Baby Jogger City Select Lux Slate mit vorwärtsgerichteter Sitzbank, Zweitsitz, einkaufskorb und Flaschenhalter vor See

Baby Jogger City Select Lux Slate Komplettset – Testbericht von Meike

Wir haben uns für den Test des Baby Jogger City Select beworben, da wir seit kurzem Bereitschaftspflegefamilie für Kinder unter 3 Jahren sind und unsere eigenen Kinder auch erst 2 und 4-Jahre alt sind.

Wir sind also darauf angewiesen, möglichst flexibel zu sein und brauchen einen Kinderwagen, der sowohl Säuglinge, als auch Kleinkinder und hin und wieder auch mal einen müden Vierjährigen transportieren kann. Mit dem City Select sind wir hier auf jeden Fall fündig geworden.

Geliefert wird der Wagen in wenigen Einzelteilen, so dass er leicht in wenigen Minuten zusammenzubauen ist. Räder dran, Aufklappen, Fertig. Einzig die Handbremse sollte man prüfen und gegebenenfalls ordentlich einstellen.

Die Baby Jogger City Select Lux Sitzbank:

Die Sitzbank besteht aus der Sitzbank selbst und einer Fußablage. Ich finde sie ideal für Kinder ab ca. 2 Jahren und auch älteren Kindern bis ca. 20kg bietet sie ausreichend Platz. Im Vergleich zu einem Buggyboard stört sie nicht beim Schieben und lässt sicher super schnell an- oder abbauen. Auch an Bordsteinkanten oder auf Schotter- und Waldwegen ist das Brett gegenüber einem Nachzieh-Buggyboard klar im Vorteil. Unser Vierjähriger nimmt die Bank nach einem langen Kindergartentag gerne hin und wieder in Anspruch und findet sie mit seinen 1.10m und ca. 18kg sehr gemütlich. Kleinere Kinder kann man mit einem einfachen Dreipunktgurt an der Hüfte sichern.  Für uns ist die Bank eine tolle Ergänzung und deutlich bequemer als ein Buggyboard. Die Einkaufstasche und auch der Kleinkindersitz lassen sich übrigens auch bei angebauter Sitzbank in die oberere Halterung stecken – natürlich kann dann niemand auf der Bank sitzen, aber man spart sich so den unnötigen Umbau. Für mich perfekt, da ich den Kleinen in die Sitzschale in der oberen Halterung setzen kann und so die Fahreigenschaften eines Einzelkinderwagens genieße und einfach in die vordere Halterung umsetze, wenn der Große müde wird und sich auf der Sitzbank ausruhen möchte.

Die Kleinkindersitze:

Am besten an den Sitzen gefällt uns das erstaunlich geringe Packmaß. Mit einem einzigen Handgriff lassen sie sich zusammenfalten, sodass sie beim Transport oder bei Nichtgebrauch kaum Platz wegnehmen. Auch der einfache Anbau und die Möglichkeit, die Sitze sowohl in als auch gegen die Fahrtrichtung anzubringen sind klasse. Die Kinder werden mit einem gut gepolsterten Fünfpunktgurt gesichert. Hier finde ich allerdings das Einstellen der Höhe der Schultergurte extrem nervig. Ein Glück muss man das nicht allzu oft machen. Eine Liegeposition ist möglich, allerdings wird die Liegefläche nicht komplett gerade. Ich finde die Sitzschalen für Kinder ab Sitzalter (ca. 6-8 Monate) bis etwa 2,5 Jahre super. Danach ist der Platz, auch im Vergleich zu unserem Emmaljunga City Cerox 360 doch deutlich begrenzter. Unser knapp 3-Jähriger  (95cm, 14 kg) passt noch rein und findet es selbst zum Schlafen noch bequem. Noch größere Kinder sind auf der Sitzbank aber sicher besser aufgehoben, nicht zuletzt, weil die Gewichtsgrenze für die Sitzschalen bei 15kg liegt.  An der Rückseite der Sitze ist eine kleine Netztasche in der man Kleinigkeiten wie Feuchttücher, Windeln oder Schnuller, gut verstauen kann. Im Sonnenverdeck ist eine mit Magneten verschließbare Lüftungsöffnung eingearbeitet, sodass man auch dann einen guten Blick aufs Kind hat, wenn man den Sitz in Fahrtrichtung montiert.

Der Stoff der Schalen macht sowohl optisch als auch haptisch einen guten Eindruck und überzeugt uns mit seiner Robustheit. Kleinere Flecken konnten wir aus dem jeansähnlichen Stoff bisher immer direkt wegwischen und auch der ein oder andere, kräftige Regenschauer ging daran spurlos vorüber. Abziehen und Waschen war bisher nicht nötig.

Die Babywanne:

Die Wannen sind aus dem gleichen Textil wie die Sitzschalen und machen insgesamt ebenfalls einen sehr ordentlichen Eindruck. Das Zusammenbauen ist etwas knifflig, da man den Stoff kräftig über den Metallrahmen ziehen und fest knöpfen muss. Da man das ja aber nur einmal macht, tut es dem täglichen Handling keinen Abbruch. Die Wannen sind leicht und, wie eigentlich alle Anbauteile, sehr leicht am Wagen zu befestigen. Durch das geringe Gewicht und die einfache Entnahme vom Kinderwagen lassen sich die Tragewannen auch mal ein paar Stockwerke hoch tragen, ohne dass das schlafende Baby geweckt wird. Zwei Trageriemen erleichtern das Handling. Toll ist, dass die Wannen an der Unterseite kleine Füßchen haben, so dass man die Teile auch mal kurz irgendwo abstellen kann, ohne dass sie dreckig werden. Die Liegefläche ist mit 70×30 cm etwas kleiner als die Babywanne unseres bisherigen Kinderwagens (Emmaljunga). Leider entspricht die Matratze auch nicht wirklich den gängigen Maßen. Die mitgelieferte Matratze ist aber absolut in Ordnung und hat einen abnehmbaren und waschbaren Bezug.

Die Einkaufstasche und die Getränkehalterung:

Für mich ein echter Hit: Die Einkaufstasche. Das kennt sicher jeder: Man hängt eine schwere Wickel- oder Einkaufstasche an den Schiebegriff des Kinderwagens und kaum steigt das Kind aus und erkundet die Welt, beginnt der ganze Kinderwagen zu kippen. Mit der perfekt in die Halterung passenden Einkaufstasche ist das endlich kein Problem mehr. Nichts wackelt, nichts kippt und man hat perfekten Zugriff auf alle wichtigen Dinge. Die integrierte Reißverschlusstasche ist ideal für Geldbeutel und Schlüssel und mit dem Schultergurt lässt sich die Tasche mit einer Hand aus der Halterung nehmen und einfach umhängen. Natürlich geht das nur, wenn nur ein Kind mitfährt – da bei der Nutzung als Geschwisterwagen beide Aufnahmen durch die Sitze bzw. Babywannen blockiert sind. Aber dann lässt sich die Tasche immer noch problemlos über den Schiebegriff hängen. Hier rutscht sich nicht und hält wirklich super, da der Schiebegriff mit Gummi überzogen ist. Einziger Nachteil: Die Druckknöpfe der wunderbar geräumigen Tasche sind, zumindest bei meinem Exemplar, schon nach einer Woche ausgerissen.

Ein weiteres, praktisches Zubehörteil ist die Halterung für Getränkeflaschen. Ich bin ein notorischer „Zu-Wenig-Trinker“ und eine Wasserflasche in meinem Blickfeld sorgt dafür, dass ich ausreichend Flüssigkeit zu mir nehme. Die kinderleicht einzuhängende Halterung beherbergt sowohl Babyflaschen als auch unsere Edelstahltrinkflaschen perfekt und passt sich dank des integrierten Gummis ideal an nahezu jede Flaschengröße an.

Baby Jogger City Select Lux im Alltagstest:

Wir haben den Wagen besonders viel in den Kombinationen Sitzbank und Kleinkindersitz und Kleinkindersitz und Einkaufstasche genutzt. Beides war für uns wirklich klasse und die Vielseitigkeit hat uns absolut begeistert. Erstaunt hat uns vor allem, wie schnell und einfach alle umzubauen war, so dass man den Wagen mit wenigen Handgriffen an die aktuellen Anforderungen anpassen konnte. Geschoben wurde der Wagen von mir (1,70m) und meinem Mann (1,85m)  – die verstellbare Schiebestange ließ sich für uns beide bequem einstellen und auch größere Personen können den Wagen gut schieben, ohne sich verbiegen zu müssen. Unser Großer bemängelt allerdings, dass sich die Stange nicht, wie bei unserem bisherigen Wagen, auf seine Größe herunterklappen lässt. Wenn er nicht gerade müde auf dem Sitzbrett sitzt, schiebt er ebenfalls gerne. 😉

Die Fahreigenschaften:

Auf asphaltierten, ebenen Flächen ist das Schieben auch an der Belastungsgrenze (15kg im Kleinkindersitz, 20kg auf der Sitzbank plus Zuladung im unteren Korb) kein Problem. Der Wagen lässt sich gut lenken und auch kleinere Unebenheiten nimmt er leicht. In Einkaufzentren ist man wendig, passt mit dem Wagen auch durch schmale Gänge und kommt auch in kleinere Aufzüge rein. Ideal ist, dass er selbst als Geschwisterwagen, auch durch normale Haus- und Wohnungstüren passt und man ein schlafendes Kind einfach mit hinein nehmen kann. Bergab ist die Handbremse übrigens eine gute Hilfe. Bergauf, auf Kopfsteinpflaster oder unebenen Waldwegen merkt man das Gewicht und den weit vorne liegenden Schwerpunkt bei der Nutzung als Geschwisterwagen natürlich schon. Auch bei höheren Bordsteinkanten oder abschüssigen Wegen muss man mehr Kraft aufbringen um den Wagen in der Spur zu halten. Durch die ausreichend großen Räder und die feststellbaren Schwenkräder kommt man aber dennoch gut vorwärts. Bei der Nutzung als Einzelkinderwagen sind die Fahreigenschaften natürlich nochmal deutlich besser, da hier der Schwerpunkt absolut ideal, knapp hinter den beiden Hinterrädern liegt. Insgesamt kann man sagen, dass es für die Fahreigenschaften sinnvoll ist, das schwerere Kind immer in der oberen Halterung zu haben, während das leichtere Kind vorne transportiert wird. Wie jeder Kinderwagen ist auch der City Select Lux ein Kompromiss zwischen Wendigkeit, Packmaß und Gewicht und Geländegängigkeit. Wer wirklich viel auf Feld- und Waldwegen unterwegs ist, der ist mit einem Kinderwagen mit großen Luftreifen sicher besser bedient und dafür in der Stadt eben weniger wendig. Für einen Geschwisterwagen ist der Baby Jogger City Select für uns ein wirklich gelungener Kompromiss, der seinen Schwerpunkt in der Vielseitigkeit und der unschlagbaren Kompaktheit hat.

Das Zusammenklappen:

Der Klappmechanismus ist wunderbar einfach und das Packmaß erstaunlich klein. Wir waren mit zwei Kindern zwei Erwachsenen, Hund, Kinderwagen und Gepäck eine Woche im Urlaub und alles hat problemlos in einen Peugeot 207 gepasst. Einzig die Räder mussten wir abnehmen. Hat man sonst kein Gepäck dabei, passt der Wagen aber auch mit Rädern in den Kofferraum des eher kleinen Peugeots.

In unseren Kombi passt der Wagen natürlich ebenfalls mit angebauten Rädern. Die Sitze für Kleinkinder lassen sich mit einem einzigen Handgriff komplett zusammenfalten und nehmen so kaum Platz weg. Die Sitzbank für größere Kinder ist ebenfalls sehr kompakt und leicht abzunehmen, sodass auch hier nur wenig Raum in Anspruch genommen wird. Einzig die Babywannen lassen sich nicht ohne weiteres Zusammenfalten, sodass diese eher in voller Größe transportiert werden müssen. Allerdings haben wir in der Babywanne unseres früheren Wagens immer einen Teil unseres Gepäcks transportiert, sodass der Raum auch hier gut genutzt werden konnte.

Insgesamt ist der City Selct Lux nicht größer als ein normaler Einzelwagen und selbst das Zubehör nimmt kaum mehr Platz weg. Im Vergleich zu vielen anderen Geschwisterwagen ist er unschlagbar kompakt und auch für Familien mit kleineren Fahrzeugen und wenig Lagerfläche gut geeignet.

Fazit

Wir finden den City Select wirklich klasse und sind von den vielen Variationsmöglichkeiten sehr beeindruckt. Wenn man zwei Kinder in einem relativ kurzen Abstand plant (2-3 Jahre), dann lohnt sich die Anschaffung doppelt. Zuerst als wunderbarer Einzelkinderwagen nutzbar, wird er später, durch den Zukauf der Anbauteile, zu einem vollwertigen Geschwisterwagen, der selbst einem größeren Kind noch einen bequemen Platz für lange Strecken oder kurze Ruhepausen bietet. Sollte man doch kein zweites Kind bekommen oder der Abstand wird größer als geplant, bleibt es eben ein Einzelkinderwagen und man spart sich den Kauf des Zubehörs.

Aber auch für Eltern die Zwillinge erwarten und einen kompakten Wagen suchen, ist der City Select toll. Man kann flexibel entscheiden, ob beide Kinder im Wagen liegen/ sitzen sollen oder ob man nur ein Kind schiebt und das andere tragen möchte. Und ist nicht gezwungen, einen halb leeren aber dafür riesigen Geschwisterwagen zu schieben.

Besonders perfekt finde ich den Wagen übrigens für Tages- oder (Bereitschafts-)Pflegeeltern. Hier bietet er alle Möglichkeiten und ist so schnell umzubauen, dass er jeder Situation gerecht werden kann. Montags zwei Zweijährige, Dienstag ein Krabbelkind und ein Dreijähriger, mittwochs ein Zweijähriger und ein Säugling…Alles ist möglich und die einzelnen Komponenten nehmen wirklich wenig Platz weg und lassen sich so ideal zur Seite stellen.

Durch und durch ein Kinderwagen mit wenig Kompromissen.

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