Gefrorene Eizelle

Eingefrorene Eizellen – Der Kinderwunsch auf Eis gelegt

Frauen, die Karriere machen möchten, noch auf der Suche nach der Liebe des Lebens sind oder einfach noch keine Kinder haben möchten, haben dank neuster Technik die Möglichkeit, ihre Eizellen einfrieren zu lassen. Schnell werden an dieser Stelle aber kritische Stimmen laut, die die betroffenen Frauen für ihr Verhalten verurteilen und abmahnen, es gebe keine ethische Rechtfertigung. In diesem Beitrag lest ihr die Pro- und Contra-Argumente der Einfrierung der Eizellen und weitere nützliche Informationen.

Eizellen einfrieren

Das Einfrieren der Eizellen wird auch Kryokonservierung genannt; im englischen kursieren die Begriffe „Egg Freezing“ oder „Egg Banking“  als Synonyme. Das Verfahren ist immer das gleiche: Der Gynäkologe oder ein anderer vergleichbarer Arzt wird Ihnen Eizellen entnehmen und direkt schockfrosten. Dabei werden die Zellen in flüssigem Stickstoff auf eine Temperatur von -196 Grad herunter gekühlt. Der Vorgang des Schockfrostens wird als Vitrifikation bezeichnet und muss innerhalb weniger Sekunden geschehen. Anders als bei Spermien oder bereits befruchteten Eizellen, ist eine unbefruchtete Eizelle sehr instabil und kann durch eine langsam voranschreitende Kühlung beschädigt werden.

Allseits bereit

Sobald eine Schwangerschaft gewünscht wird, müssen die Eizellen aufgetaut, mit den Spermien des Partners befruchtet und in die Gebärmutter der Frau wieder eingesetzt werden.

Sozial einfrieren?

Im Englischen gibt es den Ausdruck „social freezing“. Hierbei handelt es sich um das Einfrieren von Eizellen aus nicht-medizinisch notwendigen Gründen. Falls die Frau also zum Beispiel eine steile Karriere einschlagen möchte oder sich einfach noch Zeit mit dem Kinderkriegen lassen möchte, würde eine anschließende Kryokonservierung unter das social freezing fallen. In den USA ist diese Methode schon lange bekannt und gebräuchlich. In Deutschland hingegen werden erst langsam Frauen darauf aufmerksam, dass ein Aufschub der Familiengründung somit möglich wäre.

Medizinische Notwendigkeit

Für Frauen, denen eine Chemo-Therapie bevorsteht, kann die Kryokonservierung ein rettender Schritt sein. Die zerstörerischen Strahlungen der Therapie greifen die Eierstöcke und Eizellen nachhaltig an und können eine dauerhafte Unfruchtbarkeit erzeugen. Werden die Eizellen eingefroren und vor der Strahlung geschützt, können sie zu einem späteren Zeitpunkt, wenn es der Frau besser geht, aufgetaut werden.

Eizelle einfrieren kostet!

Eizellen einfrieren

Gerade im Rahmen des social freezing übernehmen die gesetzlichen Krankenkassen einen Eingriff nicht. Auch aus medizinischen Gründen werden unter Umständen nur ein Teil der Kosten von den Kassen getragen. Andernfalls belaufen sich die Kosten des Eizellen-Einfrierens auf etwa 3000 Euro, die sich in die Ausgaben für eine vorherige Behandlung, die Entnahme der Eizellen und den Einfrier-Vorgang aufteilen, jedoch auch stark schwanken können. Darüber hinaus kommen ungefähr weitere 300 Euro auf euch zu, um die Eizellen eingefroren zu lagern. Für eine anschließende Befruchtung erheben die Ärzte eine weitere Gebühr. Lest hierzu mehr in unserem Beitrag zur künstlichen Befruchtung.

  • Eine Beratung in einem Kinderwunschzentrum wird von den Krankenkassen übernommen. Es schadet also nicht, einen Termin zu vereinbaren, um sich aus professioneller Hand über die Vor- und Nachteile zu erkundigen, die sich im individuellen Fall ergeben können.

Befruchtet vs. unbefruchtet

Bereits seit den 80er Jahren ist es möglich, Eizellen einfrieren zu lassen. Damals funktionierte die Prozedur aber nur bei befruchteten Eizellen. Eizellen enthalten sehr viel Wasser, sodass eine unbefruchtete Eizelle sehr instabil ist und durch veraltete Techniken bei der Einfrierung beschädigt wurde. Mittlerweile haben Forscher aber mit dem Schockfrosten ein Verfahren gefunden, das die Zelle erhält und eine spätere Befruchtung für etwa 80% der Eizellen ermöglicht.

Wie lange Eizellen einfrieren?

Sobald sich eine Eizelle im schockgefrosteten Zustand befindet, kann sie hier prinzipiell auf ewig verweilen. Einzelne Landesregierungen schreiben vor, die Eizellen nach spätestens 25 Jahren zu entnehmen, eine rechtliche Regelung dazu gibt es aber nicht.

  • In dem Reproduktionsgesetz wird rechtlich festgelegt, was mit Spermien und Eizellen geschehen soll. Hinsichtlich des social freezings gibt es noch keine juristisch-wirkende Einigung. Festgelegt ist jedoch, dass sich die Frau nur ihre eigenen Eizellen einsetzen darf. Darüber hinaus dürfen nur unbefruchtete Eizellen, oder Eizellen im so genannten Vorkernstadium zum Einfrieren verwendet werden. Nach diesem Stadium gilt die Eizelle bereits als Embryo.

Ab wann Eizellen einfrieren?

Einigen Medizinern zufolge ist mit 27 Jahren das beste Alter erreicht, um Eizellen einzufrieren. Zu dieser Zeit sei die Frau am fruchtbarsten und ihre Eizellen haben eine besonders hohe Qualität, sodass eine Schwangerschaft sehr wahrscheinlich ist. Je älter die Frau wird, desto stärker sinkt die Chance, dass eine Eizelle befruchtet werden kann.

Auf der anderen Seite sprechen sich Ärzte dafür aus, bis zu einem Alter von 35 Jahren zu warten. Mit 27 Jahren ist es sehr gut möglich, dass eine Frau auch ohne einen medizinischen Eingriff schwanger wird. Somit würde das Einfrieren der Eizelle überflüssig sein. Mitte 30 hingegen ist die Qualität der Eizellen immer noch gut genug, doch kann eine künstliche Befruchtung eine Schwangerschaft begünstigen.

Und bis wann?

Bis zu welchem Alter man Eizellen einfrieren lassen kann, hängt von der Qualität der Eizellen ab. Mit etwa 40 Jahren liegt die Wahrscheinlichkeit nur noch bei 5 Prozent, dass eine Schwangerschaft eintritt.

Apple, Facebook und Co.

Bei den großen Firmen aus den USA wie Apple, Facebook oder Google wurde es sogar schon eingeführt: Die Arbeitgeber zahlt das Einfrieren der Eizellen, um den Arbeitnehmerinnen einen Aufstieg auf der Karriereleiter zu ermöglichen.

  • Pro

  • Contra

Als Vorteil der Kryokonservierung sehen viele Frauen die Möglichkeit, ihren Kinderwunsch auf einen späteren Zeitpunkt zu verschieben. Wenn frau sich beispielsweise gerade in einer heiklen Phase innerhalb ihres Jobs befindet oder sich noch nicht bereit dazu fühlt, Mutter zu werden, können die Eizellen eingefroren werden. Es gilt als emanzipatorische Leistung, ähnlich wie die Pille, dass frau selber entscheiden kann, wann sie schwanger werden möchte.

Negativ ist, dass die Methode des Einfrierens der Eizellen noch nicht lange existiert und es dementsprechend auch erst wenige Forschungen in diesem Bereich gibt. Inwiefern also Risiken bei Mutter und Kind auftreten können, lässt sich pauschal kaum sagen. Darüber hinaus müsst ihr vollnarkotisiert werden, was wiederum ebenso mit Komplikationen verbunden sein kann. Da – um die Wahrscheinlichkeit einer Schwangerschaft zu erhöhen – mehrere Eizellen entnommen und anschließend befruchtet werden, kommt es häufig zu einer Mehrlingsschwangerschaft.

  • Wusstet ihr, dass die Anzahl der Eizellen bereits ab dem ersten Lebenstag vorgegeben ist und mit der Zeit immer weniger wird? Je länger eine Frau mit der Familiengründung wartet, desto schwieriger wird eine Realisierung daher.

Hormon-Explosion

Während des normalen Monatszyklus findet nur eine Eizelle ihren Weg in Richtung Gebärmutter. Eine Eizelle zu befruchten ist jedoch gar nicht so leicht und klappt auf Anhieb meist nicht. Daher reicht eine einzelne Eizelle meist nicht aus, sodass der Arzt weitere Hormone verabreicht, die die Produktion der Eizellen fördern soll. Wie jede Hormonkur kann dies zu Stimmungsschwankungen oder Gewichtszunahme führen, ebenso wie Übelkeit.

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