Lotusgeburt

Nadja
Nadja08.05.2020Lesezeit ca. 5 Minuten
Säugling liegt auf der Mutter nach Geburt

Viele Menschen denken bei dem Wort Lotusgeburt an eine bestimmte Gebärposition. Die Lotusgeburt ist aber eine ganz spezielle Art der Nachgeburtsperiode. Die Nabelschnur, die das Kind mit der Placenta, dem Mutterkuchen, verbindet, wird nicht durchtrennt. Die Kinder bleiben mit der Placenta verbunden, bis die Natur sie trennt.

Was genau ist die Lotusgeburt?

Clare Lotus Bay hat diese besondere Nachgeburtsart in den 70er Jahren als erste in der westlichen Kultur durchgeführt. Die Lotusgeburt wird in vielen Naturvölkern praktiziert, da man davon ausgeht, dass die Seele des Kindes in der Placenta sitzt und man diese nicht durchtrennen darf.

Bei einer Lotusgeburt wird die Nabelschnur nicht durchgeschnitten, sondern verbleibt drei bis zehn Tage als Verbindung zwischen Kind und Mutterkuchen. Nach der Geburt wird die Placenta abgewaschen und in saubere und atmungsaktive Tücher eingeschlagen. Besonders in den ersten 30 Minuten muss man darauf achten, dass die Placenta höher liegt als das Kind. So kann man den Blutfluss zum Kind unterstützen. Spätestens 24 Stunden nach der Geburt wird die Placenta mit Salz, ätherischen Ölen und Kräutern von beiden Seiten eingerieben und wieder sauber eingepackt. Dies soll eine schnellere Trocknung hervorrufen und eine Fäulnis verhindern. Durch die Öle wird auch die Geruchsbildung verhindert.

Vorteile der Lotusgeburt

Die Befürworter nennen viele Vorteile, diese sind aber alle nicht wissenschaftlich belegt!

Wie schon geschrieben, gibt es für diese Auflistung keinerlei Belege.

Die medizinischen Studien zeigen, dass ein spätes Abnabeln durchaus Vorteile für das Kind hat, da es wie eine physiologische Bluttransfusion wirkt. Die Empfehlung lautet daher, die Nabelschnur erst zu durchtrennen, wenn diese auspulsiert ist. Da nach der Auspulsation keinerlei Blutaustauch zwischen Kind und Placenta mehr stattfindet, zweifeln die Mediziner die Lotusgeburt an.

Placenta hängt am Baby

Mögliche Nachteile der Lotusgeburt

Erhöhte Infektionsgefahr
Die Placenta kann, bei falscher Aufbewahrung, anfangen zu faulen. Daher wird diese Form der Nachgeburtsphase nicht unterstützt. Eine Lotusgeburt ist nur zu Hause oder im Geburtshaus möglich.
Man trägt die Placenta immer mit dem Kind herum
Hier gibt es spezielle Placentataschen oder auch Beutel. Wichtig ist aber, dass man niemals an der Nabelschnur ziehen darf. Besonders beim Wickeln, Tragen und Stillen müssen die Eltern vorsichtig sein.
Stammzellentnahme
Durch die Placenta kann keine Stammzellentnahme durchgeführt werden.

Lotusgeburt: was beachtet werden sollte

Die ersten Minuten nach der Geburt sind entscheidend. Hier sollte man schon im Geburtsplanungsgespräch mit der Klinik besprechen, dass man die Nabelschnur gerne auspulsieren lassen möchte.

Wünscht man sich eine Lotusgeburt, geht dies nur bei einer Hausgeburt oder im Geburtshaus. Hier müsst ihr Kontakt mit der Hebamme aufnehmen und den Wunsch äußern. Wichtig ist der Umgang mit der Placenta, da diese anfangen kann zu faulen. In den ersten Tagen benötigt man Anziehsachen für das Kind, in denen die Nabelschnur frei liegt.

Wir wünschen euch alles Gute für die Geburt!

Eure Hebamme, Nadja