Schwangere Frau bei der Arbeit

Beschäftigungsverbot in der Schwangerschaft: Das müsst ihr wissen

Ihr seid schwanger und könntet vor Glück platzen! Doch was ist eigentlich mit eurem Job? Einige Berufe lassen sich nur schwer bis gar nicht mit einer Schwangerschaft vereinen. Oder aber die Schwangerschaft verläuft nicht so problemlos, wie man es jeder werdenden Mutter nur wünschen kann, und ihr habt starke Beschwerden, die die Arbeit erschweren. Für diese Fälle gibt es natürlich gesetzliche Regelungen. Hier erfahrt ihr alles, was ihr über das Beschäftigungsverbot in der Schwangerschaft wissen müsst.

Das Mutterschutzgesetz und das Beschäftigungsverbot

Zum Schutz der Gesundheit der (werdenden) Mutter und ihres Kindes am Arbeitsplatz gibt es das Mutterschutzgesetz (MuSchG). Es gewährleistet, dass die Mutter während der Schwangerschaft, aber auch nach der Entbindung und in der Stillzeit am Arbeitsplatz keiner Gefährdung ihrer Gesundheit oder der ihres Kindes ausgesetzt ist und wirkt Benachteiligungen am Arbeitsplatz entgegen. Eine tolle Sache also!

Unter das Mutterschutzgesetz fällt auch das Beschäftigungsverbot in der Schwangerschaft. Grundsätzlich gilt im gesetzlich festgelegten Zeitraum des Mutterschutzes ein Beschäftigungsverbot, also sechs Wochen vor dem errechneten Geburtstermin und bis zu acht Wochen nach der Entbindung. In dieser Schutzfrist ist die Schwangere oder frisch gebackene Mutter von der Arbeit freigestellt.

Weitere Details zum Mutterschutzgesetz findet ihr hier:

Generelles Beschäftigungsverbot für Schwangere

Sobald der Arbeitgeber erfährt, dass ihr Nachwuchs erwartet, muss dieser sich sofort an die zuständige Behörde wenden, wie etwa das Gewerbeaufsichtsamt. Die Behörde informiert und berät euch dann über mögliche Risiken, die an eurem Arbeitsplatz bestehen. Wenn die Ausführung der Arbeit eine Gefahr für die Gesundheit oder sogar das Leben der (werdenden) Mutter oder des Kindes bedeutet, gilt ein im Mutterschutzgesetz verankertes generelles Beschäftigungsverbot. Folgende Tätigkeiten stellen grundsätzlich eine unverantwortbare Gefährdung der körperlichen oder geistigen Gesundheit für Mutter und Kind dar:

  • Bestimmte Gefahrstoffe

    Arbeit mit Gefahrstoffen und Biostoffen wie Viren, Bakterien und Pilzen. Ebenso eine Arbeitsumgebung, bei der ein erhöhtes Infektionsrisiko besteht.

  • Körperliche Belastung

    Tätigkeiten, bei denen ihr regelmäßig Lasten von mehr als 5 Kilo Gewicht heben, halten, bewegen oder befördern müsst. Nach Ablauf des fünften Schwangerschaftsmonats außerdem Tätigkeiten, die ihr überwiegend bewegungsarm stehend und über vier Stunden am Tag ausführt.

  • Physikalische Einwirkungen

    Ionisierende und nicht ionisierende Strahlungen, Erschütterungen, Vibrationen und Lärm ebenso wie Hitze, Kälte und Nässe.

  • Weitere Arbeitsbedingungen

    Fließbandarbeit, Akkordarbeit, Nachtarbeit, Sonntagsarbeit und Mehrarbeit. Arbeiten, bei denen ihr ein Beförderungsmittel nutzen müsst und dies eine unverantwortbare Gefährdung darstellt. Wenn Unfälle, insbesondere durch Ausrutschen, Fallen und Stürzen zu befürchten sind. Wenn ihr eine Schutzausrüstung tragen müsst und dies eine unverantwortbare Belastung ist.

Individuelles Beschäftigungsverbot in der Schwangerschaft

Neben dem generellen Beschäftigungsverbot gibt es auch ein individuelles Beschäftigungsverbot. Statt arbeitsplatzbezogenen Risiken betrifft es individuelle Risiken im Zusammenhang mit der Ausführung der Arbeit. Darunter können beispielsweise auch die Fahrtwege zum Arbeitsplatz oder Stress fallen. Nicht für jede Erkrankung stellt ein Arzt der Schwangeren ein individuelles Beschäftigungsverbot aus. Im Gegenteil, bei einer Erkältung oder einer Grippe werdet ihr in der Regel nur krankgeschrieben. Es existiert kein Muster oder Vordruck für das Arbeitsverbot in der Schwangerschaft. Der Arzt muss dafür individuell auf die Schwangere eingehen. Gründe für ein individuelles Beschäftigungsverbot sind etwa:

  • Gefahr einer Frühgeburt

  • Risikoschwangerschaft

  • Mehrlingsschwangerschaft

  • Starke Rückenschmerzen

  • Starke Übelkeit

  • Eine Muttermundschwäche

Das Gesundheitsrisiko für die Schwangere und ihr Kind muss von einem Arzt in einem schriftlichen Attest festgestellt werden. Das Attest muss möglichst exakte und allgemeinverständliche Informationen enthalten, ob die Schwangere ihrer Tätigkeit überhaupt nicht mehr nachgehen kann, ob dies noch für einige Stunden möglich ist und worin genau das Risiko besteht. Dazu muss der Arzt natürlich mitteilen, von welcher Arbeitssituation er für eine solche Beurteilung ausgeht. So hat der Arbeitgeber die Möglichkeit, die Umstände gegebenenfalls anzupassen oder der Schwangeren einen angemessenen anderen Arbeitsplatz zuzuweisen. Außerdem muss das Attest die voraussichtliche Dauer des Beschäftigungsverbotes aufführen.

  • Da nicht jede Krankenkasse die Kosten für das Attest übernimmt, solltet ihr euch im Zweifelsfall vorher bei eurer Krankenkasse erkundigen.

Das individuelle Beschäftigungsverbot ist für den Arbeitgeber bindend. Er hat aber das Recht auf ein zweites Urteil. Welcher Arzt die zweite Untersuchung vornimmt, entscheidet allein die Schwangere. Die Kosten für das zweite Attest übernimmt der Arbeitgeber. Bis das zweite Attest vorliegt, bleibt das Arbeitsverbot bestehen.

Ist das gesundheitliche Risiko für die Schwangere und ihr Kind erhöht, kann der Arzt ein totales Beschäftigungsverbot attestieren, das jegliche Arbeit untersagt. Es gibt aber auch ein partielles Beschäftigungsverbot. Dabei kann zum Beispiel die Arbeitszeit auf eine gewisse Stundenzahl pro Tag oder auch auf bestimmte Zuständigkeiten begrenzt sein.

Übrigens: Ein individuelles Beschäftigungsverbot kann auch nach der Schwangerschaft attestiert werden. Wenn die Leistungsfähigkeit der Mutter auch nach der Schutzfrist von bis zu acht Wochen vermindert ist und dies auf die Geburt zurückgeführt werden kann, ist ein Arbeitsverbot möglich.

Beschäftigungsverbot oder Arbeitsunfähigkeit?

Zwischen schwangerschafts- und krankheitsbedingten Beschwerden ist die Grenze oft fließend. Da kann man sich schnell fragen, ob eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung nicht besser wäre als ein Beschäftigungsverbot, bei dem ihr möglicherweise für ein Attest aufkommen müsst. Allerdings habt ihr nicht unbedingt einen Vorteil dadurch. Denn wenn ihr aufgrund einer Krankheit länger als sechs Wochen arbeitsunfähig seid, erhaltet ihr Krankengeld. Und das ist natürlich geringer als das volle Gehalt, das ihr während eines Beschäftigungsverbotes weiterhin erhaltet. Eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung ist also nur dann sinnvoll, wenn ihr nur für ein paar Tage oder bis zu maximal sechs Wochen nicht arbeiten könnt.

  • Eine Ausnahme gibt es allerdings:

    Werdende Mütter, die Arbeitslosengeld I beziehen, weil sie sich in keinem festen Arbeitsverhältnis befinden, lassen sich besser krankschreiben. Das hat folgenden Grund: Bei einem Beschäftigungsverbot ist die Schwangere nicht mehr auf dem Arbeitsmarkt vermittelbar und somit streicht die Arbeitsagentur die Zahlung des Arbeitslosengeldes. Stattdessen müsstet ihr Arbeitslosengeld II, also Hartz IV beantragen. Hier lohnt sich eine Krankschreibung.

Gehalt, Urlaub und Kündigung: Was gilt im Beschäftigungsverbot?

In der Schwangerschaft und der Zeit nach der Geburt fallen natürlich einige Anschaffungen für den Nachwuchs an. Aber euch droht aufgrund eines Beschäftigungsverbots keine finanzielle Unsicherheit! Bei jeder Art von Beschäftigungsverbot in der Schwangerschaft ist euer Lebensunterhalt gesetzlich gesichert. Befindet ihr euch im Beschäftigungsverbot außerhalb der Mutterschutzfristen, so erhaltet ihr den sogenannten Mutterschutzlohn. Dieser errechnet sich aus dem Durchschnittsverdienst der letzten 13 Wochen oder 3 Monate vor Beginn der Schwangerschaft. Das heißt, die (werdende) Mutter erhält ihr Einkommen weiterhin in voller Höhe. Der Mutterschutzlohn steht euch auch im partiellen Beschäftigungsverbot zu. Der Arbeitgeber darf keine Kürzung vornehmen.

  • Weiterhin gilt: Der besondere Kündigungsschutz gilt auch im Beschäftigungsverbot. Das Beschäftigungsverbot hat keine Auswirkungen auf das Elterngeld. Der Urlaubsanspruch bleibt auch im Beschäftigungsverbot bestehen. Eure Urlaubstage können nicht verfallen und stehen euch nach Wiedereintritt in den Berufsalltag in voller Zahl zur Verfügung.

Erfahrt hier weitere Details im “Leitfaden zum Mutterschutz” vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend:

Wir wünschen euch alles Gute für die Geburt und eine erholsame und sorglose Zeit mit eurem Baby.

Euer Team von babymarkt.de

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