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Baby tragen

Vera
07.04.2020Lesezeit ca. 9 Minuten
Frau trägt Baby auf dem Arm

Kinder werden als Traglinge geboren. Nimmt man sie hoch, bauen sie Körperspannung auf und ziehen ihre Beinchen an. Die Kombination aus Nähe und Bewegung gibt ihnen Sicherheit. Welche Vorteile es gibt, euer Baby zu tragen und was ihr beachten müsst, erfahrt ihr im Folgenden.


Artikelinhalt:


    Die Vorteil des Tragens

    Kinder, die getragen werden, haben später häufig weniger Probleme mit der Haltung. Besonders die Nackenmuskulatur wird gestärkt. Das Gleichgewicht und die Körperwahrnehmung werden optimal trainiert. Das Tragen trainiert zusätzlich die kognitive Entwicklung. Kinder sehen mehr als im Kinderwagen, so dass die optischen Reize dem Kind helfen die Welt besser zu begreifen.

    Worauf muss ich beim Tragen achten?

    Kinder müssen im Tragetuch oder in der Tragehilfe in ihrer natürlichen Haltung getragen werden. Dies ist die so genannte Anhock-Spreizstellung. Die Beine sind angezogen, der Po ist tiefer als die Knie. Dies nennt man M-Position. Außerdem haben Babys einen physiologischen Rundrücken. Auch dieser muss beim Tragen optimal unterstützt werden. Dies erreicht man, in dem man die Kinder immer in „Kopf-Kuss-Höhe“ trägt. Hier kann ich meinem Kind bequem auf den Kopf küssen, während es im Tragetuch oder der Tragehilfe ist. Ist das Kind zu tief geht es ins Hohlkreuz. Bis das Kind den Kopf sicher halten kann muss man auf eine gute Unterstützung für den Kopf und Nacken achten.

    Wichtig ist immer das Kind fest einzubinden, egal ob im Tuch oder der Tragehilfe. So wird das Kind optimal gestützt und die Eltern bekommen das beste Trageempfinden. Ist das Kind zu locker in Tuch oder Trage, sackt das Kinn des Kindes auf die Brust und die Kleinen haben eine schlechtere Sauerstoffzirkulation. Viele Eltern haben die Befürchtung, dass sie das Kind zu eng binden können, dies ist aber nicht der Fall. Das Kind kennt die Enge aus dem Bauch der Mutter und fühlt sich dadurch Sicher und Geborgen. Das Kind sollte immer mit dem Gesicht zum Tragenden getragen werden. Tragehilfen, die eine „nach vorn gerichtete“ Position ermöglichen sollten gemieden werden. Zum einen haben die Kinder in der Trage keine gute Position, da sie keine Unterstützung im Rücken haben und ins Hohlkreuz gehen. Zum anderen ist die Reizüberflutung enorm und überfordert die Kinder.

    Die Nähe beim Tragen tut euch und euren Kindern gut. Gerade Neugeborene profitieren vom engen Körperkontakt mit einer vertrauten Person. Tragt ihr eure Kinder eng am Körper, unterstützt ihr auf diese Weise die besonders tiefe Bindung zwischen Kind und Eltern – das Urvertrauen. Ihr könnt die Bedürfnisse eures Babys in einem Tragetuch viel schneller wahrnehmen als in einem Kinderwagen und unmittelbar darauf reagieren. Gerade Kinder, die viel Nähe brauchen, sind so ruhiger und weinen sehr viel weniger.

    Bei allen Tragen ist es wichtig, dass man die perfekte Lösung für sich findet. Ich vergleiche es immer mit einem Schuh. Für den einen ist das eine Modell passend, für den anderen ein ganz anderes. Jeder muss seine eigenen Erfahrungen machen und es ausprobieren. Daher macht es auf jeden Fall Sinn eine Trageberatung aufzusuchen. Hier könnt ihr die verschiedenen Varianten testen. Viele Eltern haben ihre körperlichen Schwachstellen, der eine hat Nackenbeschwerden, der andere vielleicht schon Vorerkrankungen an der Lendenwirbelsäule. Dies sollte man bei der Trageberatung mitteilen. Da die unterschiedlichen Trageoptionen auch jeweils ein anderes Gewichtsverhältnis auf Schultern und Hüfte der Tragenden haben, kann man hier optimal unterstützen und die Schwachstellen ausgleichen.

    Info
    Erst im 19. Jahrhundert gab es die ersten richtigen Kinderwagen. Dies ist eher eine Erscheinung in unserer westlichen Gesellschaft. In anderen Ländern wird ausschließlich getragen. Es ist häufig die einzige Möglichkeit die Kinder mitzunehmen

    Was ist der Unterschied zwischen einem Tragetuch und einer Tragehilfe?

    Baby im Tragetuch

    Elastisches Tragetuch vs gewebtes Tragetuch

    Bei den Tragetüchern unterscheidet man zwischen gewebten und elastischen Tragetüchern. Wo der Unterschied zwischen den beiden Varianten liegt, zeigen wir euch nun:

    Elastisches Tragetuch

    Elastische Tragetücher sind sehr weich und schmiegen sich perfekt an den Körper des Babys. Sie sind etwas einfacher zu binden als gewebte Tücher und verzeihen ein paar kleine „Anlegefehler“. Daher sind sie besonders bei Vätern und Trage- Neulingen beliebt. Elastische Tücher können bereits ab einem Körpergewicht von 1,5 kg genutzt werden und sind daher besonders für Frühchen und Neugeborene geeignet .Nachteil der elastischen Tragetücher ist vor allem, dass die Tücher nur bis 7- 9 kg nutzbar sind. Bei zu viel Gewicht gibt das Material zu stark nach. Um eine gute Stabilität zu bekommen, sollten nur Bindetechniken gewählt werden, bei der 3 Lagen des Stoffes um den Rücken des Babys gelegt werden. Das bedeutet, dass die Anzahl der Bindevarianten selbstverständlich geringer ist.

    Gewebte Tragetücher

    Diese Tragetücher gibt es in verschiedenen Ausführungen. Je höher das Flächengewicht ist, umso dicker ist das Tuch. Die meisten Tücher sind aus Baumwolle. Es gibt aber auch viele andere Materialien, wie beispielsweise Seide, Leinen, Hanf, etc. Sie können ab einem Körpergewicht von etwa 2,5 bis 30 kg genutzt werden. Beim Anlegen muss man genauer arbeiten, als bei einem elastischen Tragetuch. Daher braucht es ein bisschen mehr Übung und Routine. Es gibt sehr viele unterschiedliche Bindetechniken. Als Trageanfänger sollte man sich auf ein bis maximal zwei Techniken konzentrieren, damit man Sicherheit erlangt.

    Vorteile eines Tragetuches

    • geeignet ab Geburt, da es sich wie eine zweite Haut um das Baby wickelt
    • bis zum Ende der Tragzeit nutzbar
    • verschiedene Bindetechniken bieten Abwechslung
    • Baby sitzt in einer ergonomischen Haltung im Tuch
    • Anhock- Spreiz- Haltung ist gewährleistet

    Nachteile eines Tragetuches

    • Lange Tuchenden die beim Binden auf dem Boden hängen
    • Bindetechniken müssen geübt werden
    • Anlegen dauert anfangs etwas länger

    Tragehilfen

    Man unterscheidet zwischen verschiedenen Modellen. Es gibt Half-Buckle, Full-Buckle, MeiTei und Onbu. Der Unterschied liegt im System des Anlegens und der Trageweise. Nicht alle Tragehilfen sind ab Geburt geeignet und sollten daher unbedingt mit dem Kind zusammen getestet werden.

    Merkmale einer guten Tragehilfe:

    • Stufenlos verstellbar. Hier ist besonders der Steg zwischen den Beinen des Kindes wichtig, damit das Kind optimal in seiner Anhock-Spreizstellung unterstützt wird
    • Die Stegbreite muss immer von Kniekehle zu Kniekehle gehen
    • Der Rundrücken der Kleinen sollte optimal gestützt werden. Weicher Stoff am kindlichen Rücken ist hier am besten.
    • Das Kind muss eng am Tragenden sein, damit der Körperkontakt optimal ermöglicht wird
    • Gute Kopf- oder Nackenstütze
    • Baby muss auf Kopf-Kusshöhe tragbar sein
    • Eine Rückentrageweise sollte möglich sein, da ältere Kinder später am besten auf dem Rücken getragen werden
    • Bequeme Trageweise für den Tragenden
    • Kinder sollten nur mit dem Gesicht zum Tragenden, oder später auf dem Rücken, getragen werden können

    Was ziehe ich meinem Kind beim Tragen an?

    Im Tragetuch oder der Tragehilfe sollte das Kind genauso gekleidet sein wie zuhause. Je weniger Stoff zwischen euch und eurem Kind ist umso besser. Die Körperwärme wird viel besser übertragen. Außerdem spürt ihr deutlich besser, wenn es eurem Kind zu warm oder zu kalt ist. In der kälteren Jahreszeit arbeitet man dann von außen zusätzlich mit Stoff. Hierfür sind Tragecover oder Tragejacken sehr gut geeignet.

    Wie lange kann ich mein Kind tragen?

    Die meisten Tragetücher und Tragehilfen können bis zu einem Gewicht von etwa  20-25 kg genutzt werden. Ältere Kinder werden auf dem Rücken getragen. Dies hat zwei Vorteile. Das Kind kann mehr sehen und der Tragende hat ein viel besseres Trageempfinden.

    Kann ich Zwillinge tragen?

    Auch bei Zwillingen ist es möglich diese zu tragen. Es gibt auch hier verschiedene Möglichkeiten. Zum einen gibt es verschiedene Bindetechniken beim Tragetuch, aber auch Tragehilfen für Zwillinge. Beachtet aber bitte, dass das höhere Gewicht von Anfang an sehr belastend für euren Körper sein kann. Gerade der Beckenboden profitiert davon, wenn man ihn am Anfang nicht zu sehr strapaziert.

    Eure Hebamme, Vera