Verbrennungsgefahr bei Kind, das einen Kochtopf vom Herd nehmen will.

Verbrennung beim Kind: Was hilft jetzt?

Es geschieht schneller als man hinschauen kann: Euer kleiner Rabauke hat an der Tischdecke gezogen und die brühendheiße Suppe trifft auf den zierlichen Kinderkörper. Das absolute Horrorszenario und ein Schock für alle Beteiligten. Jetzt muss schnell gehandelt werden! Aber was soll man zuerst machen? Welche Sofortmaßnahmen müssen bei einer Verbrennung oder Verbrühung beim Kind ergriffen werden und wie gefährlich ist die Situation für das Kind? Lest in diesem Beitrag alles, was ihr über eine Verbrennung oder Verbrühung bei Kindern wissen müsst!

Brandverletzungen bei Kindern nicht unterschätzen

Das beschriebene Szenario kommt in gleicher oder ähnlicher Form leider nicht selten vor. Verbrennungen und Verbrühungen zählen zu den häufigsten Kinderunfällen und sollten in keinem Fall unterschätzt werden. Verbrennungen werden in Grade unterteilt, die sich hinsichtlich der Schwere der Verbrennung aufteilen. Bereits ab einer Temperatur von ca. 50 Grad Celsius kann die Haut geschädigt werden.

  • Es müssen ca. 6000 Kinder im Jahr allein in Deutschland aufgrund einer Verbrennung oder Verbrühung im Krankenhaus behandelt werden.

Jedoch ist nicht nur die Schwere der Verbrennung, sondern auch der Anteil der betroffenen Körperstellen entscheidend, um einschätzen zu können, ob das Kind aufgrund der Verbrennung in Lebensgefahr schwebt.

Verbrennungsgrade: Die Neunerregel

Die sogenannte Neunerregel besagt, welche Körperteile wie viel Prozent der gesamten Körperoberfläche ausmachen. Wenn 15% des Körpers eines erwachsenen Menschen verbrannt oder verbrüht wurden, befindet sich dieser in Lebensgefahr. Bei kleinen Kindern genügen nur 8% verbrannte oder verbrühte  Körperoberfläche, um von einer lebensbedrohlichen Verletzung zu sprechen. Um das Ausmaß der Verbrennung eures Kindes also einschätzen zu können, dienen die folgenden Werte der Neunerregel zur Orientierung:

  • Kopf und Hals: 16%

  • Arme (2 x 9%): 18%

  • Rumpf (2 x 16%): 32%

  • Beine (2 x 17%): 34%

Verbrennungsgefahr bei Kind, das mit Bügeleisen spielt.

Was tun bei Verbrennungen bei Kindern?

Die Sofortmaßnahmen, die ihr in so einem Fall ergreift, sind von immenser Bedeutung für das Wohlergehen eures Kindes. Zuerst gilt es natürlich Ruhe zu bewahren und das Kind nicht durch eure Panik noch mehr zu belasten. Daraufhin müssen die folgenden Maßnahmen in dieser Reihenfolge eingehalten werden:

  • 1.) Löschen

  • 2.) Kühlen

  • 3.) Notruf wählen (112 oder auch 110)

Verinnerlicht diese drei Schritte in dieser Reihenfolge. Im Ernstfall können diese Maßnahmen überlebenswichtig sein. Für die einzelnen Schritte gibt es aber auch weitere wichtige Dinge zu beachten:

1.) Löschen und für das Kühlen vorbereiten

Sollte beispielsweise die Kleidung eures Kindes Feuer gefangen haben, müsst ihr diese umgehend löschen. Verwendet dafür Wasser oder eine Decke, die ihr auf die brennende Kleidung werft, um die Flamme zu ersticken. Ihr könnt euer Kind auch auf den Boden wälzen, um die Flamme zu löschen. Falls ihr einen Feuerlöscher verwendet, achtet darauf, dass ihr diesen niemals auf das Gesicht richten.

Im Falle einer Verbrühung müsst ihr, bevor ihr die Wunden kühlt, vorsichtig und möglichst schnell die Kleidung vom Körper des Kindes entfernen. Scheut nicht davor zurück, die Kleidung aufzuschneiden, dies spart wichtige Zeit.

  • Lasst eingebrannte Kleider an. Zu groß ist die Gefahr, dass beim Entfernen der Kleidung die Haut des Kindes mit abgezogen wird.

2.) Vom Kühlen bis zum Unterkühlen

Nachdem ihr das Feuer gelöscht und eventuell die Kleidung entfernt habt, müsst ihr die betroffenen Stellen kühlen. Halter die verbrannten oder verbrühten Körperstellen unter fließendes Wasser bis der Schmerz nachlässt. Das kann bis zu 20 Minuten dauern. Die Wassertemperatur sollte kühl aber nicht kalt sein, also eine Temperatur von 15 Grad Celsius nicht unterschreiten. Ist die Körperstelle ausreichend gekühlt worden, legt ein steriles Tuch über die Wunde bis der Rettungsdienst erscheint.

So paradox es auch klingen mag, aber eine größere Brandverletzung kann gerade bei kleinen Kindern schnell eine Unterkühlung zur Folge haben. Daher müsst ihr euer Kind unbedingt warm halten. Hüllt euren Schatz in eine leichte Decke und seht bei größeren Verletzungen davon ab, die Körperstellen zu lang und zu sehr zu kühlen. Das kann den Zustand eures Kindes verschlimmern.

Verzichtet gänzlich auf folgende Hilfsmittel:

  • Eis und Eisspray

  • Hausmittel, wie Honig, Mehl, Quark, Öle etc.

  • Salben und Puder

  • Desinfektionsmittel

Besonders das Kühlen mit Eis kann die Schmerzen verschlimmern und eine Unterkühlung unterstützen. Die Hausmittel können eine Infektion begünstigen. Sollten Brandblasen entstanden sein, öffnet diese auf keinen Fall. Das erhöht ebenso die Infektionsgefahr. Einzig und allein Wasser sollte zum Kühlen verwendet werden.

3.) Notruf wählen

Säuglinge und Kleinkinder müssen bei Brandverletzungen oder Verbrühungen im Krankenhaus vorgestellt werden. Seid sicher, dass es sich lediglich um eine kleine Wunde handelt, könnt ihr diese auch selbst behandeln. Bevor ihr jedoch Brandsalben auftragt, müsst ihr dies vorab mit dem Kinderarzt absprechen. Sollte es sich aber um eine größere und stärkere Verletzung der Haut handeln, ruft umgehend nach den ersten zwei Maßnahmen den Notdienst an. Fahrt nicht selbst zum Krankenhaus, da das Kind eventuell in eine Klinik gebracht werden muss, die auf Brandverletzungen spezialisiert ist.

In unserem Ratgeberbeitrag „Erste Hilfe bei Kindern“ erhalte ihr viele weitere hilfreiche Tipps, welche Sofortmaßnahmen im Falle einer Verletzung des Kindes angewandt werden sollten:

Verbrennung beim Kind: Dem Unglück vorbeugen

Haltet euch stets an die folgenden Vorsichtsmaßnahmen, um eurem kleinen Schatz eine Verbrennung oder Verbrühung zu ersparen:

  • Bewahrt Feuerzeuge und Streichhölzer nicht in der Reichweite vom Kind auf.

  • Schaltet Elektrogeräte beim Verlassen des Hauses ganz aus (nicht auf Stand-by).

  • Lasst Kabel von Wasserkocher, Bügeleisen etc. nicht in Reichweit eures Kindes.

  • Stellt Gefäße mit heißem Inhalt in die Mitte des Tisches und verwendet keine herunterhängenden Tischdecken.

  • Testet vor dem Füttern stets die Temperatur der Nahrung und probiert sie selbst.

  • Verzehrt selbst keine heißen Getränke und Speisen, wenn euer Kind auf eurem Schoß sitzt.

  • Kocht idealerweise stets auf den hinteren Herdplatten und bringt ein Herdschutzgitter an.

  • Gebt nie zuerst heißes Wasser in die Badewanne und kontrolliert vor jedem Baden eures Schatzes die Temperatur.

Wie ihr euer Zuhause kindersicher gestaltet, erfahrt ihr in diesem Ratgeberbeitrag:

Weitere Informationen zum Thema Verbrennungen bei Kindern findet ihr bei „Paulinchen- Initiative für brandverletzte Kinder e.V.“ auf www.paulinchen.de. Insbesondere für betroffene Kinder und Eltern ist dies eine hilfreiche Anlaufstelle.

Wir wünschen euch und eurem Kind alles Gute und eine unfallfreie Kindheit!

Euer Team von babymarkt.de

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