ist, dass ihr in Ruhe mit eurem Kind sprecht. Achtet dabei darauf, das Kind nicht zu bedrängen oder Informationen zu erzwingen. Sprecht offen und vor allem verständnisvoll mit eurem Kind über das Geschehene.

Lobt euer für den enormen Mut, den es aufbringt, um euch von dem Missbrauch zu erzählen. In jedem Fall müsst ihr euch aber professionelle Unterstützung suchen. Das gilt auch, wenn euer Kind nicht mit euch darüber sprechen möchte.

Wir wünschen eurem Kind eine unbeschwerte Kindheit und euch stets eine schützende Hand.

Euer Team von babymarkt.de