Trauriges Paar sitzt auf der Couch.

Sternenkinder – Wenn die Vorfreude zur Trauer wird

Nicht immer können werdende Mütter nach der Geburt ihr gesundes Kind in den Armen halten. Die Mütter, ihre Partner und ihre Familienangehörigen müssen dann mit diesem harten Schicksalsschlag umgehen. Doch was sind eigentlich Sternenkinder? Und wie kann man den Tod des so sehnlich erwarteten Nachwuchses überhaupt verarbeiten?

Was sind Sternenkinder?

Unter Sternenkindern versteht man Kinder, die während der Schwangerschaft, bei der Geburt oder kurz danach versterben. Anders als die sachlichen Begriffe Totgeburt oder Fehlgeburt, die die harte Tatsache beschreiben, gibt „Sternenkinder“ den kleinen Verstorbenen einen Namen. Sie haben den Himmel erreicht, noch bevor sie richtig das Licht der Welt erblicken durften. Deshalb nennen wir sie kleine Sterne oder Sternenkinder.

  • Bis vor kurzem bezeichnete man nur Kinder als Sternenkinder, die mit einem Gewicht von weniger als 500 Gramm während oder kurz nach der Geburt verstarben.

Trauerbewältigung: Wie gehe ich mit dem Tod meines Babys um?

Es ist egal, wann ein Kind stirbt: Der Schmerz ist immer unfassbar tief. Ihr habt euer Baby bereits im Bauch gespürt, jedes Gefühl einer werdenden Mutter miterlebt, und doch könnt ihr nach der Geburt euer Kind nicht mit nach Hause nehmen – stattdessen müsst ihr Abschied nehmen. Doch wie nehme ich Abschied und behalte meinen kleinen Schatz in Erinnerung? Und wie kann ich mit dieser unendlichen Trauer umgehen?

Engel mit einer Kerze und eine Blume

Von einem Sternchen Abschied nehmen

Viele Eltern haben Angst davor, ihr Sternenkind zu vergessen und suchen daher nach Erinnerungsstücken. Diese Andenken können euch bei der Trauerbewältigung helfen:

  • An Fotos denken

    Fotos sind für viele wichtig, doch nicht jeder Elternteil erträgt es, sein verstorbenes Kind zu sehen. Dennoch bedenkt: Eure Entscheidung gegen Fotos ist unwiderruflich! Viele Klinken sind bereit, Fotos für euch von euren kleinen Schätzen zu machen. Diese könnt ihr euch auch erst viel später anschauen, wenn ihr dazu bereit seid. Es gibt zudem viele Fotografen, die sich darauf spezialisiert haben Sternenkinder zu fotografieren. Die Organisation „Dein Sternenkind“ beispielsweise besteht aus über 400 ehrenamtlichen Fotografen, die Eltern das besondere Andenken an ihre Kinder schenken.

  • Einen Ort zum Trauern schaffen

    Auch das Grab eures Kindes kann euch Trost spenden. Ihr habt einen Ort, zu dem ihr kommen könnt, um zu trauern und an euer Baby zu denken. Wenn ihr keine Beerdigung möchtet, kann auch ein Lieblingsplatz Zuhause ein wertvoller Trauerort sein.

  • Sternenkinderhimmel

    Auf der Webseite Sternenkinderhimmel könnt ihr euer Sternenkind mit Namen, Geburtsdatum, einem Foto und persönlichem Abschiedsgruß in einem virtuellen Sternenhimmel eintragen.

  • Ein Erinnerungsstück schaffen

    Egal, ob ein Tuch, ein Stofftier oder ein Kleidungsstück, viele Eltern behalten eine kleine Erinnerung, die sie dem Baby gekauft haben. Auch zweiteilige Stücke, wie beispielsweise ein Paar Söckchen, eignen sich gut. Ein Söckchen könnt ihr eurem Sternenkind mit in den Sarg legen und den anderen behalten. Ihr seid so mit eurem Sternchen über dieses Erinnerungsstück fest verbunden.

  • Fuß- und Handabdruck machen

    Fuß- und Handabdrücke können beispielsweise mit einem Stempelkissen gemacht werden. Ihr könnt eure Hebamme bitten diese zu machen, wenn es euch emotional zu viel ist, dies selbst zu tun.

Den Tod eines Sternenkindes verarbeiten

Jeder hat das Recht zu trauern, aber nicht jeder Mensch geht mit der Trauer gleich um. Wir zeigen euch Trauerbewältigungsmöglichkeiten auf, die euch Trost spenden können. Wichtig ist, dass ihr eure ganz eigene Strategie zur Trauerbewältigung findet.

  • Über eure Trauer sprechen

    Dies ist wohl eine der wichtigsten Trauerbewältigungsmöglichkeiten, dennoch ist sie für Betroffene nicht immer leicht. Euer Partner kann ein wichtiger Ansprechpartner sein, da er ebenfalls trauert. Außerdem hilft es vielen, auch mit Familienangehörigen oder Freunden zu sprechen. Nehmt euch dafür die Zeit, die ihr braucht.

  • Austausch mit anderen Betroffen

    Manche fühlen sich von Freunden oder Familienangehörigen unverstanden. Für Nichtbetroffene ist es häufig schwierig, emotional komplett nachzuvollziehen, was ihr zurzeit durchmacht. Daher könnt ihr auch andere Betroffene suchen, mit denen ihr euch austauschen könnt. Im Internet findet ihr zahlreiche Plattformen und Selbsthilfegruppen, die auf dieses Thema spezialisiert sind.

Wenn ihr auch nach längerer Zeit keinen für euch geeigneten Weg zur Trauerbewältigung gefunden habt, solltet ihr unbedingt professionelle Hilfe in Anspruch nehmen. Natürlich braucht Trauer Zeit, dennoch sollte sie irgendwann erträglicher werden. Aus ihr können sich schwere Depressionen entwickeln, daher solltet ihr euren Schmerz nicht auf die leichte Schulter nehmen. Sich professionelle Hilfe zu holen, ist niemals ein Zeichen von Schwäche!

Baby hält die Finger des Vaters zum ersten Mal.

Sternenkinder standesamtlich erfassen

Vor der Gesetzesänderung war es für euch als betroffene Eltern unmöglich, eure Kinder standesamtlich erfassen zu lassen, da diese als Fehlgeburt oder Totgeburt galten. Aus diesem Grund war auch eine Beerdigung nicht möglich. Im Mai 2012 beschloss die Bundesregierung aber, dass sich Eltern von Sternenkindern beim Standesamt eine Bescheinigung für das Familienstammbuch ausstellen lassen können. Mit diesem Dokument könnt ihr euer Sternenkind offiziell beerdigen lassen.  Die Entscheidung, ob ihr das möchtet, liegt ganz bei euch. Ihr könnt euch auch dagegen entscheiden. Wenn euer Kind bereits vor 2012 verstorben ist, könnt ihr es auch rückwirkend beim Standesamt anmelden.

Wie sage ich es den Geschwistern?

Wenn ihr euer Kind verloren habt, werden manchmal die Trauer und die Belastung der Geschwisterkinder vergessen. Schließlich müsst ihr den Verlust eures kleinen Schatzes selbst verarbeiten. Daher kann es passieren, dass die Geschwister selbst mit ihrer Trauer zurückbleiben. Oftmals können sie den Tod einfach nicht verstehen. Bedenkt auch, dass Kinder ihre Trauer anders zeigen als Erwachsene.

Wenn eure anderen Kinder noch sehr klein sind, verstehen sie nicht, was mit ihrem Geschwisterchen passiert ist. Dennoch merken sie an eurem Verhalten, dass etwas nicht stimmt. Wichtig ist, ihnen so gut es geht die vorherigen alltäglichen Strukturen zu bieten und euer Verhalten ihnen gegenüber des Kindes nicht zu ändern (unabhängig vom Alter).

Wie ihr eure Kinder in ihrer Trauer unterstützen könnt:

  • Tod erklären

    Es ist wichtig, dass ihr mit euren Kindern über eure Gefühle und den Tod sprecht. Aus psychologischer Sicht sind die Abendstunden, wenn die Kleinen so langsam ins Bett gehen, ein guter Zeitpunkt für ein Gespräch. Stellt ihnen immer offene Fragen, auf die sie ohne „Ja“ und „Nein“ antworten können. Denn manchmal ist es schwierig für sie, wirklich mit der Sprache rauszurücken.

  • Trauer zulassen und vorleben

    Eure eigene Trauer komplett zu unterdrücken, um für euer Kind stark zu sein, ist langfristig für alle Beteiligten schwierig. Eure Kinder könnten denken, der Tod ihres Geschwisterchen sei ein Tabuthema und das Trauern sollte nicht zugelassen werden. Ihr seid Vorbilder für eure Kinder.

  • Professionelle Hilfe in Anspruch nehmen

    Wenn ihr nicht wisst, wie ihr mit euren Kindern über den Tod des Sternenkindes sprechen sollt bzw. es nicht könnt, empfehlen wir euch professionelle Hilfe zu suchen. Auch wenn ihr merkt, dass eure Kinder mit der Situation emotional überfordert sind, können Psychologen ihnen helfen.

Wir schicken euch viel Kraft in dieser schweren Zeit!

Euer Team von babymarkt.de

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