Glückliches Paar auf Sofa

Künstliche Befruchtung

Eine künstliche Befruchtung – oder auch assistierte Reproduktion – kommt für all jene Paare in Frage, die auf natürlichem Wege nicht in der Lage sind, ein Kind zu zeugen. Daher handelt es sich bei der künstlichen Befruchtung um einen medizinisch notwendigen Eingriff, um die Eizelle in der Gebärmutter der Frau zu befruchten. Rund jedes fünfte Paar kann trotz mehrerer Versuche keine Kinder bekommen, wobei die Gründe dafür ganz unterschiedlicher Natur sein können. Die meisten Paare, die sich dazu entscheiden, diesen Schritt zu gehen, sehen keine andere Möglichkeit mehr. Falls auch ihr euch Gedanken über eine künstliche Befruchtung macht, findet ihr hier die wichtigsten Antworten rund um diesen Eingriff.

Gründe für eine künstliche Befruchtung

Obwohl ihr euch so sehr ein Kind wünscht und mit eurem Partner glücklich seid, werdet ihr einfach nicht schwanger? Wichtig ist, dass ihr euch in einer solchen Situation nicht unter Druck setzt oder euch einredet, dass ihr allein schuld seid. Oft sind es körperliche Defizite, die eine Schwangerschaft verhindern. Beispielsweise kann es an der Qualität der Spermien des Mannes liegen. Wenn es nicht genug, sie träge oder unbeweglich sind, erreichen sie die Eizelle nicht. Auf der anderen Seite können auch in der Gebärmutter Probleme vorliegen. Wenn euer Arzt physische Ursachen ausschließen kann, solltet ihr euch die Frage stellen, ob ihr wirklich bereit für ein Kind seid, ihr häufig Stress habt oder vielleicht gar traumatische Ereignisse in eurer eigenen Kindheit noch nicht verarbeitet habt. Gleiches gilt selbstverständlich für euren Partner. Sprecht offen über den Kinderwunsch, aber auch über Ängste und Sorgen.

Ablauf der künstlichen Befruchtung

Die Insemination ist die häufigste Methode der künstlichen Befruchtung. Dabei wird die Eizelle der Frau mit dem Spermium des Mannes befruchtet. Eine Insemination ist für gewöhnlich schmerzfrei und findet auf dem gynäkologischen Untersuchungsstuhl statt. Wenn gewünscht, darf auch der Partner mit dabei sein. Es gibt verschiedene Eingriffe, die wir euch kurz erklären wollen.

  • In-Vitro-Fertilisation (IVF)

    Durch eine hormonelle Stimulation soll die Eizellen-Produktion angeregt werden, um die Chancen einer Befruchtung zu erhöhen. Anschließend saugt der Gynäkologe mit einem kleinen Schlauch durch die Scheide die Eizellen ab und sammelt sie in einer Glasschale mit Nährlösung. Die Samen kommen nun entweder durch die Masturbation des Mannes, oder sie werden – z.B. bei Impotenz oder einem verschlossenen Samenleiter – durch einen kleinen, operativen Eingriff direkt aus den Hoden entnommen. Alternativ auch von einem fremden Spender. In der Glasschale finden die Spermien nun zur Eizellen und befruchten diese. Anschließend werden bis zu drei befruchtete Eizellen (große Wahrscheinlichkeit einer Mehrlingsgeburt) wieder in die Gebärmutter eingesetzt. Durch zusätzliche Hormone soll die Einnistung gefördert werden.

  • Intrauterine Insemination (IUI)

    Wie der Name schon vermuten lässt, wird bei dieser Methode der Samen des Partners oder eines Spenders direkt in den Uterus, genauer in die Gebärmutter oder in die Eierstöcke der Frau eingespritzt. Dies geschieht mit Hilfe eines Katheters bzw. Schlauches. Da es vorkommen kann, dass die Spermien des Mannes nicht beweglich genug oder zu wenig sind, ist dies ein erfolgversprechendes Vorgehen. Auch hier wird durch weitere Hormonzugabe die IUI unterstützt.

  • Intracytoplasmatische Spermieninjektion (ICSI)

    Bei der künstlichen Befruchtung ICSI injiziert der Gynäkologe ein Spermium mittels einer kleinen Kanüle aus Glas direkt in das Zytoplasma einer Eizelle. Meist wird diese Methode gewählt, wenn die In-Vitro-Fertilisation erfolglos war, oder die Spermien von schlechter Qualität, also langsam oder im Ejakulat kaum vorhanden sind. ICSI weist mit die höchste Erfolgsrate auf, geht jedoch auch mit der Einnahme von Hormonen einher. Dank der neuentwickelten, morphologischen Spermienselektion können die Samenzellen bis zu 6000fach vergrößert und analysiert werden, sodass die besten ausgewählt werden können.

Kosten einer künstlichen Befruchtung

Leider übernehmen die gesetzlichen Krankenkassen seit dem Jahr 2004 nur noch die Hälfte der Kosten einer künstlichen Befruchtung mit höchstens drei Versuchen. Im Durchschnitt belaufen sich die Kosten einer In-vitro-Fertilisation (IVF) auf etwa 2000€, die Intracytoplasmatische Spermieninjektion (ICSI) ist mit ca. 3000€ nochmal teurer. Um jedoch einen Zuschuss zu erlangen, müsst ihr einige Voraussetzungen erfüllen.

  • Nur die Eizellen der Frau dürfen befruchtet werden.

  • Die Chance auf eine erfolgreiche Befruchtung muss groß sein.

  • Die Schwangerschaft blieb trotz regelmäßigem, ungeschütztem Geschlechtsverkehr über ein Jahr aus.

  • Ihr müsst mit eurem Partner verheiratet sein.

  • Die Frau muss mindestens 25 Jahre und höchstens 40 Jahre alt sein. Bei dem Mann liegen die Grenzen zwischen 25 und 50 Jahren.

  • Beide Partner müssen HIV negativ getestet sein und einen gültigen Schutz vor Röteln vorweisen können.

Bitte beachtet, dass je nach Krankenkasse die Leistungen variieren können. Es schadet nicht, wenn ihr euch bei eurer Krankenkasse erkundigt – in besonderen Fällen übernehmen die Träger der Krankenversicherungen mehr als die üblichen 50%. Des Weiteren unterstützt seit Beginn 2016 der Bund unverheiratete Paare finanziell. Sofern ihr privat versichert seid und ihr aus persönlichen Gründen nicht in der Lage seid, Kinder zu zeugen, übernimmt eure Krankenkasse die kompletten Kosten. Hingegen erkennen sowohl die gesetzlichen als auch privaten Krankenkassen eine heterologe Insemination (fremder Samenspender) nicht an, sodass ihr hier die Gebühren selber zahlen müsst.

Künstliche Befruchtung im Ausland

Das Embryonenschutzgesetz regelt in Deutschland die rechtliche Lage hinsichtlich der künstlichen Befruchtung. So müssen die Eltern verheiratet sein und auch lesbische Partner haben kaum die Aussicht, künstlich schwanger zu werden. Außerdem darf für die Befruchtung auch nur die Eizelle der Frau genutzt werden. Frauen, die jedoch keine funktionsfähigen Eizellen produzieren können, dürfen sich laut Gesetz keine fremde Eizelle einsetzen lassen. Ähnlich steht es um die Leihmutterschaft oder die Geschlechtsauswahl bei den einzusetzenden Spermien: sie sind in Deutschland verboten. Anders sieht die Lage im Ausland aus. Eine künstliche Befruchtung in der Schweiz, Schweden, im Vereinigten Königreich oder in den USA ist mit weitaus weniger Hürden verbunden. In Frankreich oder den Niederlande habt ihr die Möglichkeit einer anonymen Samenspende. In Österreich gilt dies auch für lesbische Paare. In der Schweiz übernehmen die schweizerischen Krankenkassen die künstliche Befruchtung – allerdings müssen hier die Samenzellen vom Ehepartner stammen. Die heterologe, also fremde Samenspende ist wie in Deutschland nicht erlaubt.

Ab wann können Sie mit einer Schwangerschaft rechnen?

Da der Arzt die Befruchtung in der Regel in der Mitte des Zyklus durchführt, bedarf es etwa zwei Wochen, bis ein Schwangerschaftstest ein entsprechendes Ergebnis anzeigt. Andernfalls merkt ihr einen Erfolg spätestens, wenn eure nächste Regelblutung ausbleibt. Seid nicht enttäuscht, wenn es beim ersten Mal nicht klappt. Fast 80% aller Frauen, die sich befruchten ließen, wurden erst nach einem Jahr schwanger. Falls es in diesem Zeitraum aber nicht funktionieren sollte und auch euer Arzt kaum mehr optimistisch ist, solltet ihr euch vom Gedanken einer künstlichen Befruchtung distanzieren. Dies heißt jedoch nicht, dass ihr nicht trotzdem ein Kind haben könnt. Eine Adoption kann den Kinderwunsch erfüllen.

Risiken bei der künstlichen Befruchtung

Wie bei jedem Eingriff sind auch hier einige Risiken denkbar. Gerade durch die hormonelle Stimulation kommt es bei etwa 20% aller behandelten Frauen zu Zwillings- oder gar Mehrlingsgeburten. Außerdem können die vielen Hormone zu Übelkeit oder Stimmungsschwankungen führen. Durch die Befruchtung von Spendersamen können sich zum einen Erbkrankheiten auf das Baby übertagen, als auch Infektionskrankheiten auf die Schwangere. Auch die psychische Belastung solltet ihr nicht unterschätzen. Schließlich kann die Befruchtung mitunter mehrere Monate dauern. In dieser Zeit strukturiert sich euer Alltag vor allem nach den Untersuchungen und Tests. Wenn ihr euch für eine anonyme, fremde Insemination  entscheidet, reagiert der Partner manches Mal eifersüchtig oder enttäuscht, wenn er selber nicht für die Befruchtung in Frage kommt. Wählt diesen Schritt also bestenfalls nur, wenn ihr euch in einer beständigen Partnerschaft befindet. Lest euch für weitere Tipps die Beiträge in unserem Ratgeber unter der Kategorie Kinderwunsch durch.

Das Team von Babymarkt.de wünscht euch und eurem Partner bei eurem Kinderwunsch nur das Beste!

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