Mädchen und Baby sitzen nebeneinander im Kinderfahrradanhänger. Ein Hund steht daneben

Kinderfahrradsitz oder Kinderfahrradanhänger: Welche Lösung passt zu mir?

Kinderfahrradsitz oder Kinderfahrradanhänger?“, vor dieser Frage steht vielleicht auch ihr gerade. Beide Varianten sind sowohl praktisch als auch umweltfreundlich, betrachtet man die zwei Transportmöglichkeiten aber genauer, so spricht vieles für den Fahrradanhänger. Warum? Das erklären wir euch hier ausführlich.

Mutter fährt mit Kinderfahrradsitz Fahrrad
Mann fährt mit Kinderfahrradanhänger hinten dran Fahrrad

Kinderfahrradsitze sind nach wie vor beliebt

Selbst wenn mittlerweile weit mehr Fahrradanhänger auf den Straßen unterwegs sind, hat auch der klassische Kinderfahrradsitz nach wie vor seine Fangemeinschaft.

Die Vorteile von Kinderfahrradsitzen liegen auf der Hand: Sie sind relativ günstig (einen guten Kinderfahrradsitz bekommt man bereits ab rund 60 Euro), leicht, und sie brauchen sehr wenig Platz – sei es während der Fahrt als auch beim Verstauen im Kofferraum oder über die Wintermonate.

Zudem genießen die Kinder es während der Fahrt in unmittelbarer Nähe von Mama oder Papa zu sitzen. Als Eltern wiederum, hat man den Nachwuchs besonders bei Frontkinderfahrradsitzen gut im Blick. Aber auch beim klassischen Heck-Kinderfahrradsitz habt ihr euer Kind ständig in Greifnähe.

Kinderfahrradsitz vs. Kinderfahrradanhänger: Die Sicherheitsperspektive

In Punkto Sicherheit weisen Fahrradsitze für Kinder nicht selten Mängel auf. Das Problem ist bei manchen Produkten, dass sich die Anschnallgurte zu einfach öffnen lassen – und damit unter Umständen auch von den Kindern selbst.

Aber auch wenn die Gurte in Ordnung sind, kann ein Fahrradkindersitz nie mit den Sicherheitsstandards eines guten Fahrradanhängers mithalten: Das Fahrverhalten wird durch Bewegungen des Kindes im Fahrradkindersitz deutlich stärker beeinflusst als bei einem Kinder-Fahrradanhänger. Zudem werden die Kinder im Falle eines Unfalls durch den stabilen Rahmen des Anhängers zusätzlich geschützt, während sie im Kinderfahrradsitz dem Aufprall auf dem Untergrund unmittelbar ausgesetzt sind. Ein Helm ist im Sitz deshalb auf jeden Fall Pflicht!

Ein weiterer wichtiger Aspekt: In Zweisitzern finden, wie der Name schon sagt, zwei Kinder im Anhänger Platz, der Transport von zwei Kindern mit Fahrradsitzen vorne und hinten stellt hingegen eine richtige Herausforderung dar: Zum einen muss darauf geachtet werden, dass das zulässige Gesamtgewicht des Fahrrades insgesamt nicht überschritten wird, zum anderen braucht ihr ordentlich „Saft“ in den Beinen, um mit zwei Kindern gleichzeitig zu radeln. Sind die Kleinen dann auch noch unruhig und in Bewegung, wird die Fahrt zum gefährlichen Balanceakt.

Kurzum: Die Fahrt mit dem Kinderfahrradanhänger ist insgesamt sicherer für Kinder UND Fahrer. Zudem könnt ihr mit dem entsprechenden Anhängermodell problemlos zwei Kinder plus Kleingepäck transportieren, ohne dass das gesamte Gewicht auf dem Fahrrad allein lastet. Zwar ist auch dieses Gespann entsprechend schwer und es braucht sowohl Kraft als auch Ausdauer, mittlerweile lassen sich Fahrradanhänger aber auch an gängigen E-Bikes ankuppeln und damit fällt auch dieses Argument gegen einen Fahrradanhänger flach.

Die wichtigsten Unterschiede im Bereich Komfort

Die Fahrt mit einem Anhänger ist allerdings nicht nur sicherer, sondern in der Regel auch um einiges bequemer: Die Kinder werden im Fahrradanhänger durch entsprechende Verdecke vor Insekten, Wind und Wetter geschützt. Sie haben bei den meisten Modellen auch mehr Platz als bei üblichen Fahrrad-Kindersitzen und bei Anhängern mit Federung werden sogar kleine Erschütterungen ausgeglichen. Die Fahrt gestaltet sich damit nicht nur für die Kleinen, sondern auch für die Eltern auf dem Sattel deutlich sanfter und ruhiger.

Bei einigen Anhänger-Modellen lässt sich sogar die Rückenlehne verstellen und die kleinen Passagiere können problemlos im Anhänger ein Nickerchen machen. Polsterungen für den Kopf- und Nackenbereich sowie andere Sitzstützen (wie Sitzverkleinerer) unterstützen eure Kinder zusätzlich und helfen ihnen sich im Anhänger so richtig wohl zu fühlen.

Mit der passenden Babyschale oder Hängematte könnt ihr einen Fahrradanhänger im Übrigen bereits für Fahrten mit Babys nutzen, dies ist beim Kindersitz natürlich nicht möglich.

Zudem verfügen Anhänger über zusätzlichen Stauraum: Plüschtiere und Proviant können in Taschen praktisch verstaut werden. Auch in der Kategorie „Komfort“ geht der Punkt damit also an den Fahrradanhänger.

Ausstattung und Zusatzfunktionen

Fahrradanhänger sind längst keine sperrigen Kisten mehr. Hinsichtlich Designs und Ausstattung wird inzwischen ein breites Spektrum geboten. Das immer vielfältigere Angebot an Anhängern auf dem Markt lässt kaum noch Wünsche offen.

Die Anhängermodelle der bekannten Marken (Qeridoo, Thule, Croozer, hamax und Co.) weisen inzwischen alle Zusatzfunktionen auf und ihr könnt sie daher nicht nur als Fahrradanhänger, sondern auch als Buggy und/oder Jogger nutzen. Der höhere Preis von Anhängern im Vergleich zu Kinderfahrradsitzen muss aufgrund ihrer Multifunktionalität daher relativ gesehen werden.

Wichtig ist, dass ihr euch vor dem Kauf genau überlegt, welche Anforderungen ihr an den Anhänger stellt und wie ihr ihn nutzen wollt. Es gibt beispielsweise auch Modelle mit Sport-Ausstattungen, die speziell für Fahrten auf unebenem Gelände ausgerichtet sind. Bei diesen Produkten sind meist Scheibenbremsen verbaut und sie verfügen über hochwertige Federungen, die sich entweder vollautomatisch oder manuell auf das Gewicht einstellen lassen.

Ein zusätzlicher Vorteil von Fahrradanhängern ist, dass sie in der Regel mit der passenden Kupplung an nahezu jedem Fahrrad angebracht werden können. Die Montage von Fahrradsitzen ist hingegen besonders bei sportlichen Fahrrädern (z.B. Mountainbikes) häufig komplizierter.

Fazit

Keine Frage: Fahrradanhänger sind deutlich teurer als Kinderfahrradsitze und ihr Kauf sollte daher wohl überlegt sein. Das Angebot an Anhängern ist allerdings inzwischen so breitgefächert, dass ihr auch für weniger Geld gute, qualitativ hochwertige Modelle bekommt.

Natürlich sind Fahrradanhänger auch schwerer als Kindersitze und nehmen während der Fahrt, wie auch im Keller deutlich mehr Platz ein, in Sachen Sicherheit und Komfort haben Anhänger aber klar die Nase vorne.

Falls ihr eure Kinder öfter als zwei bis dreimal im Jahr zum nächstgelegenen Spielplatz fahren wollt, sind Fahrradanhänger eine super Investition. Ihr könnt Sie mit entsprechender Ausstattung bei jedem Wetter, auf unterschiedlichen Strecken und auf sehr vielfältige Art und Weise nutzen. Besonders bei längeren Ausflügen sind Anhänger den Kinderfahrradsitzen vorzuziehen, da die Kinder sicherer und bequemer darin sitzen. Zudem fährt sich ein Fahrrad mit einem guten Anhänger deutlich stabiler und die Bewegungen der Kinder wirken sich weniger auf das Fahrverhalten aus.

Überlegt euch vor dem Kauf eines Anhängers jedenfalls gut, ob ihr einen Ein- oder Zweisitzer braucht und ob ihr mit dem Anhänger nur auf Asphalt- oder auch auf Forststraßen unterwegs sein wollt. Auch der Punkt „Multifunktionalität“ sollte wohl überlegt sein: die Frage ist, ob ihr den Anhänger auch als Jogger oder im Winter sogar zum Skilaufen nutzen wollt. Wenn ihr all dies berücksichtigt, steht dem nächsten Fahrradausflug samt Kind und Kegel eigentlich auch nichts mehr im Wege! 🙂

Gerald Bacher

Gerald Bacher betreibt das Informationsportal für Fahrradtransport zweiradkraft.com und ist ein absoluter Fahrrad-Freak. Dank seiner ausführlichen Testberichte weiß er genau, worauf es beim Kauf von Kinderfahrradsitzen und Fahrradanhänger ankommt.

Gerald Bacher
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