Fetales Alkoholsyndrom

Jessica
Jessica15.01.2020Lesezeit ca. 11 Minuten
Schwangere mit Weinglas

Oft liest man, Alkohol in Maßen sei harmlos, aber in Wahrheit kann jeder Tropfen Alkohol während der Schwangerschaft das Leben eures kleinen Schatzes nachhaltig beeinflussen. Da nicht jedes Kind erkrankt, wenn die Mutter während der Schwangerschaft alkoholische Getränke zu sich nimmt, vertrauen viele darauf, dass es auch bei ihrem Kind keine Komplikationen und Entwicklungsstörungen auftreten werden.

Doch durch den Alkoholkonsum während der Schwangerschaft trinkt euer ungeborenes Kind jeden Tropfen, jedes Glas mit. Der damit aufgenommene Alkohol bahnt sich ungebremst seinen Weg durch die Plazenta in den jungen Körper eures ungeborenen Kindes und steigert das Risiko bleibender Störungen erheblich. Im schlimmsten Fall führt der Alkohol bei eurem Kind zu irreversiblen Schäden - wie dem fetalem Alkoholsyndrom (FAS), auch Alkoholembryopathie (AE) genannt.

Was versteht man unter FAS und FASD ?

Eine Fetale Alkoholspektrumstörung (FASD) ist eine der häufigsten, bereits bei der Geburt vorliegenden, geistigen und körperlichen Behinderungen in Deutschland. Als Hauptursache für eine Fetale Alkoholstörung gilt der mütterliche Alkoholkonsum während der Schwangerschaft. Unter dem Oberbegriff FASD werden sog. Teilstörungen (FASD) und das Vollbild der Erkrankung, das Fetale Alkoholsyndrom (FAS), zusammengefasst. In Deutschland betrifft Schätzungen zufolge eine alkoholbedingt Schädigung jährlich etwa 10000 Babys. Davon weisen ca. 2000 Kinder das Vollbild Fetale Alkoholsyndrom auf.

Je nach Schweregrad werden die Fetalen Alkoholspektrumstörungen (FASD) wird in vier Beschwerdebilder unterteilt:

Die Ursachen der FAS?

Die Ursache der Fetalen Alkoholspektrumstörung bzw. des Fetalen Alkoholsyndrom liegen in dem Alkoholkonsum der Mutter während der Schwangerschaft. Alkohol als toxisch wirkender Stoff durchdringt die Plazentaschranke, so dass der Embryo in kürzester Zeit den gleichen Alkoholpegel wie seine Mutter aufweist. Baut der Organismus der Mutter den Alkohol um ein Vielfaches schneller ab, sind die dafür notwendigen Enzyme bei dem Embryo schlicht noch nicht in ausreichender Menge vorhanden. Darum wirkt sich auch in Abhängigkeit vom Reifestadium des Ungeborenen und der Alkoholmenge der Konsum von Alkohol während der Schwangerschaft irreversibel schädigend auf die körperliche, geistige und soziale Entwicklung des Kindes aus.

Risikofaktoren, die FAS begünstigen

Vor allem bei hohem und chronischem Alkoholkonsum der Mutter während der Schwangerschaft besteht ein extrem großes Risiko für das Kind das Fetale Alkoholsyndrom zu bekommen. Dabei spielt es keine Rolle, ob die werdende Mutter über die gesamten neun Monate oder immer mal wieder sporadisch Alkohol trinkt. Selbst die geringsten Mengen an Alkohol können den Embryo schädigen.

Außerdem gibt es noch weitere Risikofaktoren, die ein FASD begünstigen:

Welche Symptome gehen mit FAS einher?

Die Ausprägungen der Symptome variieren stark und die von FASD betroffenen Personen sind vielfältig beeinträchtigt. Besonders die neuro-psychologischen Veränderungen führen häufig zu schwerwiegenden Einschränkungen des Alltagslebens.

Neben einer kindlichen Mangelentwicklung deuten auch körperliche Fehlbildungen wie z.B. Gesichtsanomalien, Organfehlbildungen und geistige Beeinträchtigungen auf eine FAS hin. Letztere können bis zu schwerer geistiger Behinderung reichen.

Zu den körperlichen Anomalien zählen:

Zu weiteren Anzeichen für ein Fetales Alkoholsyndrom gehören auch:

Schwangere lehnt Wein ab

Neben den aufgeführten körperlichen Anomalien, hat der Alkoholmissbrauch während der Schwangerschaft auch Auswirkungen auf die kognitiven Fähigkeiten eines Kindes.

Ein Fetales Alkoholsyndrom kann außerdem zu Hör- und Sehstörungen führen, wodurch es FAS betroffenen Kindern schwer fällt Informationen und äußere Reize richtig zu verarbeiten. Als Folge dessen kann es zum Beispiel zu einem sozialen Rückzug kommen, zu Angst vor neuen Situationen, Umtriebigkeit, leichte Beeinflussbarkeit und Ausbeutbarkeit.

Betroffene Kinder, die ein Fetales Alkoholsyndrom haben, neigen mitunter auch zu aggressivem Verhalten und weisen ein gestörtes Sozialverhalten (etwa mit Aufsässigkeit) auf. Solche Impulskontrollstörungen können auch im fortgeschrittenen Alter auftreten. Genauso kann FAS/FASD im höheren Alter aber auch zu Depressionen und Angststörungen führen.

Ist eine sichere Diagnose von FAS überhaupt möglich?

Eine sichere Diagnose ist häufig schwer zu treffen, da die Symptome sehr vielfältig und verlässliche Quellen über einen exzessiven Alkoholkonsum der Mutter während der Schwangerschaft schwer zu ermitteln sind. Darum müssen für eine eindeutige Diagnose andere Ursachen ausgeschlossen werden (Differentialdiagnosen). 

Für eine sichere Diagnose des Vollbilds „Fetales Alkoholsyndrom (FAS)“ muss ein Alkoholmissbrauch der Mutter während der Schwangerschaft vorliegen und folgende Befunde erfüllt werden:

Von FAS betroffene Personen sind kleiner und leichter als Gleichaltrige. Aus Studien ist bekannt, dass bei jedem 4. Kind mit Fetalem Alkoholsyndrom (FAS) der Body-Mass-Index geringer ist als bei 97% der Gleichaltrigen gleichen Geschlechts. Dies trifft nur auf 3% der Kinder ohne FAS zu.

So können von FAS betroffene Personen kürzere Lidspalten des Auges, eine nicht oder wenig ausgeprägte Furche zwischen Nase und Oberlippe sowie eine schmale Oberlippe aufweisen.

Eine durch den Alkohol bedingte Fehlentwicklungen des Gehirns kann dazu führen, dass das Gehirn deutlich kleiner ist und der Informationsaustausch der verschiedenen Bereiche des Nervensystems beeinträchtigt wird.

Im Unterschied zum Vollbild FAS liegen bei der partiellen Fetalen Alkoholsyndrom (pFAS)  keine Wachstumsstörungen vor. Kennzeichen der pFAS sind:

Werden ausschließlich die beim FAS beschriebenen Auffälligkeiten des zentralen Nervensystems zusammen mit einem bestätigtem Alkoholmissbrauch der Mutter während der Schwangerschaft beobachtet, spricht man von einer alkoholbedingten entwicklungsneurologischen Störung (ARND).

FAS ist nicht therapierbar!

Da FASD irreversibel ist und somit auch nicht geheilt werden kann, kann bei Betroffenen einzig durch individuelle symptomatische Frühförderung eine Erleichterung des Lebensalltags erreicht werden. So können zum Beispiel Kinder mit einer Entwicklungsverzögerung von einer Physiotherapie, Logopädie und Ergotherapie profitieren.

Durch operative Eingriffe können organische Anomalien teils behandelt werden (z.B. Herzfehler, Gaumenspalte) und  Seh- und Hörstörungen können mit Hilfsmitteln wie z.B. einer Brille oder einem Hörgeräte korrigiert werden.

Bei psychische Auffälligkeiten, wie ADHS oder Störungen der Impulskontrolle, werden die FAS-Betroffenen entsprechend medikamentös eingestellt. Je früher und qualifizierter Betroffene von den eingesetzten Hilfen und Leistungen profitieren, desto größer ist die Chance, den Lebensweg der Betroffenen positiv zu beeinflussen.

Die beste Prävention ist Prohibition - der Verzicht auf Alkohol!

Damit das Kind nicht zum Opfer des Fetalen Alkoholsyndroms wird, ist die einzige wirksame vorbeugende Maßnahme der unabdingbare Verzicht auf Alkohol während der Schwangerschaft.

Es gibt auch keine vorgeschriebene sichere Grenze der Alkoholmenge während der Schwangerschaft, mit der man sich das ein oder andere Glas Alkohol schön reden kann.

Darum ist es wichtig, dass schwangere Frauen auf einen verantwortungsbewussten Umgang mit Alkohol nachdrücklich aufmerksam gemacht werden und sich gegebenenfalls untereinander austauschen .

Denn das einzige was vor FAS schützt, ist kein Alkohol während der Schwangerschaft!