Erste Hilfe am Kind #5: Unfälle vermeiden

Wiebke
Wiebke03.05.2021Lesezeit ca. 8 Minuten
Erste Hilfe am Kind: Unfälle vermeiden

Als Eltern steht der Schutz eures Kindes an erster Stelle! Am liebsten seid ihr in den ersten Lebensabschnitten immer in der Nähe und verfolgt mit großer Aufmerksamkeit alle sonstigen Kontakte und Bewegungen eures Kindes. Ihr seid euch sicher: Zuhause bei Mama und Papa ist euer Kind am sichersten.

Leider ist sieht die Realität anders aus: Über 80% aller Unfälle mit Kindern in den ersten beiden Lebensjahren passieren im Haushalt der Eltern, in der Regel in deren Anwesenheit. Zu diesem Ergebnis kommt die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärungen (BZgA), die mit einer Vielzahl an kostenlosem Informationsmaterial auf ihrer Internetseite über viele Gefahrenquellen und deren Beseitigung informiert. Hier möchten wir ein paar bekanntere, aber auch unbekanntere Gefahrenquellen herausgreifen und euch damit für dieses Thema sensibilisieren. Denn mit ein paar einfachen Ratschlägen könnt ihr eure eigenen vier Wände für eure Kinder zu einem sicheren Zuhause machen.

Kinder beginnen früh ihre Umgebung zu erkunden. Das beginnt zuerst in den eigenen vier Wänden. Seid ihr eigentlich schon einmal auf allen Vieren durch eure eigene Wohnung gekrabbelt? Dann könnt ihr erleben, wie euer Kind die Umgebung in den ersten Jahren wahrnimmt. Erinnert euch an einen der Grundgedanken der Ersten Hilfe: Kinder sind keine kleinen Erwachsenen. Sie nehmen ihre Umgebung nicht nur aus einer anderen Sichtweise wahr, sondern sind dabei noch eingeschränkt: Kinder sehen all das, was auf ihrer Augenhöhe liegt. Alle anderen Ebenen nehmen Kinder nicht bewusst wahr, was leicht zu Unfällen und Verletzungen führen kann.


Artikelinhalt:


    Unfälle durch Stolpern und Stoßen: Die richtige Beleuchtung

    In den allermeisten Fällen stolpern und stoßen wir uns im eigenen Haushalt, wenn wir uns nachts durch die eigenen vier Wände bewegen und dabei durchaus mal die eine oder andere Stolperkante übersehen. Das hat nicht nur etwas mit Müdigkeit zu tun, sondern maßgeblich mit weniger Licht. Je besser die Wohnung beleuchtet ist, desto weniger bleiben Stolper- und Stoßgelegenheiten unbemerkt.

    Deswegen achtet auf gut ausgeleuchtete Räume, aber auch Flure und Treppenhäuser. Für die Nacht helfen auch kleine Leuchten in den Steckdosen, die sich mittels eines Bewegungsmelders einschalten. Des Weiteren empfehlen wir niedrig angebrachte Lichtschalter, sodass das Kind die Lichtschalter auch erreichen kann.

    Wegen der besonderen kindlichen Perspektive und daraus resultierenden Wahrnehmung der Umwelt solltet ihr insbesondere Ecken und Tischkanten mit einem entsprechenden Schutz versehen. Ein solcher Tischkantenschutz verhindert schlimmere Verletzungen und kann immer wieder rückstandslos entfernt werden, sobald er nicht mehr gebraucht wird. Hier sind insbesondere Kopfverletzungen zu erwähnen, die dadurch entstehen, dass Kinder ihre eigene Stirnhöhe nicht einschätzen können.

    Auf dem Teppich bleiben: Achtung, rutschig!

    Ein besonderes Augenmerk möchten wir auf den Boden legen: Teppiche sollten rutschsicher auf dem Boden liegen, Stolperkanten vermieden werden.

    Im Kinderzimmer bietet sich ein weicher Bodenbelag an. Ein Teppichboden schützt euer Kind zudem vor einer Unterkühlung durch den kalten Boden. Grundsätzlich empfehlen wir auf alles achten, was auf den Boden liegen und zur Gefahrenquelle werden kann. Dazu zählt herkömmlicher Straßenschmutz, Flusen oder sonstige Kleinteile, in die das Kind – oder ihr selbst – treten und sich verletzen kann oder aber die Kinder verschlucken können. Ebenso sollten Flüssigkeiten sofort aufgewischt werden, um ein Ausrutschen zu vermeiden.

    Unbedingt sichern: Elektrogeräte und Stromquellen

    Den elementarsten Schutz vor Stromverletzungen erreicht ihr durch entsprechende Steckdosensicherungen. Darüber hinaus sollten Sie auf intakte Stromkabel und Stromgeräte, GS-geprüfte Geräte und verdeckte Stromleitungen achten.

    Allgegenwertig in unserem Alltag sind USB-Kabel. Eine unterschätzte Gefahr stellen USB-Kabel dar, wenn Kinder im Spiel Kleinteile wie z.B. eine Büroklammer in das Kabel stecken und ein Stromschlag erleiden. Ladet eure Geräte daher immer außerhalb der Reichweite von Kindern auf.

    Wellness-Oase oder Problemviertel: Badezimmer

    Trotz der FI-Schalter solltet ihr stets darauf achten, elektronische Geräte wie Fön, Rasierer, Glätteisen von Wasser fernzuhalten. Ein in der Badewanne sitzendes Kind darf zu keinem Zeitpunkt und auch nicht für wenige Sekunden unbeobachtet gelassen werden. Für einen Ertrinkungsunfall reichen wenige Augenblicke. Achtet beim Baden ständig auf die Wassertemperatur. Während heißes Wasser zu Überwärmung oder gar Verbrennungen führen kann, ist ebenso schnell eine Unterkühlung möglich.

    Achtet bei der Auswahl eurer Reiniger auf Schadstoffe und vermeidet Reiniger, die euer Kind gefährden. Auch auf eine übermäßige Desinfektion solltet ihr verzichten. Sobald ihr Oberflächen gründlich reinigt – dabei reicht ein Putzlappen mit Spülmittel – könnt ihr Keime wie Bakterien und Viren schon auf der Oberfläche reduzieren. Eine Desinfektion von Wickeltischen ist ebenso wenig notwendig. Auf Desinfektionsmittel mit Alkohol möchten wir in Umgebung mit Kindern generell verzichten.

    Reiniger sollten immer in der dafür vorgesehen Flasche belassen werden. Auf dieser Flasche stehen wichtige Daten, die im Falle eines Kontaktes mit dem Kind für die Giftinformationszentrale (030 19 24 0) wichtige Informationen beinhalten. Trinkt das Kind versehentlich Putzmittel, könnt ihr schnellstmöglich der Giftinformationszentrale die entscheidenden Daten nennen. Denkt daran: Eine Flasche mit selbst aufgezeichnetem Totenkopf ist für Kinder in Zeiten der „Wilden Kerle“ nicht abschreckend, sondern im Zweifel noch einladend.

    Elektronische Geräte wie Waschmaschine und Spülmaschine könnt ihr mit einem „Kinderstopp“ versehen, sodass diese nicht (z.B. im Spiel mit den Geschwistern) in das Gerät eingesperrt werden können.

    Wer im Glashaus sitzt: Scherben bringen nicht immer Glück

    Grundsätzlich sollte in Haushalten mit Kindern auf Glas bei Einrichtung und Alltagsgegenständen besonders geachtet werden. Wenn möglich bevorzugt den Einsatz von Sicherheitsglas. Gerade Glastüren können beim Toben und Spielen schnell übersehen werden. Beklebt die Glastüren in eurer Wohnung für eine bessere Sichtbarkeit und ergänzt Zimmertüren mit einer geeigneten Splitterschutzfolie, die bei Unfällen vor gefährlichen Schnittverletzungen schützen kann.

    Küche, Kochen, Kinder

    Die Küche wartet nicht nur für Kinder mit einer breiten Palette von Gefahrenquellen auf. Grundsätzlich sollten sich Kinder daher niemals allein in der Küche aufhalten (können). Des Weiteren solltet ihr auch während ihrer Anwesenheit stets auf eine bestmögliche Sicherung aller Gefahrenquellen achten: Sichert heißen Töpfe, Herdplatten und den Backofen so, dass das Kind sich dort nicht verbrennen kann. Die Töpfe sollten bevorzugt auf die hinteren Herdplatten gestellt werden, damit Kinder diese nicht vom Herd ziehen können. Knöpfe und Touchscreen eines Ofens/Herdes können meist mit einer Kindersicherung gesperrt werden.

    Und wenn doch einmal etwas schief geht? Das Basis-Schema und cABCDE-Schema geben euch einen guten Überblick, worauf ihr in einem Notfall achten müsst:

    Das cABCDE-Schema der Ersten Hilfe
    Das Basis-Schema der ersten Hilfe am Kind

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    Dieser Beitrag entstand in freundlicher Zusammenarbeit mit dem DRK-Kreisverband Bochum e.V. und wurde gemeinsam mit Tobias Matreitz und Jürgen Richter erarbeitet.

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