Verbrennung beim Kind: Was hilft jetzt?

Laura
Laura28.04.2017Lesezeit ca. 14 Minuten
Verbrennungsgefahr bei Kind, das einen Kochtopf vom Herd nehmen will.

Es geschieht schneller als man hinschauen kann: Euer kleiner Rabauke hat an der Tischdecke gezogen und die brühendheiße Suppe trifft auf den zierlichen Kinderkörper. Das absolute Horrorszenario und ein Schock für alle Beteiligten. Jetzt muss schnell gehandelt werden! Aber was soll man zuerst machen? Welche Sofortmaßnahmen müssen bei einer Verbrennung oder Verbrühung beim Kind ergriffen werden und wie gefährlich ist die Situation für das Kind? Lest in diesem Beitrag alles, was ihr über eine Verbrennung oder Verbrühung bei Kindern wissen müsst!

Brandverletzungen bei Kindern nicht unterschätzen

Das beschriebene Szenario kommt in gleicher oder ähnlicher Form leider nicht selten vor. Verbrennungen und Verbrühungen zählen zu den häufigsten Kinderunfällen und sollten in keinem Fall unterschätzt werden. Verbrennungen werden in Grade unterteilt, die sich hinsichtlich der Schwere der Verbrennung aufteilen. Bereits ab einer Temperatur von ca. 50 Grad Celsius kann die Haut geschädigt werden.

Info
Es müssen ca. 6000 Kinder im Jahr allein in Deutschland aufgrund einer Verbrennung oder Verbrühung im Krankenhaus behandelt werden.

Jedoch ist nicht nur die Schwere der Verbrennung, sondern auch der Anteil der betroffenen Körperstellen entscheidend, um einschätzen zu können, ob das Kind aufgrund der Verbrennung in Lebensgefahr schwebt.

Exkurs: Der Unterschied zwischen Verbrennungen und Verbrühungen

Bei einer Verbrennung wird die Haut durch trockene Hitze geschädigt. Häufige Ursachen sind zum Beispiel der Backofen oder das Bügeleisen. Eine Verbrühung hingegen ist auf heiße Flüssigkeiten oder Dämpfe zurückzuführen. Sie kann schneller die tieferen Gewebeschichten schädigen als eine Verbrennung, da die Flüssigkeit in der Regel länger auf der Haut bleibt.

Die Verbrennungsgrade im Überblick

Je nach Schwere kann eine Verbrennung in drei verschiedene Grade unterteilt werden. Jeder Grad beschreibt eine bestimmte Tiefe der Hautschädigung:

Grad der Verbrennung Symptome Ärztliche Behandlung notwendig?
Grad 1:
Betrifft die oberste Hautschicht
Hautrötung
Hautschwellung
Schmerzen
Berührungsempfindlichkeit
In der Regel reicht die Selbstbehandlung. Sollten die Schmerzen jedoch nicht besser werden, sucht einen Arzt auf.
Grad 2:
Betrifft auch tiefere Hautschichten
Hautrötung
Hautschwellung
Schmerzen
Blasenbildung
Ein Arzt sollte zur Kontrolle aufgesucht werden.
Grad 3:
Vollkommene Zerstörung der Oberhaut und tiefere Gewebsschichten bis hin zur Verkohlung
Meist ohne Schmerzgefühl, da Schmerzsensoren verwundet sind
Abheilung mit Narbenbildung
Abgestorbenes Gewebe (weißlich, bräunliche Verfärbung)
Verständigt den Notruf (112).

Verbrennungsgefahr bei Kind, das mit Bügeleisen spielt.

Was tun bei Verbrennungen bei Kindern?

Die Sofortmaßnahmen, die ihr in so einem Fall ergreift, sind von immenser Bedeutung für das Wohlergehen eures Kindes. Zuerst gilt es natürlich Ruhe zu bewahren und das Kind nicht durch eure Panik noch mehr zu belasten. Daraufhin müssen die folgenden Maßnahmen in dieser Reihenfolge eingehalten werden:

1.) Löschen
2.) Kühlen
3.) Notruf wählen
112 für Feuerwehr/Rettungsdienst oder auch 110 für Polizei

Verinnerlicht diese drei Schritte in dieser Reihenfolge. Im Ernstfall können diese Maßnahmen überlebenswichtig sein. Für die einzelnen Schritte gibt es aber auch weitere wichtige Dinge zu beachten:

1.) Löschen und für das Kühlen vorbereiten

Sollte beispielsweise die Kleidung eures Kindes Feuer gefangen haben, müsst ihr diese umgehend löschen. Verwendet dafür Wasser (z.B. einen Eimer mit Wasser) oder eine Decke, die ihr auf die brennende Kleidung werft, um die Flamme zu ersticken. Ihr könnt euer Kind auch auf den Boden wälzen, um die Flamme zu löschen.

Im Falle einer Verbrühung müsst ihr, bevor ihr die Wunden kühlt, vorsichtig und möglichst schnell die Kleidung vom Körper des Kindes entfernen. Scheut nicht davor zurück, die Kleidung aufzuschneiden, dies spart wichtige Zeit.

Wichtig
Lasst eingebrannte Kleider an. Zu groß ist die Gefahr, dass beim Entfernen der Kleidung die Haut des Kindes mit abgezogen wird.

2.) Vom Kühlen bis zum Unterkühlen

Haltet die verbrannten oder verbrühten Körperstellen unter fließendes Wasser bis der Schmerz nachlässt – jedoch nicht länger als 20 Minuten Dauerkühlen. Wenn die Schmerzen nicht nachlassen, muss auf jeden Fall ein Arzt aufgesucht werden. Die Wassertemperatur sollte beim Kühlen lauwarm sein, also eine Temperatur von 30 Grad Celsius nicht unterschreiten. Ist die Körperstelle ausreichend gekühlt worden, legt ein steriles Tuch über die Wunde bis der Rettungsdienst erscheint.

So paradox es auch klingen mag, aber eine größere Brandverletzung kann gerade bei kleinen Kindern schnell eine Unterkühlung zur Folge haben. Daher müsst ihr euer Kind unbedingt warm halten. Hüllt euren Schatz in eine leichte Decke und seht bei größeren Verletzungen davon ab, die Körperstellen zu lang und zu sehr zu kühlen. Das kann den Zustand eures Kindes verschlimmern.

Verzichtet gänzlich auf folgende Hilfsmittel:

Eis und Eisspray
Hausmittel, wie Honig, Mehl, Quark, Öle etc.
Salben und Puder
Desinfektionsmittel

Besonders das Kühlen mit Eis kann die Schmerzen verschlimmern und eine Unterkühlung unterstützen. Die Hausmittel können eine Infektion begünstigen. Sollten Brandblasen entstanden sein, öffnet diese auf keinen Fall. Das erhöht ebenso die Infektionsgefahr. Einzig und allein Wasser sollte zum Kühlen verwendet werden.

3.) Notruf 112 wählen

Säuglinge und Kleinkinder müssen bei Brandverletzungen oder Verbrühungen im Krankenhaus vorgestellt werden. Seid ihr sicher, dass es sich lediglich um eine kleine Wunde handelt, könnt ihr diese auch selbst behandeln. Bei Verbrennungen zweiten Grades empfiehlt sich immer den Notruf zu wählen.

Bevor ihr jedoch Brandsalben auftragt, müsst ihr dies vorab mit dem Kinderarzt absprechen. Sollte es sich aber um eine größere und stärkere Verletzung der Haut handeln, ruft umgehend nach den ersten zwei Maßnahmen den Notdienst an. Fahrt nicht selbst zum Krankenhaus, da das Kind eventuell in eine Klinik gebracht werden muss, die auf Brandverletzungen spezialisiert ist.

Hinweis: Der richtige Umgang mit Brandblasen
Vermeidet unbedingt das Aufstechen von Brandblasen, da es ansonsten zu einer Entzündung/Infektion durch eindringende Keime kommen kann

In unserem Ratgeberbeitrag „Erste Hilfe bei Kindern“ erhalte ihr viele weitere hilfreiche Tipps, welche Sofortmaßnahmen im Falle einer Verletzung des Kindes angewandt werden sollten:

Zum Beitrag

Wann sollte ein Arzt aufgesucht werden?

In den meisten Fällen können Verbrennungen ersten Grades mit den Erste-Hilfe-Maßnahmen problemlos behandelt werden. Wichtig ist, die Wunde sauber zu halten. Verletzungen zweiten Grades müssen hingegen professionell behandelt werden, um z.B. einer Narbenbildung vorzubeugen. Bei Kindern empfiehlt sich jedoch auch bei kleineren Verletzungen einen Arzt aufzusuchen.


Verbrennung beim Kind: Dem Unglück vorbeugen

Haltet euch stets an die folgenden Vorsichtsmaßnahmen, um eurem kleinen Schatz eine Verbrennung oder Verbrühung zu ersparen:

Wie ihr euer Zuhause kindersicher gestaltet, erfahrt ihr in diesem Ratgeberbeitrag:

Zum Beitrag

Weitere Informationen zum Thema Verbrennungen bei Kindern findet ihr bei „Paulinchen- Initiative für brandverletzte Kinder e.V.“ auf www.paulinchen.de. Insbesondere für betroffene Kinder und Eltern ist dies eine hilfreiche Anlaufstelle.


Wir wünschen euch und eurem Kind alles Gute und eine unfallfreie Kindheit!

Euer Team von babymarkt.de